Kino

KINO 2022 eröffnet

Daraus darf gerne eine Tradition werden: Wie schon bei der letzten Filmwoche vor der Pandemie gaben die Spitzen von HDF und VdF nun gemeinsam den Startschuss für den Filmtheaterkongress - leider mussten sie dabei auch auf ein ernstes Problem hinweisen, das die Aufmerksamkeit der Branche fordert.

17.05.2022 07:22 • von Marc Mensch
Christine Berg und Peter Schauerte gaben den Startschuss für die KINO 2022 (Bild: BF)

"Offiziell" beginnt die KINO 2022 erst am heutigen Dienstag, der Startschuss fiel aber natürlich schon mit dem Warm-Up und einem ausführlichen Tradeshow-Reigen (sowie einem Screening) im Cineplex Baden-Baden. Und erneut setzte die HDF-Vorstandsvorsitzende Christine Berg auf einen Auftritt mit Symbolcharakter. Denn wie schon die Münchner Filmwoche 2020 eröffnete sie die Veranstaltung gemeinsam mit ihrem Amtskollegen vom VdF - diesmal dessen neuen Geschäftsführer Peter Schauerte.

Im Vordergrund der kurzen gemeinsamen Ansprache stand dabei zunächst einmal die Begeisterung darüber, dass man sich wieder in so großer Runde bei einem Präsenzkongress treffen kann. Betont wurde aber auch, dass man versuche, "gemeinsame Wege" zu gehen, auch wenn man "nicht immer einer Meinung" sei. Das Wort "Branchenvereinbarung" fiel in diesem Kontext nicht, dass gerade diese aber eines der Themen ist, um die derzeit intensiv gerungen wird, ist wahrlich kein Geheimnis.

Längere Ausführungen zur Branchenpolitik waren im Prinzip ohnehin der eigentlichen Eröffnungsrede am Kongress-Dienstag vorbehalten - allerdings gab es doch einen Punkt, für den Berg und Schauerte gleich von Beginn an sensibilisieren wollten. Denn gerade im Zuge der historischen Corona-Krise ist das grassierende Problem der Piraterie womöglich etwas aus den Köpfen verdrängt worden - doch es ist leider präsent wie eh und je. Und das zuletzt sogar in besonderem Maße. Denn im Netz machte schon kurz nach Kinostart eine illegale Abfilmung aus einem Berliner Kino von Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse" die Runde, im Fall von Doctor Strange in the Multiverse of Madness" wurde sogar eine Vorpremiere abgefilmt und illegal verbreitet.

Die MPA und ACE sind selbstverständlich am Thema dran, gleichwohl erging der dringende Aufruf an die Kinobetreiber, wachsam zu sein - im ureigensten Interesse. Denn Probleme wie diese "können wir gerade jetzt absolut nicht gebrauchen", so Berg.

Was sich über die Stimmung in Baden-Baden sagen lässt? "Ausgelassen" wäre bei aller (Wiedersehens-)Freude sicherlich das falsche Wort, eher könnte die Parole "Wir lassen uns nicht unterkriegen" lauten. Was vor allem daran lag, dass sich in die Freude über diverse Erfolge auch die Beobachtung mischte, dass sich gerade die ältere Zielgruppe mit der Rückkehr vor die Leinwände mitunter noch etwas ziert. Und bisweilen machte sich geradezu Frust darüber breit, dass der entscheidende Teil des Zukunftsprogramms Kino nach wenigen Stunden überzeichnet war - und Antragsteller, die die notwendigen Unterlagen direkt in den Berliner FFA-Postkasten werfen konnten, offenbar mitunter die Nase vorne hatten. Immerhin: Zum generellen Filmangebot gab es gerade nach den Tradeshows des ausführlichen Warm-Ups sehr positive Stimmen zu vernehmen. Den Ball sieht man vielfach im Feld der Politik liegen - auch mit Blick auf die nach wie vor nicht vorherzusagende Situation im Herbst/Winter.