Festival

Goldene Palme für "Triangle of Sadness"

Mit der Vergabe der Palmen ging das 75. Festival de Cannes zu Ende. Die Jury unter Vorsitz von Schauspieler Vincent Lindon sprach die Goldene Palme für den besten Film "Triangle of Sadness" von Ruben Östlund zu, der bereits 2017 mit "The Square" den Hauptpreis gewonnen hatte.

28.05.2022 21:45 • von Thomas Schultze
Goldene Palme für "Triangle of Sadness" (Bild: Alamode)

Nachdem das Festival de Cannes im vergangenen Jahr mit einem Eklat zu Ende gegangen war, weil der damalige Jurypräsident Spike Lee den Gewinner der Goldenen Palme, Titane" von Julia Ducournau, versehentlich gleich zu Beginn der Zeremonie verraten hatte, verlief diesmal wieder alles nach Protokoll.

Die diesjährige Jury unter Vorsitz des französischen Schauspielers Vincent Lindon vergab die Goldene Palme für den besten Film an Triangle of Sadness" von Ruben Östlund - die zweite Goldene Palme für den Schweden, der 2017 bereits mit seinem Vorgänger "The Square" hatte gewinnen können. Deutscher Koproduzent der bitterbösen Satire ist wie schon bei "The Square" Philippe Bober mit seiner Essential Filmproduktion.

Der Große Preis der Jury wurde ex aequo an zwei Filme übergeben: an "Close" von Lukas Dhont und an Stars at Noon" von Claire Denis. Der erst 31-jährige Dhont war 2018 mit seinem Debüt Girl" in der Nebenreihe Un Certain Regard mit der Camera d'Or als bester Debütant gewürdigt worden. Die gefeierte französische Regisseurin Denis war erstmals im Wettbewerb von Cannes vertreten. Bereits im März hatte sie auf der Berlinale für ihren Film Avec amour et acharnement" den Preis für die beste Regie gewinnen können. Als Pate war Javier Bardem auf der Bühne.

Die Palme für die beste Regie übergab der vormalige Regie-Palme-Gewinner Nicolas Winding Refn. Gewinner ist Park Chan-wook für Decision to Leave". Der Südkoreaner hatte zuvor 2004 für Oldboy" den Großen Preis der Jury gewinnen können und war zuletzt mit Die Taschendiebin" im Jahr 2016 im Wettbewerb vertreten gewesen. "It's so fucking cool", merkte Winding Refn an.

Anlässlich des 75. Jubiläums entschied sich die Jury mit Erlaubnis der Festivalleitung, einen einmaligen Sonderpreis zu verleihen, den Carole Bouquet übergab: Diese besondere Palme ging an Tori et Lokita" von den Dardenne-Brüdern. Seit 1999, als sie erstmals die Goldene Palme für Rosetta" erhalten hatten, sind die beiden Belgier Palmen-Stammgäste. Eine zweite Goldene Palme hatten sie 2005 erhalten, für Das Kind". Für ihren letzten Film vor "Tori et Lokita", Le jeune Ahmed", waren sie 2019 für die beste Regie geehrt worden.

Auch der Jurypreis wurde ex aequo "Le otto montagne" von dem Ehepaar Felix Van Groeningen und Charlotte Vandermeersch und Eo" von Jerzy Skolimowski zugesprochen. Der 84-jährige Skolimowski war erstmals seit 33 Jahren wieder in Cannes vertreten. Es ist sein dritter Preis, den er auf dem Festival gewinnen konnte. 1982 war er mit dem Drehbuchpreis ausgezeichnet für Schwarzarbeit" worden, und 1978 wurde er geehrt mit dem Großen Preis der Jury für Der Todesschrei". Als Paten waren das Geschwisterpaar Alice und Alba Rohrwacher auf die Bühne gekommen.

Den Preis für die beste Schauspielerin übergab Preispate Guillaume Canet an Zahra Amir Ebrahimi, die die Hauptrolle in Holy Spider" von Ali Abbasi spielt. Bei seiner Premiere am Sonntag hatte der Film hohe Wellen geschlagen und galt seither als einer der Favoriten für Palmenehren. Amir Ebrahimi spielt darin eine Journalistin, die einem Frauenmörder in Iran auf die Spur kommen will. Der dänisch-deutsch-französisch-schwedische Thriller über eine reale Mordserie wurde von deutscher Seite von Sol Bondy und seiner One Two Films realisiert.

Diane Kruger kam als Patin für die Palme für den besten Schauspieler auf die Bühne. Die Auszeichnung ging an den Südkoreaner Song Kang-ho, der die Hauptrolle in Broker" von Hirokazu Kore-eda spielt. Song war zuvor 2019 mit dem Goldene-Palme-Gewinner "Parasite" in Cannes gewesen. Im Jahr davor hatte wiederum Regisseur Kore-eda die Goldene Palme gewinnen können für Shoplifters - Familienbande".

Den Preis für das beste Drehbuch übergab Edgar Ramirez. Diese Palme ging an Tarik Saleh für seinen in Kairo spielenden Thriller Boy from Heaven". 2017 hatte der Schwede mit ägyptischen Wurzeln in Cannes bereits Die Nile Hilton Affäre" vorgestellt.

Die Camera d'Or für den besten Erstlings-/Zweitlingsfilm übergab Rossy De Palma an Riley Keough und Gina Gammell für deren Debüt "War Pony", der in der Nebenreihe Un Certain Regard gezeigt wurde - anwesend war allerdings nur Gammell. Eine besondere Erwähnung erhielt "Plan 75" von Hayakawa Chie.

Der Gewinner der Goldenen Palme für den besten Kurzfilm ist "The Water Murmurs" von Jianying Chen. Eine besondere Erwähnung in diesem Film erhielt "Lori" von Abinash Bikram Shah.