Kino

Verleih-Umfrage zur KINO 2022, Teil 1: "Weiterhin flexibel reagieren"

Anlässlich des Filmtheaterkongresses haben wir Verleihvertreter:innen befragt, ob mit dem Wegfall der Corona-Maßnahmen das Gröbste überwunden ist, welche Folgen die stiefmütterliche Behandlung des Verleihs bei Hilfsmaßnahmen hat - und ob sich das Kino den Stellenwert von vor der Pandemie wird zurückerobern können. Hier antwortet Oliver Koppert, Geschäftsführer Constantin Film Verleih.

16.05.2022 14:03 • von Marc Mensch
Oliver Koppert (Bild: Constantin)

Anlässlich des Filmtheaterkongresses haben wir Verleihvertreter:innen befragt, ob mit dem Wegfall der Corona-Maßnahmen das Gröbste überwunden ist, welche Folgen die stiefmütterliche Behandlung des Verleihs bei Hilfsmaßnahmen hat - und ob sich das Kino den Stellenwert von vor der Pandemie wird zurückerobern können. Hier antwortet Oliver Koppert, Geschäftsführer Constantin Film Verleih.

1. Der Großteil der Corona-Maßnahmen ist Anfang April entfallen: Ist damit aus Verleihersicht das Gröbste überwunden?

Die Aufhebung der Corona-Maßnahmen ist auf jeden Fall eine große Entlastung für die Kinos und Verleiher, die auch von den meisten Kinobesucher:innen positiv angenommen wird, was wir unsererseits so wahrnehmen. Die Herausforderungen bleiben aber bestehen und werden uns noch eine ganze Weile stark fordern. Man wird hier weiterhin flexibel auf die künftigen Entwicklungen reagieren müssen.

2. Wird das weitgehende Ausbleiben auf den Verleih zugeschnittener Hilfsmaßnahmen noch langfristige Folgen haben?

Weiterhin bestehen hohe Vorkosten für die Herausbringung eines Kinofilms, unter anderem durch hohe Produktions- und Marketingkosten, welche für die Qualität und Vermarktung der Filme unabdingbar sind; sowie diverse pandemiebedingte Startterminverschiebungen, die einen Produktstau im Gesamtmarkt zur Folge haben, der die richtige Wahl eines Kinostarttermins erschwert. Die direkte oder frühzeitige Verschiebung einiger Produkte in nachgelagerte Stufen löst hier ja aktuell eine heiße Diskussion in der Branche aus.

3. Wird das Kino perspektivisch wieder an seinen Stellenwert in den Jahren vor Corona anknüpfen können? Was ist das deutlichste Indiz für Ihre Einschätzung?

Nach meiner persönlichen Einschätzung wird das Kino weiterhin einen hohen Stellenwert behalten, wie aber bereits beschrieben, wird der Markt nicht sofort zur alten Stärke zurückkehren. Aktuell liegt das Kinojahr 2022 immer noch um ca. 40 Prozent hinter den Jahren vor Corona, der Monat April war seit den Lockerungen allerdings gleichauf mit 2019, bzw. 35 Prozent über dem Kinomonat 2018, was optimistisch stimmt. Zum einen muss das Kino ein einzigartiger Ort sein, der sich von anderen Unterhaltungsangeboten differenziert, zum anderen müssen aber auch die Produkte einen hohen Value behalten. Wir haben an Filmen wie z.B. "Bond", "Spider-Man", oder auch Kaiserschmarrndrama" etc. gesehen, dass gewisse Titel trotz eines eingeschränkten Marktes in der Pandemie weiterhin Erfolge fast auf Vorpandemieniveau schreiben. Um wieder zu einem gesunden Gesamtmarkt zurückzukehren, können wir uns aber nicht nur auf den Top-Titeln ausruhen, sondern müssen unseren Blick auch auf das Mittelfeld richten und im besten Fall alle Zielgruppen bedienen und begeistern.