Kino

Verleih-Umfrage zur KINO 2022, Teil 2: "Verbessern, was nicht funktioniert hat"

Anlässlich des Filmtheaterkongresses haben wir Verleihvertreter:innen befragt, ob mit dem Wegfall der Corona-Maßnahmen das Gröbste überwunden ist, welche Folgen die stiefmütterliche Behandlung des Verleihs bei Hilfsmaßnahmen hat - und ob sich das Kino den Stellenwert von vor der Pandemie wird zurückerobern können. Hier antwortet Leila Hamid, Vorstandsvorsitzende X-Verleih AG.

17.05.2022 15:01 • von Marc Mensch
Leila Hamid (Bild: Thomas Schneider)

Anlässlich des Filmtheaterkongresses haben wir Verleihvertreter:innen befragt, ob mit dem Wegfall der Corona-Maßnahmen das Gröbste überwunden ist, welche Folgen die stiefmütterliche Behandlung des Verleihs bei Hilfsmaßnahmen hat - und ob sich das Kino den Stellenwert von vor der Pandemie wird zurückerobern können. Hier antwortet Leila Hamid, Vorstandsvorsitzende X-Verleih AG.

1. Der Großteil der Corona-Maßnahmen ist Anfang April entfallen: Ist damit aus Verleihersicht das Gröbste überwunden?

Das Kinogeschäft bleibt trotz einer hohen Qualität von Filmen für eine Vielzahl von Verleihern enttäuschend. Durch die vielen Förderhilfen werden es die Kinos auch durch den kommenden Winter schaffen, aber um das Geschäftsmodell Kino nachhaltig zu sichern, ist das nicht ausreichend. Denn dafür braucht es gute Filme, die durch starke Kampagnen beim Publikum sichtbar gemacht werden. Was in den letzten zwei Jahren doch deutlich wurde: Wenn der Film im Gespräch ist, dann kommen auch die Zuschauer und Zuschauerinnen, egal ob Mainstream oder Arthouse. Aber wir als Verleiher können dieses erhöhte Risiko aufgrund der coronabedingten Einschränkungen nicht mehr allein tragen. Es braucht jetzt endlich dringend planbare Hilfsmaßnahmen für Verleiher, die auch bei allen ankommen, die dieses Risiko eingehen.

2. Wird das weitgehende Ausbleiben auf den Verleih zugeschnittener Hilfsmaßnahmen noch langfristige Folgen haben?

Die Wirtschaftshilfen haben die Besonderheiten unserer Branche nicht berücksichtigt, die Mittel des BKM waren projektgebunden und damit keine Hilfen für die Fixkosten der Unternehmen. Es gibt sicher Verleiher, die damit besser durchkommen als andere. In jedem Fall ist es sehr kurzsichtig gedacht, den Kinos helfen zu wollen, ohne den Verleihern und damit auch den Produzenten zur Seite zu stehen, die in dieser Zeit Kinostarts terminieren.

3. Wird das Kino perspektivisch wieder an seinen Stellenwert in den Jahren vor Corona anknüpfen können? Was ist das deutlichste Indiz für Ihre Einschätzung?

Viel wichtiger ist doch der Blick auf die Zeit nach Corona. Kino bedeutet, dass wir Filme brauchen, die für das Kinoerlebnis gemacht sind und das Publikum auf diese Filme aufmerksam gemacht wird. Zu kurze Entwicklungszeiten, zu geringe Budgets für Kinofilmproduktionen und die fehlende Sichtbarkeit von Filmen führten schon in den Jahren davor zu einem immer kleineren Kinopublikum. Im Jahr 2019 machten 25 Filme 85 Prozent der Kinotickets für deutsche Filme aus. Corona birgt die Chance, nun endlich das zu verbessern, was vorher schon nicht mehr so richtig funktioniert hat.