Produktion

Oberon Film präsentiert "Für Jojo" in München

Produzent Alexander Funk feiert heute mit "Für Jojo" von Barbara Ott und Stefanie Ren Premiere beim Filmfest München als erster Netflix-Film in der TV-Reihe. Mit seiner Oberon Film bereitet er zwei internationale Spielfilme und eine Serie vor.

24.06.2022 07:52 • von Heike Angermaier
Alexander Funk (Bild: Stephan Rabold)

Produzent Alexander Funk feiert mit Für Jojo" von Barbara Ott und Stefanie Ren heute Premiere beim Filmfest München. Die Geschichte einer engen Freundschaft zweier Frauen ist der erste Netflix-Film in der TV-Reihe. Mit seiner Oberon Film bereitet er zwei internationale Spielfilme und eine Serie vor.

Alexander Funk, der seit 2009 als Geschäftsführer von Oberon Film agiert und Stoffe für Kino und Fernsehen produziert, entwickelte das frische, auch humorvolle Drama seit 2014. Er konzipierte es ursprünglich als Kinofilm für ein breites Publikum, dachte im Laufe der Drehbucharbeit aber auch an Netflix als passende Plattform. Als er nach Gesprächen mit Kinoverleihern bei Kai Finke von Netflix anfragte, bekam er schnell eine Zusage. Die ungewöhnliche, sehr emotionale Protagonistin Paula begeisterte Funk ganz besonders beim Pitch von Autorin Stefanie Ren: "Sie ist eine Antiheldin mit einer frechen Schnauze und Verhaltensweisen, die ich im deutschen Film so noch nicht gesehen habe." Paula hängt enorm stark an ihrer besten Freundin seit Kindertagen, Jojo, mit der sie auch die Wohnung in Berlin teilt. Als die sich für einige Wochen nach Mexiko verabschiedet und mit einem Mann zurückkehrt, den sie heiraten und mit ihm in den Provinzort ziehen will, dem die beiden Frauen entflohen sind, ist Paula völlig perplex und macht eine Szene. Schließlich begleitet sie Jojo zurück in die Heimat, in der Hoffnung, ihr die Hochzeit ausreden zu können. Ren, die für ihr Drehbuch zu Cleo" um eine junge Frau in Berlin, das sie mit Regisseur Erik Schmitt schrieb, mit dem Kindertiger nominiert wurde, studierte wie Funk an der Film­akademie Baden-Württemberg.

Funk wollte für den Stoff mit zwei Frauen im Fokus unbedingt eine Regisseurin und holte Barbara Ott an Bord. Er schätzte bereits ihr mit der Kurzfilm-Lola prämiertes Abschlussdrama an der Filmakademie, Sunny". In der von ihr inszenierten Serie Druck" setzte Ott sich bereits mit der Lebenswelt junger Frauen auseinander. Die Erfahrung, aus der Provinz nach Berlin zu kommen, teilen Ott, Ren und Funk mit den Protagonistinnen. Ott hatte die Idee, den Hauptschauplatz auf Sylt anzusiedeln. Die Insellandschaft als Kulisse hat das von Funk gewünschte "Eigene" und "Filmische" um einen besonderen Kon­trast zum urbanen Berlin zu bilden. Die für den Film essenzielle Besetzung der besonderen Persönlichkeit der Paula zu finden, war "ein langer Prozess", so Funk. Er fand sie in Caro Cult aus "High Society" und Biohackers", die aktuell in Immenhof - Das große Versprechen" zu sehen ist. Ihre Freundin Jojo wird von der vielbeschäftigten Nina Gummich gespielt. Zum Ensemble gehören außerdem der 2020 bei den First Steps Awards ausgezeichnete Steven Sowah als Bräutigam in spe von Jojo sowie Louis Nitsche als dessen Kumpel, mit dem sich Paula anfreundet. Was das Team betrifft, konnte Ott auf einen Großteil ihrer Crew aus "Sunny" und ihrem Langfilm­debüt Kids Run" zurückgreifen. Falko Lachmund führte die Kamera und setzte die Figuren in der Großstadtkulisse von Berlin und der Dünenlandschaft lebendig ins Licht. Den Schnitt besorgte Gregory Schuchmann, Tina Eckhoff war für das Kostümbild verantwortlich. Neuzugänge sind die beiden Komponisten John Gürtler und Jan Miserre, die für ihren Score bei Space Dogs" ausgezeichnet wurden.

Als neben Cast und Crew auch der Drehtermin für Sommer 2020 stand, grätschte der Lockdown dazwischen. Im Frühjahr 2021 als eines der ersten Projekte in Deutschland wieder zu drehen, war eine schöne Erfahrung, so Funk, der ausführt: "Es herrschte eine tolle Atmosphäre, weil alle Lust hatten, wieder zu arbeiten."Die Vorkosten für die Entwicklung und Vorbereitung zu wuppen und den Dreh verschieben zu müssen, war allerdings eine »Herausforderung«, so Funk. "Für Jojo" ist Funks erste Produktion seit Steffen Weinerts Drama Das Leben meiner Tochter", das im Juni 2019 in den Kinos startete. Früher hatte Funk auch als Serviceproduzent, für Tom Tykwers Regiearbeiten Cloud Atlas", Ein Hologramm für den König" und "Sense 8" gearbeitet. Er ist dankbar für die Erfahrung bei den großen, internationalen Produktionen, wollte sich aber auf eigene Projekte konzentrieren. Dass die Serie "Sense 8" bereits für Netflix entstanden ist, habe sicher nicht geschadet bei der Anbahnung der Zusammenarbeit. Funk ist froh, in der schwierigen Zeit, den Streamer als Partner an der Seite zu haben und schätzt die konstruktiven Gespräche mit Finke und später mit Sasha Bühler und ihrem Team.

"Ich freue mich sehr, "Für Jojo" auf dem Filmfest München zeigen und große Premiere vor Publikum feiern zu können", so Funk. Ein Privileg, das man bei einem Netflix Original nur sehr selten hat. Im Gegensatz zur Berlinale sei der Austausch mit Branchenkollegen beim Filmfest München viel entspannter möglich - auch über Filme. "In München sehen sich die Kollegen auch Filme an, in Berlin ist es wegen der vielen Termine nicht möglich." Er findet es toll, dass in der renommierten TV-Reihe des Festivals, deren Titel für den Bernd-Burgemeister-Preis nominiert sind, nun auch Serien und eben auch ein Netflix-Film laufen: "Das bildet die aktuelle Vielfältigkeit ab."

Im nächsten Jahr wird die Entwicklungsarbeit der vergangenen Jahre vielleicht gleich mit zwei oder gar drei drehfertigen Projekten Früchte tragen. Funk bereitet eine historische Miniserie mit Sven Bohse als Showrunner vor. Mit ihm hatte Funk bereits bei seinem Diplomfilm Nachts werden wir erwachsen zusammengearbeitet. "Red Sun Barbarossa" erzählt in sechs Folgen nach einer wahren Geschichte von Spion Richard Sorge, einem Lebemann, Kommunist und Pazifist, der 1941 in Tokio Informationen an die Sowjets weitergab. Beta Film ist als Weltvertrieb beim von Funk als "eleganten Spionagethriller" skizzierten Projekt an Bord. Funk spricht mit potenziellen Partnern und hat bereits einen prominenten deutschen Schauspieler für die Hauptrolle im Auge. Anna Christ schreibt die Drehbücher zum aufwändigen Projekt, das mit einem ureigenen, spannenden, kaum bekannten, deutschen Thema und exotischen Kulissen aufwarten kann. Außerdem in der Vorbereitung für einen Dreh im nächsten Jahr zu großen Teilen auch in Deutschland ist die Koproduktion mit Els Vandevorst und Isabella Depeweg von Isabella Film Amsterdam. "Truly ­Naked", mit dem Muriel D'Ansembourg nach eigenem Drehbuch ihr Regiedebüt gibt, erzählt eine "feinfühlige, originelle und unterhaltsame Coming-of-Age-Geschich­te" so Funk, um einen 16-Jährigen, der seinen Vater bei dessen Pornodrehs als Kameramann aushilft und sich in eine Mitschülerin verliebt, die Feministin ist. Des Hamilton ist als Caster an Bord. Uwe Schott, mit dem Funk bei "Ein Hologramm für den König", "Cloud Atlas" und Einer wie Bruno" arbeitete, stellte den Kontakt zu den Produzentinnen her. Mit dem Mutter-Tochter-Duo spricht Funk bereits über weitere mögliche, gemeinsame Projekte. Eine weitere englischsprachige Koproduktion ist für das nächste Jahr in der Planung. Eines der drei könnte die erste, eigene, internationale (Ko-) Produktion von Oberon Film werden.