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Bilanz 75. FESTIVAL DE CANNES: "This is so fucking great"

Das 75. Festival de Cannes ist Geschichte. Zum Abschluss unserer Berichterstattung aus Südfrankreich haben wir uns ein paar Gedanken gemacht über die Preisvergabe, den Status Quo des Festivals und die Zukunft des Kinos.

29.05.2022 11:35 • von Thomas Schultze
So schreit nur ein Gewinner: Ruben Östlund mit der Goldenen Palme (Bild: Imago / Starface)

Puh. Durchatmen. Keine Panne diesmal. Kein durchgeknallter Jurychef, der den Hauptpreis gleich zu Beginn der Preisgala herausposaunt, weil er zu sehr damit beschäftigt ist, seine Nikes ins richtige Licht zu rücken, als sich um das Protokoll zu scheren. Wir erinnern uns an Spike Lee, der im vergangenen Juli dem historischen Goldene-Palme-Gewinner Titane" die Party zumindest ein bisschen versaute. Keine Antiklimax also, dafür Stringenz und Effizienz dank eines Jurypräsidenten Vincent Lindon, der mit großem Herz und strenger Hand herrschte - auch wenn man schon bei der Vergabe des Großen Preises der Jury wusste, wer danach als großer Sieger geehrt werden würde, wenn man den Einzug der Filmemacher und Promis am roten Teppich mitverfolgt hatte: Neun Teams von Wettbewerbsfilmen waren in das Palais de Festival gegangen und hatten im Salle Lumière Platz genommen; neun Teams wurden danach auch ausgezeichnet. Und als der zweitwichtigste Preis ex aequo an "Close" von Lukas Dhont und Stars at Noon" von Claire Denis gegangen war, musste man nur auf die Strichliste gucken: Nur noch Triangle of Sadness" war übriggeblieben, die neue, gallige Satire von Ruben Östlund, die aus Die 120 Tage von Sodom" und dessen drei Höllenkreisen eine wilde Komödie machte, die dem in Smoking und Abendkleid gekleideten Premierenpublikum genau eine Woche zuvor den Spiegel vorgehalten hatte. "Das Fußvolk darf klatschen, der Rest soll mit den Juwelen rasseln", sagte John Lennon 1965 vor adeligem Publikum. Östlund tut es Lennon nach und würzt die Aussage mit der wüstesten Kotzszene der Kinogeschichte seit Monty Python. Dazu spielt die Musik der antikapitalistischen Hardcorepunkband The Refused. Nimm das, Cannes!

Den atavistischen Freudenschrei des Regisseurs und seiner Equipe hörte man durch das gesamte Auditorium schallen, als Lindon zum Höhepunkt der Preisverleihung den unvermeidlichen Titel "Triangle of Sadness" verkündete. So ganz wollte es wohl selbst der charismatische Östlund nicht wahrhaben, dass er nur fünf Jahre nach "The Square" ein zweites Mal die Goldene Palme gewonnen haben sollte. Nur Bille August - Pelle der Eroberer" im Jahr 1988 und Die besten Absichten" im Jahr 1992 - und Michael Haneke - Das weiße Band" im Jahr 2009 und "Liebe" im Jahr 2012 - war es vor ihm gelungen, mit zwei aufeinanderfolgenden Kinoarbeiten den Hauptpreis des größten Filmfestivals der Welt zu gewinnen. Überhaupt ist Östlund nach den beiden Genannten sowie Alf Sjöberg, Francis Ford Coppola, Shohei Imamura, Emir Kusturica, den Dardenne-Brüdern und Ken Loach erst der neunte Filmemacher, der zweimal für den besten Film in Cannes geehrt wurde. Und er ist der erste männliche Regisseur seit Radu Jude, ausgezeichnet im Frühjahr 2021 für Bad Luck Banging or Loony Porn" mit dem Goldenen Bär auf der Berlinale, der eines der drei großen europäischen A-Festivals gewinnen konnte: Die letzten drei Gold-Auszeichnungen waren jeweils an Regisseurinnen gegangen. In der Cannes-Auswahl in diesem Jahr finden sich immerhin zwei Frauen (nachdem in diesem Jahr lediglich fünf Filme von Frauen Eingang in den Palmenkampf gefunden hatten): Claire Denis erhielt den Großen Preis der Jury für ihren doch sehr zwiespältig aufgenommenen "Stars at Noon" - nur zwei Monate nach dem Gewinn des Regiepreises auf der Berlinale mit Avec amour et acharnement" - und das mit ihrer ersten Teilnahme am Wettbewerb in Cannes (ein vergleichbares Kunststück war im vergangenen Jahr dem späteren Auslandsoscar-Gewinner Ryusuke Hamaguchi gelungen, der in Berlin den Großen Preis der Jury gewinnen konnte für "Wheel of Fortune and Fantasy" und in Cannes den Drehbuchpreis für Drive My Car"). Und die Regiedebütantin Charlotte Vandermeersch konnte den Preis der Jury gewinnen für "Le otto montagne", den sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Felix Van Groeningen inszeniert hatte. Überhaupt erwies sich das 75. Festival de Cannes als beispielloser Triumph für das belgische Filmschaffen: Großer Preis der Jury an Lukas Dhont, Preis der Jury für Charlotte Vandermeersch und Felix van Groeningen. Und dazu noch der einmalig vergebene Sonderpreis zum 75. Jubiläum, der an Jean Pierre und Luc Dardenne für ihren Tori et Lokita" ging - der sensationelle Erfolgslauf des Brüderpaares setzt sich also fort: 1999 und 2005 hatten sie die Goldene Palme für Rosetta" und Das Kind" gewonnen, 2008 den Drehbuchpreis für "Das Schweigen von Lorna", 2011 den Großen Preis der Jury für "Das Mädchen auf dem Fahrrad" und 2019 den Regiepreis für Le jeune Ahmed".

Ursprünglich hatte es so ausgesehen, als hätte noch mehr drin sein können für die Dardennes, als wäre eine dritte Goldene Palme möglich gewesen. Zumindest hatte sich am Samstag in Cannes hartnäckig die Information gehalten, die Jury könne sich für den Hauptpreis nicht entscheiden zwischen "Tori et Lokita" und "Close" von Lukas Dhont - der bei der Kritik nach seiner ersten Vorführung am Donnerstagabend als drittletzter Wettbewerbsfilm als eigentlicher Favorit hochgehandelt worden war. Offenbar hatte es längerer Verhandlungen mit der Festivalleitung bedurft, die sich bereiterklärte, einen einmaligen Sonderpreis einzuführen, um eine doppelte Goldene Palme zu vermeiden. Nicht dass es so etwas nicht schon gegeben hätte - 1979 Apocalypse Now" und Die Blechtrommel", 1993 "Das Piano" und "Leb wohl, meine Konkubine" beispielsweise -, aber richtig toll sehen die ex aequo vergebenen Auszeichnungen nie aus, und die Jury hatte sich zu diesem Zeitpunkt wohl ohnehin schon darauf versteift, insgesamt neun Filme zu prämieren, obwohl eigentlich maximal sieben Palmen für den Wettbewerb vorgesehen sind. Wie sich dann allerdings doch noch "Triangle of Sadness" vor "Close" setzen konnte, ist unklar. Vielleicht wollte die Jury ein stärkeres politisches Statement abgeben. Vielleicht erschien ihr "Close" als alleiniger Goldene-Palme-Gewinner dann doch als zu etwas kleiner Film, zu intim, zu persönlich. Vielleicht hatte sie den Eindruck, der Östlund könne insgesamt eine größere Strahlkraft in die Welt hinaus besitzen: Das ganze 75. Festival de Cannes war im Zeichen der Zukunft des Kinos gestanden; es hatte an zwei Tagen Symposien zum Thema gegeben; für eine große Feier waren zig Größen des Weltkinos eingeflogen worden; die Preisgala war durchzogen mit leidenschaftlichen Statements für das Kino als einzigartige Kunstform, die unverändert angetan ist, die Gesellschaft zu kommentieren und vielleicht auch ein bisschen zu formen. Am schönsten brachte es der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn in einer von seinem iPhone abgelesen Rede auf den Punkt, als er auf die Bühne kam, um als Preispate den Regiepreis zu überreichen: "Kino ist die Leinwand des Regisseurs. Kino ist der Ausdruck des Regisseurs. Kino ist der Regisseur. Lang lebe das Kino. Lang lebe Cannes. Lang lebe der Regisseur. Lang lebe die Zukunft des Kinos. Und vor allem: Lang leben die Ramones!" Und als er den Preis dann Park überreichte, konnte er nicht anders, als begeistert auszurufen: "This is so fucking great!"

Ob man die Preisvergabe in Ordnung findet, hat gewiss immer auch mit persönlichen Präferenzen zu tun. Meine persönlichen Favoriten im Wettbewerb waren "Triangle of Sadness" und "Close", also bin ich natürlich höchst zufrieden mit der Preisauswahl. Und während "Stars at Noon" ein insgesamt doch eher heftiger Gegenwing entgegenblies, gefiel mir Claire Denis' Ansatz, ein klassisches Graham-Greene-Szenario so zu erzählen, dass das eigentliche Drama bestenfalls den Rahmen vorgibt, der Film sich aber mehr für das interessiert, was sich dazwischen abspielt zwischen den beiden Hauptfiguren, das Warten, das Trinken, der Sex, die Langeweile. Der Große Preis erscheint etwas exzessiv, der Regiepreis erschiene naheliegender, aber was hätte man dann mit Park Chan-wook und Decision to Leave" machen sollen, seinem (zu) verschachtelten romantischen Thriller, der Hitchcock mit den gestalterischen Mitteln von Pedro Almodóvar evoziert. Der Film lebt von seiner Inszenierung, der Leistung des Regisseurs, die immer auch dann beeindruckend ist, wenn die Handlung gerade den Faden zu verlieren droht, weil sie unbedingt noch einen Haken schlagen muss. Der Regiepreis für Park ist verdient (auch wenn er 2016 für Die Taschendiebin", der leer ausging, noch verdienter gewesen wäre). Auch mit dem Darstellerpreis für den großen Song Kang-ho kann man sich anfreunden. Den Film selbst, Broker" von dem vormaligen Goldene-Palme-Gewinner Hirokazu Kore-eda (2018 für Shoplifters - Familienbande"), fand ich enttäuschend. Songs Leistung ist aber tadellos. Und zwei Palmen für das südkoreanische Kino sind eine wunderbare Bestätigung für ein Filmland, das seit einem Vierteljahrundert außerordentliche Arbeiten hervorbringt, aber erst 2019 mit der Goldenen Palme für "Parasite" (ebenfalls mit Song Kang-ho in der Hauptrolle) so richtig ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit gerückt ist. Gut gefällt mir auch, dass Holy Spider" und Boy from Heaven" gewürdigt wurden, ersterer erhielt den Darstellerinnenpreis für Zar Amir Ebrahimi, zweiterer den Drehbuchpreis für Regisseur und Autor Tarik Saleh. Die Filme sind sehr unterschiedlich, und bei ihren Premieren erhielt "Holy Spider" deutlich mehr Aufmerksamkeit als "Boy from Heaven", der zwei Tage früher fast unter dem Radar gezeigt worden war. Aber beide sind gemacht von Regisseuren, die in Skandinavien leben und aus sozusagen sicherem Abstand die Möglichkeiten des Genrekinos nutzen, um kritisch auf gesellschaftliche Missstände in den Ländern, die sie als ihre Heimat betrachten (sprich: Iran und Ägypten), aufmerksam zu machen - und dabei deutlich weiter gehen und expliziter sein können, als es Filmemachern dort jemals möglich wäre. Beiden ist nur zu bewusst, dass sie vermutlich nie mehr dorthin zurückkehren können. Und als wäre ihr Mut als Künstler nicht schon preiswürdig genug, haben beide auch Filme abgeliefert, die sehenswert, spannend und aufregend sind. Und dann kann man sich natürlich auch noch freuen über den zweiten Preis der Jury, der Jerzy Skolimowski mit seinem beachtlichen Eo" zugesprochen wurde, die tragische Reise eines Esels durch das Europa des Hier und Jetzt. Keiner hielt eine schönere Rede als der 84-jährige Pole, der nach 1978 und 1982 zum dritten Mal in Cannes prämiert wurde, mit seinem ersten Festivalbeitrag seit 33 Jahren: "I would like to thank to my donkeys, all six of them." Danach zählte er gemütlich alle von ihnen auf, nannte ihre Namen und ihre Herkunft. Sehr schön.

Noch während der Preisverleihung hatte man hinlänglich Zeit, auch über die Verlierer, wenn man sie denn so nennen will, des Jahrgangs nachzudenken. Die Amerikaner hatten schöne Filme vorgelegt, aber weder James Gray noch Kelly Reichardt wurden für ihre Arbeiten belohnt. Der iranische Beitrag "Leila's Brothers" von Saeed Rustayi hatte in einzelnen Kritikerkreisen sogar neben "Decision to Leave" als heißer Anwärter auf Gold gegolten. Wie auch der vormalige Goldene-Palmen-Gewinner Cristian Mungiu mit seinem beachtlichen "RMN" durchaus preiswürdig gewesen wäre - und nun mit seinem vierten Titel im Wettbewerb erstmals ohne Auszeichnung abreisen musste. Gerne hätte man auch David Cronenberg oben auf der Bühne gesehen: Seine erste Regiearbeit seit acht Jahren, Crimes of the Future", markiert eine Rückkehr zu alter Form, war aber dann vielleicht doch zu verkopft und merkwürdig, um die Herzen der Jury zu erobern. Und natürlich kann man sich des Gefühls nicht erwehren, dass andere Titel aus den Nebenreihen es mehr verdient gehabt hätten, im Wettbewerb vertreten zu sein als die neuen Arbeiten von beispielsweise Arnaud Desplechin oder Kyrill Serebrennikov: Stellvertretend sei hier Corsage" von Marie Kreutzer genannt, der im Certain Regard einen großen Aufschlag hatte (und den Darstellerinnenpreis für Vicky Krieps gewinnen konnte) und sicher auch im Wettbewerb ein Wörtchen mitzureden gehabt hätte.

Es waren, wie könnte es anders sein, anstrengende, Kräfte zehrende zwölf Tage in Cannes. Wer dabei war, wird es bestätigen können. Am Ende steht ein Festival, das vielleicht nicht zu den besten Jahrgängen zählt. Spontan fielen einem als herausragende Jahrgänge in den letzten 20 Jahren ein 2004 unter Jurypräsident Quentin Tarantino (Goldene Palme: Fahrenheit 9/11"), 2013 unter Jurypräsident Steven Spielberg (Goldene Palme: Blau ist eine warme Farbe") und 2019 unter Jurypräsident Alejandro Gonzalez Inarritu (Goldene Palme: "Parasite"). Und selbst der selbstjährige Corona-Jahrgang machte einen kohärenteren, stärkeren Eindruck. Aber wie heißt es so schön: Man kann nur auswählen, was eingereicht wird. Entscheidend war in diesem Jahr eher, dass man erstmals seit Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020, was in besagtem Jahr dazu führte, dass das Festival de Cannes erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg überhaupt nicht stattfinden konnte (stattdessen aber eine Liste mit knapp 60 Filmempfehlungen verschickt wurde, eine Sélection officielle, aber ohne Unterteilung in verschiedene Reihen), den Eindruck hatte: Es ist wieder so wie früher. Was zum einen damit zu tun hatte, dass die Croisette wieder fast so gut gefüllt war wie vor Corona (auch der Marché du Film fand wieder physisch und zeitgleich mit dem offiziellen Festival statt), aber auch Covid-19 ignoriert wurde, als hätte es die Pandemie nie gegeben - oder als würde es sie nur auf der Leinwand geben; "Stars at Noon" und Three Thousand Years of Longing", der schöne neue Film von George Miller, nahmen direkten Bezug. Weder musste man eine Impfung nachweisen, noch gab es ein Testregiment. Masken wurden in den Kinos empfohlen, waren aber kein Muss. Und Social-Distancing war allein schon deshalb eine Illusion, weil man von den Ordnern beim Anstehen oftmals eng auf eng zusammengeschoben wurde. So gibt es keinerlei offizielle Zahlen. Aber man hörte doch während des Festivals immer wieder von Kollegen oder Filmemachern, die privat positiv testeten und sich dann isolierten oder eine einsame Heimreise antraten.

Die Zukunft des Kinos war ein konstantes Thema. Deshalb aber vom Festival de Cannes ausgerechnet einen Neuanfang für die weltweite Kinobegeisterung zu erwarten, wäre vermessen. Der wichtigste Impuls, der vom Festival ausgehen kann, ist die eigene Bedeutung und Relevanz. Dem Trubel nach zu urteilen, ist das weiterhin gegeben. Festivalleiter Thierry Frémaux muss sich indes den Vorwurf gefallen lassen, zu sehr auf altbekannte Namen zu setzen und zu wenig Risiko einzugehen. Das hat nichts mit der leidigen Netflix-Debatte zu tun, sondern mit dem Umstand, dass gewisse Seilschaften zwar einerseits die finanzielle Zukunft von Cannes absichern, andererseits aber zu einer Art Stillstand bei der Selektion führen. Ich habe nicht mitgezählt (und werde es gerne im nächsten Jahr tun), aber zumindest gefühlt war bei 80 Prozent der Produktionen in der Sélection officielle zusätzlich zu dem schönen Cannes-Vorspann vor Beginn der Filme das Signet von Canal+ und/oder Wild Bunch zu sehen. 2018 hatte Frémaux aufgrund des Drucks, den bereits ausgewählten Roma" aufgrund der Netflix-Connection wieder aus dem Wettbewerb zu entfernen, einmal versucht, das eigene alte Regiment durchzuwirbeln, ein etwas frecheres, provokanteres Cannes auf die Beine zu stellen, das nicht nur die ewigen alten Bekannten einlädt, sondern auch jungen Wilden eine Chance gibt, im Wettbewerb zu strahlen. Es fühlte sich damals an wie eine kleine Revolution. Sie ist mittlerweile wieder erstickt, zurückgedrängt, the old guard is back. Das ist nicht unbedingt gut. Es bedarf neuer Impulse. Der Berlinale unter Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek mögen die großen Namen fehlen, die man sich von einem A-Festival dieser Größe erwartet, weil der Mix aus Kunst und Glamour stimmen muss, THE NEW und THE SELL, um einmal mehr Baz Luhrmann zu zitieren, dessen "Elvis" außer Konkurrenz für mich übrigens der Film des Festivals war (für die meisten anderen definitiv nicht). Aber in Berlin verstehen sie es, neue Wege bei der Komposition des Programms zu beschreiten. Thierry Frémaux täte gut daran, mal kurz aus seiner Blase aufzutauchen, einen Blick über den Tellerrand zu wagen und seinem Festival de Cannes, künftig unter der Präsidentschaft von Iris Knobloch, die jetzt Pierre Lescure ablöst, ein paar neue Ideen zu geben - und gleichzeitig geschickt doch auf das zu vertrauen, was Cannes immer schon ausgemacht hat, als Tummelplatz der Reichen und Erfolgreichen und Schönen. Ein perfekter Ort, Filme wie "Triangle of Sadness" zu starten, von dem Ruben Östlund gleich nach dem Palmengewinn übrigens sagte, bei der offiziellen Kinoauswertung werde er eine längere Fassung losschicken. Für Cannes hatte er seine präferierte 210-Minuten-Fassung noch einmal radikal um eine Stunde gekürzt. Ob der Film in der überarbeiteten Form dann immer noch so "fucking great" sein wird wie gerade noch? Mal sehen.

Aus Cannes berichtete Thomas Schultze.