Kino

Verleih-Umfrage zur KINO 2022, Teil 5: "Entscheidende Phase"

Anlässlich des Filmtheaterkongresses haben wir Verleihvertreter:innen befragt, ob mit dem Wegfall der Corona-Maßnahmen das Gröbste überwunden ist, welche Folgen die stiefmütterliche Behandlung des Verleihs bei Hilfsmaßnahmen hat - und ob sich das Kino den Stellenwert von vor der Pandemie wird zurückerobern können. Hier antwortet René Krieger, Geschäftsführer von 24 Bilder.

20.05.2022 14:16 • von Marc Mensch
René Krieger (Bild: 24 Bilder)

Anlässlich des Filmtheaterkongresses haben wir Verleihvertreter:innen befragt, ob mit dem Wegfall der Corona-Maßnahmen das Gröbste überwunden ist, welche Folgen die stiefmütterliche Behandlung des Verleihs bei Hilfsmaßnahmen hat - und ob sich das Kino den Stellenwert von vor der Pandemie wird zurückerobern können. Hier antwortet René Krieger, Geschäftsführer von 24 Bilder.

1. Der Großteil der Corona-Maßnahmen ist Anfang April entfallen: Ist damit aus Verleihersicht das Gröbste überwunden?

Es ist einerseits toll, dass die Maßnahmen weggefallen sind und man nun zumindest wieder frei planen kann. Gleichzeitig aber beginnt meines Erachtens nun auch die Zeit, in der man quasi ein Stück weit wieder laufen lernen muss - (fast) ohne Hilfen und mit vielen Veränderungen, die sich in der Zwischenzeit entwickelt haben. Ich denke, dass wir nun in einer entscheidenden Phase für Kinos, Verleiher und letztlich auch den Kinobesucher sind. Eine Phase, in der sich vieles wieder einpendeln muss und in der es durchaus auch noch einmal spannend werden kann. Dem Konsumenten haben sich (Gott sei Dank) sämtliche Freizeitmöglichkeiten wieder eröffnet, vom Konzertbesuch zum Club, vom Festival bis zum Volksfest, bei diesem Nachholbedarf mag der Filmkonsum zwischenzeitlich vielleicht auch mal hintenanstehen. Mit Blick auf das Kino macht sich bei weiterhin recht hohen Inzidenzen in einigen Bevölkerungsschichten noch eine gewisse Vorsicht bemerkbar. Hinzu kommen leider nun auch weitere Faktoren wie der russische Angriffskrieg in der Ukraine und eine noch nicht abzuschätzende Inflation. Die Pandemie und womöglich auch andere Faktoren werden also noch etwas nachhallen. Ich hoffe, dass das "Einpendeln" bis zum Sommer auch wieder für die Regulierung der Filmmärkte sorgt und wir die richtigen Ansätze finden, das Publikum wieder einzufangen.

 2. Wird das weitgehende Ausbleiben auf den Verleih zugeschnittener Hilfsmaßnahmen noch langfristige Folgen haben?

Für uns ist es eine besondere Situation, da wir die Pandemie als Gelegenheit genutzt haben, überhaupt einen Eigenverleih aufzubauen - ergänzend zu unserem Kerngeschäft, dem Kinovertrieb. Da ist unser Geschäft in den vergangenen zwei Jahren zeitweise um 100 Prozent weggefallen. Das konnten wir mit vorhandenen Reserven und auch Hilfen wie Kurzarbeit und Überbrückungshilfen glücklicherweise auffangen. Natürlich merken wir aber auch bei unseren Verleihpartnern einige Änderungen, vor allem auch in Form einer neuen Flexibilität, die es auch dringend braucht. Inwiefern sich langfristige Folgen im Markt ergeben, ist im Moment noch schwer zu sagen.

3. Wird das Kino perspektivisch wieder an seinen Stellenwert in den Jahren vor Corona anknüpfen können? Was ist das deutlichste Indiz für Ihre Einschätzung?

Da bin ich mir sicher. Mir fehlt nämlich schlichtweg die Fantasie dafür, wie das Kino in einigen Wertschöpfungsketten einfach gestrichen werden kann. Genauso, wie mir die Fantasie für unzählige und unendlich wachsende Streaming-Plattformen fehlt. Man sieht ja schon, wie sich die Tendenz der großen Studios zum Kino quasi wieder zurückentwickelt. Das wird in meinen Augen eine anhaltende Entwicklung sein, zumindest bei großen Studio-Produktionen wie auch bei den großen Festival-Hits. Auf der anderen Seite werden die Abozahlen der Streamer wohl stagnieren oder schrumpfen, durch einen völlig explodierenden Markt, der auch dafür sorgen wird, andere Erlösquellen zu eruieren. Letztlich aber werden Einige auch gesehen und gelernt haben und vielleicht auch noch lernen, dass nur das Kino einen Film zu einem wirklich großen Film machen kann. Und ich denke, das wird auch längerfristig so bleiben!