Kino

Nachgefragt zum Cineville-Modell in Österreich: "Gemeinsam mehr erreichen"

Wiktoria Pelzer & Martin Kitzberger, vom Stadtkino Wien sind die treibenden Kräfte der Adaption von Cineville für den österreichischen Markt. Über den Status quo berichten sie hier.

23.05.2022 10:58 • von Barbara Schuster
Wiktoria Pelzer und Martin Kitzberger (Bild: Stadtkino Wien)

Wiktoria Pelzer & Martin Kitzberger, vom Stadtkino Wien sind die treibenden Kräfte der Adaption von Cineville für den österreichischen Markt. Über den Status quo berichten sie hier.

Warum ist das Cineville-Abo-Konzept das Beste für den österreichischen Markt?

Wir denken, dass dieses Konzept besonders stark ist, weil es einerseits die Streamer-Logik, die nun besonders in der Pandemie so zum Usus geworden ist, aufgreift - und sie fürs Kino umdeutet. Außerdem ist in den letzten Jahren vielen Kinos auch bewusst geworden, dass Netzwerke zwischen den Kinos diese stärken, und man gemeinsam mehr erreichen kann. Die Kinos kämpfen ständig damit, gute Marketingkonzepte zu entwickeln - und es fehlt auch oft Geld und Personal dazu - außerdem ist es immens schwierig, die Marke Arthouse dem jungen Publikum näher zu bringen - und das kann dieses Projekt durchaus schaffen - ­davon sind wir überzeugt.

Was schafft Cineville, was andere Abo-Konzepte nicht schaffen?

Österreichische Kinos, aber auch in den allermeisten anderen EU-Ländern, haben schon vor Covid mit Stagnation bzw. rückläufigen Besuchszahlen bei steigendem Angebot an Filmen zu kämpfen gehabt.

Durch die Covid-Pandemie ist der Heimkino Markt nochmals sehr stark angestiegen. Wir sehen das Abo als große Möglichkeit, junge Menschen in der Streamer-Logik abzuholen und wissen von anderen Ländern, dass das Konzept funktioniert. Außerdem wissen wir zum Beispiel aus den Niederlanden, dass Leute mit Abo sehr regelmäßig Nicht-Abonennt:innen zu Filmvorführungen mitnehmen. Einerseits werden also regelmäßige Kinogeher:innen erreicht, aber eben auch deren Freund:innen oder Bekannte. Wir wollen Menschen, insbesondere junge Menschen, wieder in die österreichischen Kinos bringen. Ich habe selbst ein Jahr in den Niederlanden studiert und Cineville vor Ort erlebt - und der Kino-Enthusiasmus, der in Holland durch Cineville ausgelöst wurde, wäre sicher eine Bereicherung für die österreichischen Kinos und deren Filme. Wir sehen den Abo-Aspekt des Projektes gleichbedeutend mit dem Marketing-Aspekt. Cineville ist in Holland eine riesige Marketingplattform für Arthouse-Filme. Mehr als die Hälfte der Filme, die in Österreich im Kino laufen, schaffen keine 5000 Besuche. Oftmals liegt es aber eben nicht an der Qualität, dass die Filme kein Publikum erreichen, sondern es bekommt einfach niemand mit, dass die Filme in den Kinos laufen, weil es kein Marketingbudget gibt oder einfach auch keine personellen Ressourcen, Werbung für den Film zu machen. Cineville schafft in den Niederlanden für diese Filme eine Plattform und dort treffen sie auf ein experimentierfreudiges Publikum.

Wie weit sind Sie mit der Entwicklung?

Durch eine Förderung des Kulturministeriums im letzten Jahr wurde ein offizieller Projektstart möglich. Seit Anfang dieses Jahres sind wir im intensivierten Austausch mit Kinos, Verleihen und anderen Stakeholdern der Filmbranche. Es gab außerdem schon eine Marktbefragung, um das Potential für das Abo auf dem österreichischen Markt zu testen, mit der wir sehr glücklich sind. Wir warten derzeit auf die Rückmeldung einer Fördereinreichung bei Europa Cinemas. Sollte es mit der Förderung funktionieren, wird über dem Sommer hinweg an der technischen Umsetzung gemeinsam mit Cineville gearbeitet.

Was ist die größte Herausforderung?

Viele Sachen lassen sich direkt aus der Erfahrung von Cineville in den Niederlanden lernen, manche Dinge sind in Österreich dann aber nochmals spezifischer. Die Niederlande hat einen hohen Grad an Urbanisierung, wir wollen in Österreich aber auch von Anfang an die Landkinos gut mitdenken. Das erfordert viel Austausch mit den Stakeholdern, um auf die spezifischen Situationen gut eingehen zu können. Eine weitere Herausforderung ist die Finanzierung. Wir kalkulieren, dass es für die ersten zwei bis drei Jahre noch zusätzlichen Förderbedarf gibt für das Projekt - insbesondere für das Marketing. Dazu haben wir aber auch positive Signale von möglichen Fördergebern vernommen - die Förderungen dienen schließlich den Filmen und den Kinos.

Wie viele Kinos wollen mitmachen bzw. haben ihr Interesse bekundet?

Insgesamt sind es wohl rund 20 bis 25, die gerne von Anfang an dabei sein wollen. In Holland waren es zum Start 13 Kinos in Amsterdam, mittlerweile sind es 55 Kinos.

Wann soll der Startschuss fallen?

Ab Herbst soll es eine Website mit Infos und Möglichkeiten zur Anmeldung geben. Ein Start wäre somit im Winter - wahrscheinlich mit Anfang 2023 möglich.

Barbara Schuster