Kino

Speed-Dating bei der KINO 2022

Diese Idee darf sehr gerne Schule machen: Mit einem ungewöhnlichen Debattenkonzept brachten Oliver Pasch und Till Cussmann Schwung in einen Austausch über Kinoinnovationen. Dabei stand unter anderem das "Avatar"-Sequel als Lackmustest im Vordergrund.

18.05.2022 22:08 • von Marc Mensch
Jan Harmsen, Juliane de Boer, Oliver Pasch, Till Cussmann, Susanne Fläxl, Jens Heinze und Torsten Kinne (Bild: BF)

Kann 3D im Kino noch eine Renaissance erleben? Hat HFR-Technologie tatsächlich das Potenzial, das Kinoerlebnis auf eine neue Stufe zu heben - oder muss man das (zuletzt mehrfach gescheiterte) Experiment erst einmal ad acta legen? Zumindest zu letzterer Frage hat Jan Harmsen von Kinopolis eine klare Meinung: "Wenn Cameron es nicht hinbekommt, können wir das Thema beerdigen, denke ich."

Kurze, klare, knappe Ansagen - dafür stehen Paneldiskussionen eher selten; der in Kooperation mit der ICTA organisierte Austausch bei der KINO 2022 aber umso mehr. Denn die ICTA-Vertreter Oliver Pasch (Cinionic) und Till Cussmann (Vista) hatten ein Format gewählt, dass an "Speed Dating" erinnerte: Neun Themenbereiche, neun Fragen - und eine jeweils gnadenlos von fünf Minuten herunter tickende Uhr, die die Panelteilnehmer:innen Juliane de Boer, Jens Heinze, Susanne Fläxl, Torsten Kinne und den bereits genannten Jan Harmsen einem knallharten Zeitregiment unterwarf.

Was ist das attraktivste "Premium Large Format"-Angebot? Letztlich macht es die Vielfalt, jedes grenzt Kino auf seine Weise vom Sofa ab. Und wer in einem Verbund wie Cineplex arbeiten kann, zieht daraus nicht zuletzt den Vorteil, dass unterschiedlichste Experimente gewagt und Projekte angestoßen werden - und man vom Erfahrungsschatz der Kolleg:innen profitieren kann, ohne selbst gleich auf jeden Zug aufspringen zu müssen.

Wie viel Sinn machen Self-Service-Angebote im Concessions-Bereich? Erheblichen, wenngleich man bei der Filmpalast-Gruppe gerade die Erfahrung macht, dass ein Hybrid-Modell aus Selbstbedienung, Online-Bestellung und Thekenservice (wie in Kassel) womöglich die beste Lösung ist. Vielfalt halt.

Wie hoch wird der Anteil der Atmos-Säle in den geplanten Kinoneubauten von Kinopolis in Hamburg und Bad Homburg sein? 100 Prozent.

Was macht den Umgang mit Big Data aus? Die enge Kommunikation zwischen Kino und Verleih. Susanne Fläxl hob in diesem Zusammenhang ein Pilotprojekt von Warner hervor; ein Beispiel, von dem sie hofft, dass es bald Nachahmer findet.

Erlebt 3D eine Renaissance? Womöglich. Für Juliane de Boer ist 2022 das Jahr von 3D, einem Format mit klarem Differenzierungsfaktor gegenüber dem Home Entertainment. Jens Heinze setzt auf Technik, dank derer man nun keine Kompromisse mehr eingehen müsse. Jan Harmsen mag trotzdem aktuell nicht abschätzen, ob 3D noch einmal richtig aufflammt. Und Torsten Kinne von Universal geht davon aus, dass es sich bei den großen Blockbustern nach wie vor lohnt.

Worüber reden wir in zehn Jahren bei der Kino 2032? Über eine mögliche Branchenvereinbarung. Nein, Spaß beiseite. Laut Heinze über ein deutlich automatisierteres Kino, das Mitarbeiter im Gegenzug stärker zu echten Gastgebern mache. Nach Einschätzung von Harmsen über einen realen, physischen Zufluchtsort aus virtuellen Welten, an dem Menschen zusammen kommen; ebenfalls über mehr Automation - und über "Laser ohne Kinderkrankheiten".

Juliane de Boer freut sich darauf, auch in zehn Jahren noch neue Konzepte feiern zu können, nach dem Motto ihrer Tante Marlis Kieft: "Wir dürfen nie aufhören zu träumen." Torsten Kinne denkt an 3D: "Ohne Brille wäre das ein Traum." Und Susanne Fläxl ist sich sicher, dass auch 2032 noch gelten wird: "Kino muss ein Spektakel sein, das die Leute von den Socken haut!" Und dass die große Leinwand selbst der sicherste Garant für ihre weitere Versorgung ist. Denn "Kino schafft Filmemacher!"