Kino

Betreiber-Umfrage zur KINO 2022, Teil 1: "Werden weiterhin investieren"

Im Vorfeld des Filmtheaterkongresses haben wir Kinobetreiber:innen befragt, wie das Publikum auf den Wegfall der Corona-Maßnahmen reagiert hat, welche Probleme steigende Kosten verursachen und wie es um die Filmversorgung steht. Hier antwortet Juliane de Boer, Geschäftsführerin der Filmpalast-Gruppe.

16.05.2022 09:27 • von Marc Mensch
Juliane de Boer (Bild: Inka Englisch)

Im Vorfeld des Filmtheaterkongresses haben wir Kinobetreiber:innen befragt, wie das Publikum auf den Wegfall der Corona-Maßnahmen reagiert hat, welche Probleme steigende Kosten verursachen und wie es um die Filmversorgung steht. Hier antwortet Juliane de Boer, Geschäftsführerin der Filmpalast-Gruppe.

1. Der Großteil der Corona-Maßnahmen ist Anfang April entfallen: Was lässt sich bereits über die Reaktion des Publikums sagen?

Wenn wir uns die Comscore-Zahlen anschauen, sind wir im ersten Quartal in keinem Monat über fünf Mio. Besucher gekommen. Der April entwickelt sich da deutlich positiver und auch die Zwei-Millionen-Besuchermarke innerhalb einer Woche wurde mittlerweile geknackt. Die Reaktionen unserer Besucher auf die Lockerungen sind sehr positiv. An den Filmpalast-Standorten, an denen die Maskenpflicht bereits entfallen ist, können wir in den meisten Gesichtern auch endlich wieder ein Lachen sehen.

2. Wie sehr drohen nun steigende Kosten zum Hemmnis für eine Markterholung zu werden, und was bedeuten sie für das Preisgefüge in Ihren Kinos?

Eine Markterholung ist aus unserer Sicht nicht allein abhängig von den steigenden Kosten. Hier kommt es eher darauf an, unser Publikum gezielt anzusprechen und zu reaktivieren. In Kombination mit einem ausgewogenen Filmprogramm sind wir uns sicher, dass es zu einer Markterholung kommen wird. Ein Problem ist sicherlich, dass die Märkte sehr instabil sind. In Kombination mit den steigenden Energiekosten müssen wir Preiserhöhungen immer wieder neu bewerten. Je nach Größe und Ausstattung der Häuser sind Raumnebenkosten ein weiterer Punkt, der bei uns auf der Agenda steht, allein der erwartete Anstieg der Stromkosten je nach Kino liegt im Bereich des Drei- bis Vier-Fachen des letztjährigen Strompreises. Da wir unsere Häuser in den letzten Jahren größtenteils aufwändig modernisiert haben, haben wir jedoch bereits vor Corona und den steigenden Personal- und Energiekosten eine gute Basis geschaffen, einen höheren durchschnittlichen Ticketpreis gegenüber unseren Gästen zu rechtfertigen.

3. Sehen Sie trotz zunehmender Fokussierung auf Streaming die Filmversorgung durch US-Studios als ausreichend gesichert an? Was erwarten Sie vor diesem Hintergrund noch für das laufende Jahr?

Hinsichtlich der quantitativen Versorgung machen wir uns wenig Sorgen, vielmehr stellt sich die Frage, inwieweit die sogenannte Mittelware seitens der Verleiher auch künftig erfolgreich in die Kinos gebracht wird. Wird Kino dabei einfach nur ein Sprungbrett für das Streaming-Release sein oder wird es weiterhin große Marketingaktivitäten für diese Ware geben? Der deutsche Kinomarkt benötigt neben den starken Blockbustern und erfolgreichen deutschen Produktionen auch gut funktionieren Mittelware mit Filmen zwischen 500.000 und gut 1,0 Mio. Besuchern. Bleibt die Mittelware deutlich hinter den bisherigen Ergebnissen (vor Corona) zurück, wird sich das negativ auf den Gesamtmarkt auswirken. Für das laufende Jahr erwarten wir ein Marktergebnis um die 75 Mio. Besucher, was wirtschaftlich schwer zu verkraften sein wird. Trotzdem glauben wir fest an den Ort Kino und werden auch weiterhin in unsere Häuser investieren, um unseren Gästen das beste Filmerlebnis bieten zu können.