Festival

FFM-Duo: "Wir sind eine ­Steilvorlage für das Leinwanderlebnis"

Vor dem Start des Filmfest München heute Abend sprachen Diana Iljine und Christoph Gröner, das bewährte Leitungsduo, mit uns über die Learnings der letzten zwei Jahre, die Neuerungen der aktuellen Ausgabe und die Herausforderungen in der Zukunft.

23.06.2022 07:28 • von Heike Angermaier
Diana Iljine und Christoph Gröner (Bild: Filmfest München/Ronny Heine)

Vor dem Start des Filmfest München heute Abend sprachen Diana Iljine und Christoph Gröner, das bewährte Leitungsduo, mit uns über die Learnings der letzten zwei Jahre, die Neuerungen der aktuellen Ausgabe und die Herausforderungen in der Zukunft.

Hinter der gesamten Branche liegen zwei sehr ungewöhnliche Jahre. Was haben diese zwei Jahre mit dem Filmfest gemacht, wie haben Sie diese Zeit rückblickend erlebt?

DIANA ILJINE: Alles in allem sind wir gut durch die Coronazeit gekommen. Als die Edition 2020 nicht stattfinden konnte, kamen uns die Gesellschafter glücklicherweise entgegen, und wir konnten die Angestellten durchgehend beschäftigen. Die Zeit haben wir genutzt, Strategien zu entwickeln. Wir haben mit dem gesamten Team überlegt, wie wir das Filmfest in die Zukunft führen können, haben die Marke gestärkt und gehalten, indem wir acht Popup-Kinoevents angeboten haben. Das hat sehr gut funktioniert, die Menschen waren begeistert. Sowohl Publikum als auch Branche waren froh, dass etwas stattfand, dass wir ein Angebot geschaffen haben. 2021 konnten wir mit konzentrierterem Programm stattfinden, in letzter Minute ­sogar noch mit Einbindung der Kinos. Zudem konnten wir tolle Open-Air­-Ge­legenheiten schaffen, von denen uns einige auch in Zukunft erhalten bleiben. Mit solchen besonderen Orten - und durch die Kinos natürlich! -, halten wir die Fahne für den Kinofilm immer hoch. Festivals mit ihrem kuratierten Programm, ihrem eventisierten Charakter, der Begegnung, die sie schaffen, sind geeignete Motoren, die Menschen nach einem solch einschneidenden Erlebnis wieder zurück ins Kino zu bringen.

CHRISTOPH GRÖNER: Wir haben uns nicht nur zwei Mal neu erfinden müssen, sondern sogar vier Mal, weil das Filmschoolfest auch zwei unterschiedliche Formate in Reaktion auf die jeweiligen Bedingungen hatte. Als Institution sind wir über diese Zeit resilienter geworden. Wir haben viele Dinge neu ausprobiert, die uns jetzt weitertragen und die Möglichkeit geben, oftmals schneller zu reagieren. Stichworte sind hier die digitale Kommunikation, unsere Nutzung von Instagram etwa, oder die von Diana angesprochene Nutzung von Event-Locations. Zwei Orte aus 2021 haben wir sehr bewusst wieder in die Programmierung mitgenommen, obwohl wir uns natürlich in erster Linie als Kinofestival, als Leinwandfestival im Kino verstehen. Aber die tolle Erfahrung und besondere Atmosphäre, die wir mit dem Sugar Mountain und im Kino, Mond & Sterne-Open Air gemacht haben und erleben konnten, wollen wir auch künftig in unserem neuen Festival weitertragen.

Cannes hat die Rückkehr zur Normalität zelebriert. Wird das beim Filmfest München auch so sein? Sind wir in einer neuen Normalität angekommen?

CHRISTOPH GRÖNER: Wir sind eine Steilvorlage für das Leinwanderlebnis. Dieses Leinwanderlebnis kann sich aber nur ergeben aus einer lebendigen Filmkunst und einem Publikum, das das Angebot annimmt. Wir können vorab das Interesse und die seismische Resonanz in der Branche abklopfen. Wir merken: Es ist eine absolute Lust da. Wir setzen sehr auf das Publikum, das immer noch im Zurückkommen ins Kino begriffen ist, und versprechen, dass es sich darauf verlassen kann, bei uns das Besondere zu erleben. Als kleiner »Beweis« sei hierfür die zwölffache Nominierung von Lieber Thomas" beim Deutschen Filmpreis genannt, der bei uns 2021 Weltpremiere feierte. Bei uns kann man in der ganzen Breite, vom Experiment bis zum Sommer- bzw. Herbstblockbuster, alles erleben.

Das Filmfest München zeichnete sich immer aus als Festival der Begegnung. Gibt es die Begegnung 2022 in gewohntem Maße wieder?

DIANA ILJINE: Die Gästeliste sieht sehr gut aus, die Filmschaffenden wollen kommen. Wir haben tolle Kooperationen, zeigen große Filme wie "Minions - Auf der Suche nach dem Mini-Boss" von Universal oder Doris Dörries Freibad" von Constantin Film, um nur zwei Beispiele zu nennen. Das Festival hat an Bedeutung gewonnen. Der Eventcharakter und der Begegnungscharakter sind wichtig für die Branche, die uns als Plattform nutzt, um Aufmerksamkeit für ihre Filme zu generieren. Zudem haben wir mit dem Amerikahaus am Karolinenplatz und damit mitten im Kunstareal ein neues Festivalzentrum, in das jeder herzlich eingeladen ist. Branchenvertreter:innen können sich dort bei der 2021 eingeführten Beergarden Convention informell und ohne Terminzwang begegnen. Wir haben bereits viele Anmeldungen aus der Industry. Mit dem Amerikahaus kooperieren wir aber auch inhaltlich. Es gibt dort die wunderbare Ausstellung zur Geschichte und Gegenwart Münchner Trans*Identitäten, gemeinsam werden wir einige Panels zum Thema Diversität anbieten.

CHRISTOPH GRÖNER: Wir glauben an die Begeisterung, die das Festival bei Gästen und Publikum auslöst! Und natürlich kehrt der rege Austausch der Branche zurück, die sich bei uns auch schon immer getroffen hat. Mit der Beergarden Convention haben wir das versinnbildlicht, einen zusätzlichen Ort geschaffen. Natürlich trifft sich die Industry auf vielfältige Weise. Wir können sagen, dass die Firmen auf den verschiedenen Empfängen wirklich in der Masse zurückkehren. Es ist schön zu sehen, wenn eine Hamburger-Berliner Firma wie Port au Prince bei uns ihr zehnjähriges Jubiläum feiert, wenn die jungen Filmemacher:innen sich bei der Monaco Party treffen, die Tellux mit ihrem Fritz-Gerlich-Preis ein Zeichen setzt, der FFF Bayern wieder mit seinem Empfang am angestammten Termin präsent ist.... und und und. Es herrscht große Sehnsucht nach persönlichem Austausch. Das sind alles sehr ermutigende Zeichen. Von daher: Ja, die Begegnung ist zurück, auch wenn sie sich nicht in wilden Partys mit 1000 bis 1500 Menschen ausdrückt.

Was gibt es Neues zu berichten, was ist anders als vorher beim Filmfest München?

CHRISTOPH GRÖNER: Man darf sich auf viel Neues freuen. Die durchlebte Notwendigkeit zur Konzentration hat uns nicht nur ein Korsett angelegt, sondern uns auch mit neuen Gedanken beflügelt. In einer Zeit, in der zum Kino nicht nur an sich eingeladen, sondern in der passgenau jedem Film ein Zuhause gegeben werden muss, versuchen wir, unser Programm noch stärker zu strukturieren. Durch diese Parzellierung können wir für die unterschiedlichsten Publikumsschichten ein noch besseres Zuhause und eine noch bessere Orientierung bieten. Die Konzentration des Programms bedeutet für jeden Film mehr Aufmerksamkeit.

Es gibt aber auch Dinge, die nicht erneuert werden müssen und die wir in gleichbleibender Qualität fortführen. Im Bereich deutsches Kino sind wir seit Jahren stark. Hier haben wir auch 2022 wieder maßgebliche Werke dabei, die eine Chance auf einen internationalen Run haben. Hier der Rekurs auf die Koproduktionen, die eine wichtige Rolle spielen. Und ich kann nicht oft genug sagen: Fördert den Kinofilm! Wir sehen, dass es junge, unabhängige Talente sind, die maßgebliche Werke oft mit wenig Geld machen. Deshalb wollen wir mit allen Filmemachern, die zu uns kommen, der Politik zurufen: Stärkt den Kinofilm. Wir haben beim Filmfest ein Zuhause für Serien, was wunderbar ist. In diesen Bereich fließt im Moment sehr viel Geld. Aber Talente entdecken, unnachahmliche Handschriften verdeutlichen und verdichten, das funktioniert nicht im Stream. Das funktioniert nur mit Publikum vor der großen Leinwand, das so begeistert ist, dass sich die Botschaft wie ein Lauffeuer verbreitet. Blickt man auf die Reihe Neues Deutsches Kino, ist bei den jungen Talenten sehr viel Freiheit, Dringlichkeit, existentielle Betroffenheit spürbar. Der Kinofilm muss nicht nur gut ausgestattet werden, er braucht auch viel Freiheit. Dann sind wir als deutsches Kino auch international erfolgreich.

Eine neue Reihe gibt es auf internationaler Ebene: hier stellen wir neben die Wettbewerbe CineMasters und CineVision jetzt die CineRebels. Die Reihe steht in einer Entwicklungslinie, die wir in den letzten Jahren innerhalb des Weltkinos immer stärker wahrgenommen haben, extreme Formen des Kinos, extreme Kinoabenteuer für den besonderen cinephilen Geschmack, die nun einen eigenen Wettbewerb mit zehn Filmen erhalten.

Ist auch der neue CineRebels-Preis dotiert?

DIANA ILJINE: Audi schmückt das Festival als neuer Haupt- und Mobilitätspartner und ist auch als Preisstifter mit 10.000 Euro beim CineRebels Award eingestiegen. Ich bin sehr stolz, dass es bei uns Cash-Preise gibt, wobei ich die anderen Ehrungen und Chancen durch eine Teilnahme bei uns überhaupt nicht schmälern möchte. Viele Filme reisen nach der Premiere bei uns auf zahlreiche Festivals - das ist ebenfalls toll. Dennoch finden es Filmschaffende super, wenn ein Preis auch mal dotiert ist.

Doch nochmal zurück zu weiteren Neuerungen. Auch auf der nationalen Ebene spiegeln wir die Entwicklungen, zum Beispiel beim Bernd Burgemeister Fernsehpreis. Der von der VFF gestiftete Preis wird in diesem Jahr erstmals nicht nur an den besten Spielfilm der Filmfest-München-Reihe Neues Deutsches Fernsehen, sondern auch an die beste Serie oder den besten Mehrteiler vergeben. Dotiert ist er mit jeweils 25.000 Euro.

Und ein weiteres wichtiges Thema: Wir glauben fest daran, dass die Koproduktion die Zukunft ist, egal, wie sehr sie derzeit aus steuerlichen und anderen Gründen in Deutschland unter Feuer steht. Sie ist ein entscheidendes Element im Vorwärtsgehen des deutschen Kinos. Die Kulturpolitik wird das sehen, wird es hören. Deshalb haben wir unser bereits entwickeltes Format, den Cine CoPro Award, fürs Erste in die Cine CoPro Conference umgewandelt und haben als Gast und Partner das British Film Institute und den FFF im Sinne einer bilateralen Vernetzung. Das wollen wir perspektivisch weiterentwickeln.

Die Bedeutung der internationalen Koproduktion für Deutschland zeichnete sich zuletzt ja auch wieder in Cannes ab. Wird der CoPro Award wiederkommen?

DIANA ILJINE: Er wird wiederkommen. Er musste pandemiebedingt ausgesetzt werden, weil die Haushalte gekürzt ­wurden. Aber wir vertrauen darauf, dass es wirklich nur eine Pause ist. Die ­Wichtigkeit von Koproduktionen für deutsche Produzenten liegt auf der Hand. Sie wird in Zukunft noch zunehmen und unterstreicht obendrein, dass Filmschaffen in den Zwanzigerjahren eine zunehmend internationale Angelegenheit ist. Abgesehen von der wirtschaftlichen Bedeutung für deutsche Produzenten finde ich auch, dass es ein schönes Signal ist: Hier wird die Idee eines gemeinschaftlichen Europa bereits in die Tat umgesetzt.

Corsage" hatte einen Riesenaufschlag in Cannes. Was hat Sie dazu bewogen, diesen Film als Eröffnungsfilm des 39. Filmfest München zu wählen?

DIANA ILJINE: Wir waren sofort begeistert, als wir den Film gesehen haben. Es ist großes Kino mit einer tollen weiblichen Hauptfigur und einer starken weiblichen Handschrift. Das hat uns allen gefallen. Eine Sisi-Geschichte der anderen Art, die zwar aus der Vergangenheit spricht, aber völlig neu beleuchtet ist und auch in die Zukunft weist. Wir hatten den Film schon längst ausgewählt, bevor Cannes die Aufnahme in den Un Certain Regard bekanntgegeben hat. Dass die Resonanz an der Croisette gerade international so positiv war, freut uns ungemein. Und zeigt uns, dass wir richtig liegen mit unserem Eröffnungsfilm.

CHRISTOPH GRÖNER: "Corsage" ist große Filmkunst, inhaltlich und ästhetisch modern, voller großer Kinobilder, voller Widerständigkeit, und will auf der Leinwand erlebt werden. Wir haben mit der Wahl offene Türen eingerannt und freuen uns, mit diesem bayerisch-österreichischen Thema, das komplett neu definiert wurde, ein spannendes Gegenbild zu anderen Sisi-Filmen präsentieren zu können.

Dieses Jahr können Sie auch wieder eine gute Ausbeute aus Cannes vorweisen mit 19 Titeln, die dort gerade erst Premiere gefeiert haben. Ist das ein Zeichen dafür, dass das Renommee des FFM im Ausland zugenommen hat?

DIANA ILJINE: Das Filmfest München wird bei Branche und Publikum dafür geschätzt, dass es stets auch Filme aus Cannes präsentiert. Es ist ein glücklicher, wenn auch nicht ganz stressfreier Umstand dank der eng zusammenliegenden Termine der beiden Festivals. Wir hatten in der Vergangenheit immer gute Cannes-Filme. Aber natürlich spüren wir auch, dass das Vertrauen gewachsen ist, dass uns die Verleiher uneingeschränkt und gerne ihre Filme geben.

CHRISTOPH GRÖNER: Der Guardian hat das Filmfest München unlängst als eines der zehn wichtigsten Sommerfestivals in Europa gelistet. Tatsächlich ist einer der Motoren des Filmfest München, nicht nur die besten Filme des Jahrgangs, sondern explizit die neuesten besten Filme des Jahrgangs zu zeigen - die kommen traditionellerweise aus Cannes. In diesem Jahr war es eine besondere Herausforderung, weil Cannes besonders spät war und wir besonders früh stattfinden. Das gewachsene Vertrauen spüren wir auch daran, dass wir viele Filme bereits vorverhandeln konnten. Es freut uns, dass wir 2022 das gewohnte Volumen in München haben.

Wie sieht es mit der institutionellen Unterstützung aus?

DIANA ILJINE: Die Gesellschafter mussten das Budget kürzen. Alle städtischen Haushalte wurden um 6,85 Prozent gekürzt, der Freistaat ist entsprechend des Konsortialvertrages mit runtergegangen. Das hat ein Loch gerissen, keine Frage. Es ist eine Glanzleistung meines Teams, dass wir diese Edition trotzdem so gut aufstellen konnten. Der Blick in die Zukunft stimmt mich optimistisch. Wir stehen mit den Gesellschaftern in guten Gesprächen, es wird verstanden, dass die Lücke nicht nur aufgefüllt werden, sondern unser Budget einen Sprung nach oben machen muss. Die Signale sind positiv. Das Filmfest München feiert 2023 40-jähriges Jubiläum. Ein Grund mehr, beim Budget was draufzulegen.

CHRISTOPH GRÖNER: Auch bundespolitisch gibt es Signale des Interesses. Der Stellenwert von München als zweitgrößtes deutsches Filmfestival wird durch den Besuch der Kulturstaatsministerin Claudia Roth unterstrichen. Dass sie zum Filmfest kommt, liegt nicht daran, dass sie aus Bayern stammt, sondern weil sie in ihrer Arbeit ganz Deutschland in den Fokus nimmt.

Wie sieht es mit den Sponsoren aus? Wie hat sich dieser Bereich durch Corona verändert?

DIANA ILJINE: Erst einmal können wir dankbar sein: Alle langjährigen Partner, angefangen bei ARRI, MPLC, DZ Bank, Bavaria und BR, sind an Bord geblieben. Keiner hat die Pandemie als Entschuldigung genommen, sich zurückzuziehen. Das ist sehr anständig. Es ist eine gute Zusammenarbeit mit Personen, die das Kino lieben. Last but not least unterstützt uns auch Hofbräu weiter, obwohl sie durch Corona mit internationalen Vertriebsschwierigkeiten zu kämpfen haben. Dafür sind wir dankbar. Dass Audi zu uns kommt, liegt an einer sehr modernen Vorständin mit ihrem Team, die das Filmfest als eine tolle Plattform sehen. Den Deal mit Audi werte ich als großen Erfolg. Alles in allem ist das Sponsorengeschäft durch die Pandemie aber schwieriger geworden.

Im März veranstaltete das Filmfest München ein Wochenende zum Thema Diversität und Vielfalt. Was sind die Learnings? Inwiefern strahlen diese Themen auch in das eigentliche Filmfest?

CHRISTOPH GRÖNER: Junge Filmemacher:innen haben den Anspruch an Diversität längst verinnerlicht. Wir haben deren Filme im Programm, von denen ich stellvertretend Gott ist ein Käfer und The Ordinaries nennen möchte. Die Frage nach Diversität wird hier mit größter Selbstverständlich gehandhabt, nicht im Sinne einer Besetzungsnotwendigkeit, sondern im Sinne eines verinnerlichten Miteinanders auf einer breiteren Basis. Die jungen Filmemacher:innen sehen die Welt einfach anders. Das verändert auch uns als Festival, indem wir dem Thema Teilhabe im Film breiten Raum einräumen. Das ganze erste Wochenende steht im Zeichen unterschiedlichsten Diskussions- und Begegnungsformate, in denen wir viele Entwicklungslinien aus dem März weiterspinnen. Es ist ein andauernder Prozess, der uns im Herbst 2023 wieder an die Akademie nach Tutzing führen wird. Wir bleiben am Ball.

DIANA ILJINE: Diversität und Teilhabe ist ein Generationenthema. Es muss aufhören, dass Menschen die Augen rollen oder dieses Anliegen belächeln. Es ist eine starke Bewegung, die der Nachwuchs längst verinnerlicht hat. Wir wollen diese Diskussion begleiten und führen sie auch intern proaktiv selbst seit vielen Jahren. Unsere Festivalarbeit ist unter meiner Leitung immer schon gekennzeichnet von Vielstimmigkeit.

Was ist Ihr perspektivischer Blick in die Zukunft, gerade vor dem Hintergrund des 40. Jubiläums?

DIANA ILJINE: Die Landeshauptstadt München, der Freistaat Bayern, alle Gesellschafter miteinander können sehr stolz darauf sein, dass es das Filmfest schon fast 40 Jahre gibt, dass es von versierten, kulturinteressierten Menschen als Triebfeder immer vorangetrieben wurde. Die 39. Ausgabe strahlt schon, zum 40. Jubiläum werden wir noch strahlender.

CHRISTOPH GRÖNER: Wir müssen so agil bleiben, wie wir uns in den vergangenen zwei Jahren entwickelt haben. Wir reagieren jetzt in einer Schnelligkeit auf aktuelle Marktentwicklungen, wie wir das in der Dekade davor gar nicht mussten, weil der Markt stabil war. Eine Institution wie das Filmfest muss die

Bewegung des Marktes reflektieren, muss Forum der Diskussion, ein Ort der Begeisterung für das Publikum sein. Und damit in der Folge Verleiher und Kinobetreiber motivieren, mit den Filmen in den weiteren Ausspielwegen ebenso genau umzugehen, Kino als kuratiertes Angebot zu gestalten, Filmemacher einzuladen, das weiterzuleben. Wir alle wollen zurück in die reale Begegnung, in den Moment einer echten Inspiration.

DIANA ILJINE: Ich wünsche mir, dass vor allem auch die Branche beim Filmfest München entspannen kann, dass die Industrymitglieder nicht von Termin zu Termin hetzen, sondern dass sie sie es sich gönnen, eine weitere Kinovorstellung, den Zauber der Begegnung, der Begeisterung eines Filmfestivals zu erleben.

Das Interview führten Thomas Schultze und Barbara Schuster