Kino

KOMMENTAR: Ein riskantes Geschäft

Zumindest eine große Sorge ist den Produzent:innen genommen: der Ausfallfonds I wurde in letzter Sekunde verlängert. Unabsehbare Risiken bei der Produktion von Kinofilmen und Highend-Serien lassen sich jetzt bis März 2023 schultern.

16.06.2022 07:29 • von Jochen Müller
Ulrich Höcherl, Herausgeber und Chefredakteur (Bild: Blickpunkt:Film)

Zumindest eine große Sorge ist den Produzent:innen genommen: der Ausfallfonds I wurde in letzter Sekunde verlängert. Unabsehbare Risiken bei der Produktion von Kinofilmen und Highend-Serien lassen sich jetzt bis März 2023 schultern. Dass Filmproduktion wie auch der Verleih von Filmen ein riskantes Geschäft sind, ist nichts Neues. Wenn es nur um die Gunst des Publikums geht, dann ist Herstellern und Vertreibern von Mainstream- wie von Arthouse-Filmen bewusst, dass sie sich in die Untiefen von Geschmäckern und Vorlieben begeben. Die Corona-Pandemie hat alle gelehrt, dass die Risiken eines Shutdowns oder die Unmöglichkeit einer Auswertung, weil die Kinos landesweit geschlossen werden, unkalkulierbar sind.

Wer jetzt davon redet, dass die Pandemie vorüber ist, weiß nicht, was dieser Herbst noch bringen kann, vor allem unterschätzt er "long covid" für die Branche: Publikumsschichten, die nur zögernd vor die große Leinwand zurückkehren, Produktionen, die kein grünes Licht erfahren, weil ihre Verwertung mit Fragezeichen besetzt ist, Verleiher und Kinobetreiber, die die langen Monate der Pandemie an ihre wirtschaftlichen Grenzen geführt haben. Nun ist es schön, täglich der Leidenschaft zu begegnen, mit der Filme für die große Leinwand gemacht, mit der sie vermarktet, vertrieben und einem Publikum präsentiert werden. Selbst diese Leidenschaft erfährt Grenzen, wenn sich gewichtige Player und mit ihnen das Publikum anderen Programm- und Rezeptionsformen zuwenden, oder Monopolisten Bedingungen diktieren. Der Kinofilm ist noch keine bedrohte Spezies, aber es lohnt sich, für diese besondere Kunstform zu kämpfen.

Es scheint, als habe die neue Bundeskulturministerin ein besonderes Faible für die siebte Kunst; nicht dass sie die anderen sechs nicht unterstützen würde. In ihrem Beritt sind viele Stellschrauben zu drehen, um dem Kinofilm auch in Zukunft die nötige Verbreitung zu ermöglichen. Natürlich steht da die Novellierung des FFG an, von der sich viele nun endlich den großen Wurf erhoffen, etwa auch eine Investitionsverpflichtung für die Streamer. Natürlich sind da die mächtigen, mit einem Rekordaufkommen an Gebühren ausgestatteten Fernsehanstalten, die es an ihre Verantwortung zu erinnern gilt, sonst sollte man die Förderungen wieder zum ersten Anlaufpunkt für Filmprojekte machen. Und natürlich müssen die Verleiher soweit unterstützt werden, dass sie die bedrohlichen Einbußen durch die Pandemie überstehen können. Auch den Kinos muss man noch über den nächsten Corona-Winter helfen. Die Länder unterstützen sie mit erhöhten Programmprämien, nun sollten sie sich auch an die Verlängerung des Ausfallfonds II machen, um die Produzent:innen auch bei ihrer weiteren Tätigkeit zu unterstützen. Damit das Geschäft nicht allmählich zu riskant wird.

Ulrich Höcherl, Herausgeber und Chefredakteur