Kino

Verleih-Umfrage zur KINO 2022, Teil 4: "Kino kann seine besten Jahre vor sich haben"

Anlässlich des Filmtheaterkongresses haben wir Verleihvertreter:innen befragt, ob mit dem Wegfall der Corona-Maßnahmen das Gröbste überwunden ist, welche Folgen die stiefmütterliche Behandlung des Verleihs bei Hilfsmaßnahmen hat - und ob sich das Kino den Stellenwert von vor der Pandemie wird zurückerobern können. Hier antwortet Bernhard zu Castell, Geschäftsführer Leonine Distribution.

19.05.2022 14:26 • von Marc Mensch
Bernhard zu Castell (Bild: Thomas Dashuber/Leonine Studios)

Anlässlich des Filmtheaterkongresses haben wir Verleihvertreter:innen befragt, ob mit dem Wegfall der Corona-Maßnahmen das Gröbste überwunden ist, welche Folgen die stiefmütterliche Behandlung des Verleihs bei Hilfsmaßnahmen hat - und ob sich das Kino den Stellenwert von vor der Pandemie wird zurückerobern können. Hier antwortet Bernhard zu Castell, Geschäftsführer Leonine Distribution.

1. Der Großteil der Corona-Maßnahmen ist Anfang April entfallen: Ist damit aus Verleihersicht das Gröbste überwunden?

Zuerst einmal freuen wir uns sehr, dass die Kinos wieder geöffnet und die Säle wieder gefüllt sein dürfen und hoffen bzw. setzen auch darauf, dass der kommende Winter das weiterhin ermöglicht. Dennoch ist das Kino nach Corona nicht dasselbe wie vor Corona: Ballung von Filmstarts, unterschiedliches "Rückkehrverhalten" der Zielgruppen und deren Fokussierung auf "Must-Sees" sind große Herausforderungen, die uns noch länger beschäftigen werden.

2. Wird das weitgehende Ausbleiben auf den Verleih zugeschnittener Hilfsmaßnahmen noch langfristige Folgen haben?

Eine Folge spüren wir gerade alle in der Massierung von Starts. Für unser Programm geeignete Termine zu finden, ist im Moment eine der größten Herausforderungen. Durch das Ausbleiben von Hilfen konnten Verleiher kaum das Risiko eingehen, einen Film mit hohen Vorkosten in teilweise oder gar weitgehend geschlossenen Kinos zu starten. Also wurden sehr viele Starts immer wieder verschoben und nun drängt sich alles auf engem Raum. Das ist allerdings ein eher kurz- bis mittelfristiger Effekt.

3. Wird das Kino perspektivisch wieder an seinen Stellenwert in den Jahren vor Corona anknüpfen können? Was ist das deutlichste Indiz für Ihre Einschätzung?

Wir sind davon überzeugt, dass das Kino seine besten Jahre immer noch vor sich haben kann, wenn wir dem Publikum zielgerichteten Content bieten und das Kino wieder zu "dem" Ort der Freizeitgestaltung machen. Die Erfolge der letzten Monate zeigen, was dann möglich ist. Das gemeinschaftliche Erleben, die Leinwand, der Sound, all das werden andere Auswertungsformen, die alle ihre ganz eigene Art der Ansprache haben, nicht ersetzen können. Aber das alleine reicht nicht mehr. Eines ist sicher: Wir werden alles tun, unseren Partnern auf Betreiberseite und dem Publikum attraktiven, relevanten und intensiv beworbenen Content zu bieten.