Kino

Christine Berg: "Gemeinsam die Zukunft gestalten"

Mehr als je zuvor soll der Filmtheaterkongress nach zwei Jahren Pandemie für einen Aufbruch stehen. Wohin der Weg für das Kino jetzt führen kann, schildert die HDF-Vorstandsvorsitzende im Interview.

12.05.2022 14:03 • von Marc Mensch
Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des HDF Kino (Bild: Justin Marschner/HDF Kino)

Noch nie war das Branchengeschehen vor einem Filmtheaterkongress von einer derart historischen Gemengelage an Herausforderungen geprägt. Faktoren wie gestörte Lieferketten durch Chinas Sonderweg und die gloablen Auswirkungen des russischen Vernichtungsfeldzuges seien hier nur am Rande erwähnt. Auf der Habenseite lässt sich klar verbuchen, dass (ganz) große Kinoerfolge auch in Deutschland längst wieder möglich sind - doch aktuell fehlt es am Zuspruch in der Breite, an Gesamtzahlen auf echtem Vor-Pandemie-Niveau. Der KINO 2022 kommt in dieser Situation nur umso größere Bedeutung zu - wir sprachen im Vorfeld mit der Gastgeberin und Vorstandsvorsitzenden des HDF Kino, Christine Berg.

BLICKPUNKT: FILM: Zum Zeitpunkt unseres Gesprächs sind es nur noch etwa zwei Wochen bis zur KINO 2022. Was überwiegt für Sie gerade - die Vorfreude oder der Vorbereitungsstress?

CHRISTINE BERG: Das kann ich ganz eindeutig beantworten: die Vorfreude. Natürlich bedeutet dieser Kongress eine Menge Arbeit, zumal wir in diesem Jahr wegen eventuell kurzfristig zu berücksichtigender Themen sehr flexibel agieren müssen. Aber von Stress kann man nicht sprechen, vielmehr von der absoluten Freude, endlich wieder ein großes Event vorbereiten zu können, bei dem alle wieder zusammenkommen, bei dem wir neben der Messe und den zahlreichen Workshops, Seminaren und Diskussionen, den Verleihpräsentationen und Screenings, vor allem auch wieder das persönliche Netzwerken haben werden. Das zu ermöglichen, steht für uns im Mittelpunkt, dafür haben wir unter anderem im Kongresshaus verschiedene Lounges eingerichtet. Vorfreude ist auch das, was uns von allen Seiten vermittelt wird.

BF: Das mittlerweile traditionelle Warm-Up wurde mit seinen Präsentationen und dem Screening ja beinahe zu einem eigenen Programmtag.

BERG: Das stimmt - und es ist ein tolles Zeichen. Denn es zeigt, dass unsere Partner die Chance wahrnehmen wollen, endlich wieder mit ihren Filmen Flagge für das Kino zu zeigen. Von der gerade zu Ende gegangenen CinemaCon ging ein ganz klares Signal in diese Richtung aus, das sich in Baden-Baden hoffentlich fortsetzt.

BF: Wie nehmen Sie die generelle Stimmung nach dem ersten Quartal wahr?

BERG: Insgesamt als positiv. Noch verhalten positiv vielleicht, sicherlich nicht rundheraus jubilierend. Aber doch getragen von Zuversicht. Blicken Sie doch nur einmal ein Jahr zurück: Damals wurde das Kino rundheraus totgesagt. Es hieß, jemand, der so lange am Boden liegen musste, könne es nicht schaffen, wieder aufzustehen. Mittlerweile wurde man eines Besseren belehrt. Vor allem sind die Kinobetreiberinnen und -betreiber endlich wieder in der Lage, das zu tun, was Unternehmen schon im Namen tragen: Selbst etwas unternehmen, selbst wieder ihr Geschick in die Hand nehmen; frei von pandemiebedingten Einschränkungen das Erlebnis Kino im Sinne der Gäste gestalten. Das schafft eine positive Grundstimmung, selbst wenn die Zahlen erwartungsgemäß noch nicht wieder dort sind, wo sie langfristig hinmüssen.

BF: Während einzelne Hits schon 2021 mit Ergebnissen glänzten, die sich in jeder Hinsicht an Vor-Pandemie-Zeiten messen konnten, ist es um den Erfolg in der Breite noch nicht allzu gut bestellt. Ist es denn so einfach, wie Gower Street kürzlich feststellte, dass mit dem regelmäßigeren Release von Blockbustern die "Mittelware" auch wieder mitgezogen werden wird?

BERG: Um die aktuellen Zahlen noch einmal in Relation zu setzen: Wir kamen im Juli 2021 quasi von Null und haben uns streckenweise auf Ergebnisse über dem Niveau von 2018 hochgearbeitet. Mit Omikron und den neuen Auflagen sind wir zwar nicht wieder auf Null gefallen, wurden aber doch massiv zurückgeworfen - über Monate! Viele Kinos schränken ihre Kapazitäten noch freiwillig ein, um Bedenken mancher Besucher angesichts weiterhin hoher Inzidenzen zu begegnen; leider ist es noch nicht gelungen, alle Publikumsschichten gleichermaßen zurückzuholen. Dass momentan nur bestimmte Filme funktionieren - das aber richtig gut - sehen wir deutlich. Man kann aber nicht wirklich von enttäuschten Erwartungen sprechen. Dass sich der Schalter nach dem Wegfall der Restriktionen nicht von heute auf morgen umlegen und alles auf einen Schlag wieder wie zuvor sein würde, muss im Grunde jedem klar gewesen sein. Und das schon vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine. Das menschliche Leid, dass sich keine zwei Flugstunden von hier abspielt, ist schrecklich. Die Auswirkungen wiederum spüren wir alle. Wenn man sich die Rahmenbedingungen also genau betrachtet, muss man eigentlich zu dem Schluss kommen, dass der Kinomarkt momentan sogar besser dasteht, als man hätte vermuten können. Und ich bin überzeugt, dass wir Schritt für Schritt wieder zu mehr Erfolg in der Breite gelangen werden. Dass die großen Filme die kleineren mitziehen, ist sicherlich ein Teil des Ganzen. Sich nur darauf zu verlassen, reicht aber selbstverständlich nicht. Wir müssen das Kino weiter attraktiv halten - und müssen vor allem viel mehr in die Öffentlichkeit treten. Wir müssen zeigen, wer wir sind, wofür wir stehen. Wir müssen lauter werden, als es die Abgesänge im letzten Jahr waren.

BF: Ein Baustein dafür wird eine Branchenkampagne sein, die unter dem Motto "Kino. Fühlst Du." auf dem Weg ist. Was können Sie darüber schon verraten?

BERG: Es wird im Sommer in der Tat eine Kampagne geben. Eine, die den Ort "Kino" in den Fokus rückt und die vor allem Spaß machen soll. Intern haben wir sie in Grundzügen bereits vorgestellt, denn entscheidend ist, dass sie gemeinsam getragen wird. Die Kinos haben klar vermittelt, dass sie eine neue Kampagne wollen, deswegen sind wir auch bereit, in eine solche zu investieren. Das Vorhaben finanziert sich nicht nur über Förderung der FFA, sondern es steckt ein ganz erheblicher Eigenanteil der Kinos darin. Der Schlüssel zum Erfolg wird in der Verknüpfung der bundesweiten Anstrengungen und jener vor Ort liegen, in der gegenseitigen Vernetzung und damit der Verstärkung der Botschaft. Niemand kann alles allein machen. Weder wir als Verband auf Bundesebene, noch die einzelnen Betreiberinnen und Betreiber. Es geht vielmehr darum, diese beiden Ebenen zu verschränken. Wie toll es funktioniert, wenn diese Räder ineinandergreifen, sehen wir an unserer Initiative der "Kinobotschafter". Da tut sich richtig viel, was uns noch näher an die Politik heranbringt - und wovon alle profitieren.

BF: Was können wir in Baden-Baden konkret zur Kampagne erwarten?

BERG: Ad hoc kann ich das noch nicht abschließend sagen - womit wir bei der bereits erwähnten Flexibilität wären, die uns gerade abverlangt wird. Leider nehmen die vielen großen Themen, an denen wir gerade arbeiten, keine Rücksicht auf den Termin eines Kongresses. Was Mitte Mai wirklich spruchreif sein wird, steht noch nicht fest. Denn es geht vielfach darum, Vertrauen aufzubauen und wichtige Partner ins Boot zu holen, bevor man an die Öffentlichkeit tritt. Was ich sagen kann, ist, dass wir hoffen, bei der KINO 2022 mit dem einen oder anderen Knaller aufwarten zu können, der noch nicht im Programm steht.

BF: Dass bereits in mehreren Runden intensiv über eine Branchenvereinbarung zu den Sperrfristen verhandelt wurde, ist ja offenes Geheimnis. Was können Sie zum Stand der Gespräche sagen?

BERG: Im Grunde überhaupt nichts, denn es wurde verständlicher Weise absolute Vertraulichkeit vereinbart - was, wie ich finde, auch der einzige Weg ist, um in einer solchen Runde zu konstruktiven Ergebnissen zu kommen. Was man aber schon daran ablesen kann, dass diese Gespräche stattgefunden haben: Wir alle versuchen gemeinsam, die uns gebotene Chance zu nutzen, die Zukunft zu gestalten.

BF: Was ist aus den Plänen für ein Kinofest geworden?

BERG: Das ist nach wie vor eine tolle Idee, hinter der der HDF klar steht.

BF: NATO-Chef John Fithian hat die Day&Date-Strategie gerade sehr selbstbewusst für tot erklärt - was nicht darüber hinwegtäuscht, dass die Studios aktuell in der Regel auf massiv verkürzte Fenster setzen. Aber verblasst dies womöglich vor einer generell stärkeren Fokussierung auf Streaming; vor der Gefahr, dass künftig weniger große Filme überhaupt für das Kino produziert werden?

BERG: Diese Gefahr sehe ich nicht, erst recht nicht nach den vielen schönen Schlagzeilen aus Las Vegas. Ich könnte mir vielmehr vorstellen, dass etwas geschieht, das dem Kino sogar gut tun wird. Es ist ja nicht so, als würden zu wenige Filme auf die Leinwände gelangen; wir alle wissen, dass eher das Gegenteil der Fall ist. Ich sehe die Chance, dass wieder stärkeres Gewicht auf den einzelnen Titel gelegt wird, dass Potenziale besser ausgereizt werden. Natürlich sehen wir alle, welcher Aufwand betrieben wird, um Streamingangebote aufzubauen; wie viel Geld in entsprechende Produktionen fließt. Aber ich denke nicht, dass wir darunter leiden werden. Die ganz großen Blockbuster, die besonderen Filme, die wirklich publikumswirksamen Produktionen - die werden ins Kino kommen.

BF: Ging dem Kino - auch im Zuge dessen, dass es immer schwieriger wurde, mit sogenannter Mittelware zu reüssieren und Themen abseits der großen IPs zu platzieren - zuletzt nicht eine wichtige Programmfarbe mehr und mehr verloren?

BERG: Momentan mag man die eine oder andere Programmfarbe auf der Leinwand vielleicht vermissen, dazu haben sicherlich auch die Auswertungsexperimente während der Lockdowns beigetragen. Aber ich denke, dass es immer Produzenten geben wird, die wieder für Überraschungen sorgen, die das Publikum mit Unerwartetem begeistern. Um das noch einmal zu betonen: Wir sind noch nicht aus der Pandemie raus, das beeinflusst leider durchaus, wer ins Kino geht und wofür man es tut. Das muss sich wieder einspielen. Man braucht an vielen Stellen einfach Geduld, man muss den Dingen Zeit geben, sich wieder zu entwickeln. Dass das zu selten geschieht, ist ehrlich gesagt ein grundsätzliches Problem an vielen Debatten. Denn nicht jede kurzfristige Entwicklung ist gleich ein Trend.

BF: Wie schnell und radikal sich der Wind bei den Analysten und Kommentatoren in Sachen Netflix gedreht hat, könnte man auch als Ausdruck dieses Phänomens begreifen.

BERG: Ja, ich fühlte mich da doch sehr an das erinnert, was dem Kino immer wieder widerfahren ist. Abgesehen davon, dass ich erstaunt bin, wie viele Menschen in der Lage zu sein scheinen, ihre Meinung blitzartig um 180 Grad zu drehen: Ich habe aus Sicht des Kinos nun derart oft erlebt, wie Entwicklungen zum Anlass genommen wurden, ganze Geschäftsmodelle für tot zu erklären, dass ich manche Einschätzung dann doch eher gelassen betrachte.

BF: Aber hoffen darf man vielleicht, dass das Beben die Rolle des Kinos als Veredler von Filmen wieder stärker in den Blick rückt?

BERG: Ich denke, dass das bereits geschieht. Bei den Blockbustern sowieso, aber auch bei den anderen Filmen. Und das wäre wichtig. Denn wir brauchen die Mittelware, wir brauchen das Arthouse, wir brauchen auch den kleinen, unbequemen Film. Und wir brauchen vor allem auch einen starken deutschen Film.

BF: Dem bei der KINO 2022 ganz besondere Aufmerksamkeit zuteil wird.

BERG: Wir haben uns als Verband auf die Fahnen geschrieben, den deutschen Film auf vielen Ebenen stärken zu wollen. Dass lokale Produktionen für ein erfolgreiches Geschäft unverzichtbar sind, war schon immer klar - während der Pandemie haben wir dann gesehen, wie sehr es in schwieriger Lage helfen kann, eine starke heimische Filmindustrie an der Seite zu haben. Wir wollen unter anderem in Baden-Baden nicht nur dafür sensibilisieren, was es bedeutet, für das Kino zu produzieren; welch langer und beschwerlicher Weg dahinter oft steckt. Sondern vor allem wollen wir darüber diskutieren, wie wir dem deutschen Film mehr Glanz verleihen können, gerade vor Ort. Ich denke, es wäre schon hilfreich, wenn Kreative regelmäßig auch kleinere Standorte aufsuchen würden, sich die "Event-Landkarte" für Kinotouren deutlich vergrößern würde. Gleichzeitig möchte ich aber auch dazu aufrufen, dass wir den deutschen Film mehr vor uns hertragen. Manchmal habe ich geradezu den Eindruck, dass wir an nichts so sehr herumkritteln wie an den Produktionen aus dem eigenen Land. Das wird dem Qualitätsniveau nicht gerecht.

BF: Nun war der miserable deutsche Marktanteil im ersten Quartal wohl vor allem diversen Verschiebungen geschuldet - aber was sagt es über das Angebot aus, dass rund 60 Prozent der Besucher für deutsche Filme auf einen einzigen Hit entfielen?

BERG: Vor allem, dass wir mit Wunderschön" einen ganz tollen Film hatten. Und Hut ab vor all denjenigen, die ins Risiko gegangen sind, die in der schwierigen Zeit ihre Filme gestartet haben. Wir hatten schließlich nicht nur diverse Einschränkungen. Wir wussten nicht, ob Kinos - wie es in einzelnen Bundesländern sogar geschah - nicht wieder geschlossen würden. Jetzt sieht die Welt zum Glück wieder anders aus, jetzt kommen auch die deutschen Filme zusehends wieder. Ich erwarte da viel.

BF: Sie sagen, die Welt sieht wieder anders aus. Was Corona betrifft, ist das sicherlich richtig. Aber die finanziellen Auswirkungen von Russlands Vernichtungsfeldzug spüren wir schon jetzt - und das ist potenziell nur der Anfang. Droht nicht der nächste schwere Schlag, wenn steigende Kosten auf steigende Belastungen für die Konsumenten treffen?

BERG: Wir stehen zweifelsohne vor Herausforderungen. Die Frage, inwieweit man Kostensteigerungen auf die Preise umlegt, wird ein großes Thema sein. Und das ist leider nicht alles. Ausgerechnet jetzt, in dem Jahr, in dem wir uns wieder aufrappeln, haben wir eine Fußball-WM während der wichtigsten Kinozeit des Jahres. Das macht mir Sorgen.

BF: Gower Street prognostiziert von einer Winter-WM geringere Auswirkungen.

BERG: Da bin ich eher skeptisch. So oder so sollte man sich lieber darauf vorbereiten, dass uns da ernsthafte Konkurrenz ins Haus steht - und frühzeitig Ideen entwickeln. Generell wird noch auf Sicht viel Einfallsreichtum und Kraft gefragt sein, dazu trägt auch der Fachkräftemangel bei.

BF: Wie kann man diesem auf Ebene eines Verbands begegnen?

BERG: Indem wir eruieren, wo die Probleme liegen - und indem wir uns für bessre Ausbildungsmöglichkeiten einsetzen. Gerade letzteres ist ein Thema, das wir auch auf Ebene der SPIO angehen, schließlich ist das beileibe kein kinospezifisches Phänomen. Zuvorderst muss man sich natürlich damit befassen, wie man als Arbeitgeber attraktiver werden kann. Dass die Menschen laut einer Umfrage das Gefühl haben, dass man als Mitarbeiter im Kino lediglich verstreutes Popcorn einsammelt, zeigt sicher, dass wir unsere Vorzüge nicht genug betonen.

BF: Kinos attraktiv zu halten, erfordert Investitionen. Wie kann es damit angesichts der finanziellen Lasten, die sich über zwei Jahre aufgebaut haben, und des durch die aktuelle Weltlage nur wachsenden wirtschaftlichen Drucks weitergehen?

BERG: Wir benötigen ohne Zweifel Unterstützung seitens der Politik. Dass es in der Pandemie nicht zu einem Kinosterben kam, ist sicherlich den diversen Hilfsmaßnahmen geschuldet, für die wir sehr dankbar sind, auch wenn nicht alle Unternehmen in gleichem Maße profitieren konnten. Aber die Pandemie ist nicht vorbei, das Wirtschaftsklima hat sich radikal verdüstert. Umso wichtiger ist für uns, dass das im Koalitionsvertrag versprochene Investitionsprogramm kommt. Die Verlängerung des Zukunftsprogramms war ein erster Schritt. Aber wenn man sieht, dass solche Hilfen wenige Stunden nach Antragsstart schon überzeichnet sind, muss man reagieren. Es geht dabei nicht nur um eine Aufstockung, sondern um eine Ausweitung. Die Branche muss unbedingt in ihrer Gänze die Chance erhalten, sich zukunftsfähig aufzustellen.

BF: Die drei Kinoverbände haben unlängst eine kurzfristig angesetzte Umfrage zu den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie durchgeführt. Geschah dies unter dem Eindruck, der Politik könne das Ausmaß der Auswirkungen nur bedingt bewusst sein?

BERG: Ich denke, dieses Bewusstsein existiert; allerdings sollte man Forderungen immer mit Fakten untermauern können. Deshalb ist es uns ein wichtiges Anliegen, unsere Argumente auf eine möglichst breite Datenbasis zu stellen. Umso mehr, als wir nicht nur über kurzfristige Lösungen, sondern möglichst über Maßnahmen für die Dauer der Legislaturperiode sprechen wollen.

BF: Maßnahmen, die den Kinos auch den Weg zu mehr Nachhaltigkeit erleichtern sollen?

BERG: Selbstverständlich ist die entsprechende Umstellung eine zusätzliche Belastung - und keine kleine. Aber sie ist auch eines der Zukunftsthemen, die wir auf ganz vielen Ebenen begleiten; aktuell stehen nicht zuletzt das neue Verpackungsgesetz und damit die Umstellung auf Mehrwegsysteme im Fokus. Als Verband sind wir gefordert, Orientierung zu bieten, das Schwarmwissen der Branche zu nutzen, um für diesen enorm umfangreichen und komplexen Prozess Module zu erarbeiten, die sich Stück für Stück abarbeiten lassen. Dafür suchen wir momentan mehrere Pilotkinos, um gemeinsam mit einem Partner umfassend evaluieren zu können, welche Möglichkeiten es gibt und wo die Bedürfnisse liegen. Das bedeutet enormen Aufwand, aber da müssen wir ran. Denn noch haben wir die Chance, Dinge selbst zu gestalten, sie nicht lediglich oktroyiert zu bekommen, was die Adaption dann nur umso schwieriger machen würde. Viele unserer Mitglieder sind hier schon sehr innovativ und weit und jedem ist klar, dass wir unseren Teil auch für eine nachhaltigere Zukunft leisten müssen. Und das werden wir.

Das Gespräch führte Marc Mensch