Kino

Betreiber-Umfrage zur KINO 2022, Teil 9: "Wachsender Andrang"

Im Vorfeld des Filmtheaterkongresses haben wir Kinobetreiber:innen befragt, wie das Publikum auf den Wegfall der Corona-Maßnahmen reagiert hat, welche Probleme steigende Kosten verursachen und wie es um die Filmversorgung steht. Hier antwortet Marius Lochmann, Geschäftsführer des Traumpalast Leonberg.

25.05.2022 13:58 • von Marc Mensch
Marius Lochmann (Bild: Lochmann Filmtheaterbetriebe)

Im Vorfeld des Filmtheaterkongresses haben wir Kinobetreiber:innen befragt, wie das Publikum auf den Wegfall der Corona-Maßnahmen reagiert hat, welche Probleme steigende Kosten verursachen und wie es um die Filmversorgung steht. Hier antwortet Marius Lochmann, Geschäftsführer des Traumpalast Leonberg.

1. Der Großteil der Corona-Maßnahmen ist Anfang April entfallen: Was lässt sich bereits über die Reaktion des Publikums sagen?

Unsere Gäste haben bereits vor den Lockerungen der Corona-Maßnahmen gefragt, ob nicht auch Plätze ohne Abstand neben anderen Gästen freigegeben werden könnten, um noch Tickets für Vorstellungen zu ergattern. Alle haben sich nach Normalität gesehnt. Seitdem diese schrittweise zurückkommt, sehen wir wachsenden Andrang in unseren Kinos. Im April konnten wir uns über volle Säle freuen und einen alten Wochenendrekord für uns einstellen.

2. Wie sehr drohen nun steigende Kosten zum Hemmnis für eine Markterholung zu werden, und was bedeuten sie für das Preisgefüge in Ihren Kinos?

Seit März 2020 befinden wir uns weltweit in einer Sonderlage - und die schockierenden Nachrichten aus der Ukraine lassen unter anderem auch nicht auf eine baldige Entspannung der gesamtwirtschaftlichen Lage hoffen. Der Markt wird in Zukunft auf eine gewisse Flexibilität angewiesen sein, stark schwankende Preise werden meines Erachtens zu dieser Realität dazugehören. Wir sind gefordert, einen Mittelweg zu finden, Preise zu definieren, die es uns erlauben, ein wirtschaftliches Unternehmen zu führen und gleichzeitig bezahlbare Unterhaltung anzubieten. Ich denke, dass es aktuell ein gefährlicher Trend ist, dass versucht wird, alles unmittelbar auf die Preise umzulegen. Das könnte schnell in eine Abwärtsspirale bei den Besuchen münden, weswegen wir uns entschieden haben, die Situation nach Möglichkeit auszuhalten und die Preise vorerst nicht anzuheben. Wie sich alles entwickeln wird, ist derzeit schwer abzuschätzen, aber ich bin der Überzeugung, dass es immer einen Weg geben wird. Bei entsprechendem Filmangebot wird der Markt auch weiterhin gut funktionieren. Wir sind natürlich sehr glücklich darüber, dass wir unsere Eintrittspreise seit vielen Jahren konstant halten können. Aber wir sind bestrebt, weiterhin zu investieren um stets einen Mehrwert bieten zu können. Das verschafft uns auch die Chance, dass steigende Preise verziehen werden.

3. Sehen Sie trotz zunehmender Fokussierung auf Streaming die Filmversorgung durch US-Studios als ausreichend gesichert an? Was erwarten Sie vor diesem Hintergrund noch für das laufende Jahr?

Streaming und Kino ist einfach nicht dasselbe, es könnte unterschiedlicher nicht sein. Einer der größten Wirtschaftszweige in Deutschland ist die Gastronomie, obwohl jeder auch zuhause kochen könnte. Menschen, die nicht ins Kino gehen, weil sie den Mehrwert nicht erkennen, werden nie zu uns kommen - egal ob es ein Blockbuster ist oder nicht. Menschen die mit uns in die Filmwelt eintauchen, Filme dort anschauen wofür sie gemacht sind, werden immer den Weg zu uns finden. Durch die Pandemie haben sich Filmstarts verschoben, teils wurden Filme direkt ins Streaming gegeben. Wer aber glaubt, unter normalen Bedingungen damit mehr wirtschaftlichen Nutzen erzielen zu können als mit einer vorangehenden Kinoauswertung, hat wohl einen ganz eigenen Taschenrechner. US-Produktionen sind und bleiben wichtig. Dass wir aber auch starke deutsche Filme haben, sehen wir an den Zahlen aus unseren Kinos.