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Bianca Obermaier von Weltkino zu Cannes: "Zufrieden nach Hause gekommen"

Blickpunkt:Film hat sich bei den deutschen Einkäuferinnen und Einkäufern umgehört, wie die diesjährige Ausbeute und Stimmung beim Marché du Film von Cannes war. Hier antwortet Bianca Obermaier, Acquisitions International bei Weltkino.

22.06.2022 07:20 • von Michael Müller
Bianca Obermaier, Acquisitions International Weltkino (Bild: Weltkino)

Blickpunkt:Film hat sich bei den deutschen Einkäuferinnen und Einkäufern umgehört, wie die diesjährige Ausbeute und Stimmung beim Marché du Film von Cannes war. Hier antwortet Bianca Obermaier, Acquisitions International bei Weltkino.

Waren Sie erfolgreich in Cannes?

BIANCA OBERMAIER: Wir sind zufrieden nach Hause gekommen. Zu den fünf Titeln, die wir bereits vorab erworben hatten und die in den offiziellen Sektionen liefen, kamen noch drei Neueinkäufe dazu. Darunter der Eröffnungsfilm "Final Cut" - eine schräge und überraschende Zombie-Komödie von "The Artist"-Regisseur Michel Hazanavicius - sowie "The pot au feu" mit Juliette Binoche und Benoît Magimel - ein sinnlicher Liebesfilm rund um die französische Küche, der sich gerade im Dreh befindet. Den letzten Titel können wir noch nicht bekannt geben, aber er wird ebenfalls derzeit gedreht.

Was ist Ihnen in diesem Jahr aufgefallen?

BIANCA OBERMAIER: Abgesehen von dem ärgerlichen technischen Chaos bei der Akkredierungsabholung und der Ticketvergabe war die Freude wieder bei einem "echten" Festival sein zu dürfen vorherrschend. Diese war auch ein Gegengewicht zu den anhaltenden Unsicherheiten bezüglich der Zukunft des Kinomarktes in vielen Ländern, sodass die Stimmung insgesamt grundsätzlich hoffnungsvoll und positiv war.

Wie würden Sie die allgemeine Stimmung einschätzen?

BIANCA OBERMAIER: Zudem gab es eine enorm große Anzahl an neuen Projekten, die uns förmlich überrollt hat. Aber darüber haben wir uns natürlich sehr gefreut - auch weil eine sehr große Bandbreite abgedeckt war, sowohl inhaltlich als auch im Hinblick aufs Budget. Es war für jeden etwas dabei was zu einem sehr aktiven Markt geführt hat. Neben den unverhältnismäßig hohen Asks für gewisse Projekte, die vielmehr auf Streamer- oder Studioverkäufe abzielen als auf Indies, gab es aber auch diverse Projekte, deren finanzielle Erwartungen um einiges realistischer waren und somit zeigen, dass die Weltvertriebe und Produzenten auf die neue Realität reagieren. Erfreulich war auch, dass der Glaube an das Arthaus-Kino nach wie vor da ist, auch an das jüngere Arthaus-Publikum, wenn auch noch etwas zaghafter. Verleiher sind sicher vorsichtiger geworden und kaufen ggf. weniger Filme, bzw. gehen seltener ins Risiko, aber sind immer noch dazu bereit, wenn sie sich in einen Titel verliebt haben. In der Hoffnung, dass es dem Publikum genauso ergehen wird.