Produktion

Republikaner verschärfen Konfrontationskurs mit Disney

Es ist zunächst eher ein symbolischer Angriff als ein Vorhaben mit Erfolgsaussichten - aber einzelne Senatoren aus Reihen der Republikaner versuchen nun, Disney (und Hollywood generell) beim Thema Copyright zu schaden.

11.05.2022 13:07 • von Marc Mensch
Die Opposition gegen ein diskriminierendes Gesetz aus Florida (hier Gouverneur Ron DeSantis bei der Unterzeichnung) brachte Disney voll in die Schusslinie der Republikaner (Bild: IMAGO/ZUMA Wire)

Was genau aus der von den in Florida regierenden Republikanern beschlossen Aufhebung eines Sonderverwaltungsstatus für die dortigen Themenparkgelände von Walt Disney wird, ist derzeit noch offen - da folgt schon die nächste Attacke. Wie der "Hollywood Reporter" berichtet, ist jetzt das Thema "Copyright" in den Fokus der Konservativen geraten. Demnach habe mit Josh Hawley einer der zwei vom Bundesstaat Missouri entsandten Senatoren eine Gesetzesinitiative eingebracht, die den Copyright-Schutz (wieder) auf 56 Jahre begrenzen würde.

Ein Vorstoß, der angesichts der aktuellen (wenngleich minimalst möglichen) demokratischen Mehrheit im Senat und der Mehrheit der Demokraten im Repräsentantenhaus (die allerdings bei den Mid-Term-Wahlen zu verloren gehen droht, wenn man politischen Analysten glaubt) erst einmal wenig Aussicht auf Erfolg hat - der aber natürlich weitreichende Folgen haben könnte. Längst nicht nur für Disney, auch wenn Hawley den Konzern in besonderer Weise hervorhob: "Dank des außergewöhnlichen Copyright-Schutzes, der durch den Kongress gewährt wurde, haben 'woke' Konzerne wie Disney Milliarden verdient, während sie sich zunehmend 'woken' Aktivisten andienen."

Tatsächlich war es Disney über die Jahrzehnte hinweg mehrfach gelungen, den ursprünglich nur 56 Jahre währenden Copyright-Schutz (zuvorderst für "Steamboat Willie", das erste Werk mit dem Charakter Micky Maus) zu verlängern, einmal 1976 und ein weiteres Mal 1998, damals auf 95 Jahre - was den Copyright-Schutz für das genannte Werk nach Angaben des "Hollywood Reporter" 2024 auslaufen ließe.

Beachten muss man dabei natürlich, dass für Fortentwicklungen des Charakters und andere Rechte andere Fristen gelten - und dass auch eingetragene Marken die kommerzielle Auswertung alleine durch Disney sichern.

Während Hawley mit seinem Vorhaben, Copyright-Verlängerungen sogar rückwirkend aufzuheben, noch eine einzelne Stimme darstellt, haben bereits mehrere Republikaner angekündigt, sich zumindest gegen weitere Verlängerungen des bisherigen Schutzes zu stemmen. So habe auch Senator Jim Banks in einem Brief an Disney-CEO Bob Chapek das Unternehmen dafür verurteilt, vor der "extremen Linken mit heuchlerischen, 'woken' Maßnahmen kapituliert" zu haben. Und er ging bei seinen Vorwürfen noch weiter. So zitiert der "Hollywood Reporter" den Brief mit den Worten: "Angesichts der fortgesetzten Zusammenarbeit von Disney mit dem kommunistischen chinesischen Regime, das weder Menschenrechte noch das Urheberrecht der USA respektiert und angesichts seines Drangs, junge Kinder mit für ihrem Alter unangemessenem Material sexuellen Inhalts zu beeinflussen, werde ich keiner weiteren Verlängerung der sie betreffenden Copyrights zustimmen - diese sollten dem Gemeingebrauch anheim fallen."

Erst kürzlich hatte Chapek bekannt gegeben, dass Geoff Morrell, der Beauftragte für Unternehmensangelegenheiten, den Konzern verlassen habe - der interne Brief ließ den Schluss zu, dass die Personalie eine direkte Reaktion auf das Florida-Debakel war. Chapek hatte sich zunächst dagegen gesträubt, öffentlich auf Konfrontationskurs mit den Republikanern wegen der sogenannten "Don't say gay"-Bill zu gehen, nach einem Proteststurm von Mitarbeitenden hatte sich Disney dann aber sehr deutlich öffentlich positioniert - und steht seither voll in der Schusslinie der Republikaner, darunter nicht zuletzt Gouverneur Ron DeSantis, der als möglicher Präsidentschaftskandidat für die Wahlen 2024 gehandelt wird.

Unterdessen könnte sich auch die Konfrontation zwischen Hollywood und Georgia wieder verschärfen - denn dort hatten mehrere Konzerne (unter anderem Walt Disney) einen Rückzug ihrer Produktionsaktivitäten angedroht, sollte ein Gesetz, das die Legalität von Schwangerschaftsabbrüchen stark einschränkt (wobei Georgia, anders als andere US-Bundesstaaten, wenigstens noch gewisse Ausnahmen u.a. bei Vergewaltigung vorsieht) tatsächlich in Kraft treten. Über die Rechtmäßigkeit solcher Gesetze muss der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten urteilen (was für Juni erwartet wird), ein geleaktes Dokument konnte als Hinweis gedeutet werden, dass die Entscheidung mehrheitlich im Sinne der Konservativen ergehen wird... Zuvor war die Produktion des Dramas "Emancipation" in die Schlagzeilen geraten, denn diese war explizit wegen eines diskriminierenden Wahlgesetzes aus Georgia abgezogen worden.