Kino

Kinoverbund SH wirbt um weitere Unterstützung

Der Kinoverbund SH hat sich mit einem Appell in die laufenden Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und Grünen in Schleswig-Holstein eingeschaltet - und dabei auf die anhaltenden massiven Auswirkungen der Pandemie und auslaufende Hilfen verwiesen.

21.06.2022 16:11 • von Marc Mensch
Dennis Jahnke und Matthias Ehr vom Kieler Studio Filmtheater am Dreiecksplatz übergaben den Brief an Ministerpräsident Daniel Günther (Bild: Kinoverbund SH)

In Schleswig-Holstein laufen derzeit die Koalitionsverhandlungen zwischen der CDU von Ministerpräsident Daniel Günther und der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Der Kinoverbund SH hat sich mit einem Appell an die Verhandelnden in diese Gespräche eingeschaltet, der Brief konnte anlässlich der Dreharbeiten zu einem Spot für den nächsten Kino-Aktionstag direkt an Günther übergeben werden, der erneut die Schirmherrschaft für eine solche Veranstaltung übernommen hatte (wir berichteten).

Der Brief im Wortlaut:

"Liebe Präsidentin Kristina Herbst, lieber Ministerpräsident Daniel Günther, liebe Mitglieder der CDU-Fraktion, liebe Mitglieder der BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN-Fraktion,

wir gratulieren Ihnen herzlich zu Ihrem Wahlerfolg und wünschen Ihnen stets immer ein gutes Händchen für Ihre Entscheidungen zum Wohle unseres schönen Landes. Die Kinos haben die Corona-Krise dank verschiedenster Hilfsprogramme, auch insbesondere der Landeshilfe im Jahr 2020 überstanden. Dafür möchten wir uns bei Ihnen herzlich bedanken. Ohne Ihre Landeshilfe, hätten nicht alle Kinos im Land überlebt. Allerdings zeigen sich nun die finanziellen und substanziellen Auswirkungen der Corona-Krise im Kinogeschäft. Kein Betrieb konnte in der wichtigen Winterzeit Rücklagen für den schwachen Sommer bilden. Weiterhin kämpfen die Kinos mit einem Besucherrückgang von bis zu 30 Prozent. Ängste in der Bevölkerung sind leider noch zu spüren, auch wenn wir in gute Lüftungsanlagen und Hygienekonzepte investiert haben.

Leider enden die Überbrückungshilfen zum 30. Juni. Es bleibt lediglich ein Bundeskulturfonds, der nur sehr wenige Kosten eines Kinos auffängt. Das Minus der Kinos wird demzufolge leider immer größer. Wichtig ist es, dass sich die Kinos weiterentwickeln und so den kulturellen Auftrag auch in den nächsten Jahren sicherstellen können. Das jetzige BKM-Förderinstument 'Zukunftsprogramm Kino' ist hier sehr hilfreich. Das Land S-H beteiligt sich hier mit 20 Prozent. Auch dafür sind wir Ihnen sehr dankbar. Allerdings wird dieses Programm im nächsten Jahr vom BKM leider nur noch reduziert fortgeführt. Hier braucht es eine verbindliche Co-Finanzierung des Landes.

Trotz dieser bisherigen Unterstützungen sehen wir eher sorgenvoll gestimmt auf das weitere Jahr 2022 und die kommenden Jahre.

Die Kinos sind ein wichtiger Bestandteil für die Daseinsfürsorge in den Städten und auf dem Land. Wir repräsentieren Kultur flächendeckend und sind vielerorts der einzige Kulturanbieter überhaupt! Wir sind auch für den Tourismus eine sehr wichtige Stütze. Es muss also schnell gehandelt werden, um diese Struktur zu erhalten. Ein geschlossenes Kino sorgt für eine Verwaisung der Städte und entzieht der ländlichen Region den Zugang zur Kultur.

Deshalb bitten wir Sie, bei den Koalitionsverhandlungen die Kinos unbedingt zu berücksichtigen, um sie weiterhin zukunftsfähig zu erhalten:

Wir wünschen uns, dass Kinos als Orte der kulturellen und medialen Vielfalt gezielt gefördert werden: Kinos erfüllen mit anderen Kultureinrichtungen als Kulturknotenpunkte eine besondere strukturelle und kulturelle Funktion an ihrem Standort. Um die Sichtbarkeit der kulturell anspruchsvollen Kinos zu sichern, bitten wir darum, ein entsprechendes Zukunftsprogramm zu entwickeln. Gerne unterstützen wir Sie hier in der Umsetzung.

Wir glauben fest daran, dass wir gemeinsam in Schleswig-Holstein den richtigen Weg gehen werden."

Unterzeichnet ist der Bief vom Vorstand des Kinoverbunds SH: Martin Turowski, Ralf Thomsen, Meike Peemöller und Dennis Jahnke.