Kino

Jürgen Jürges erhält Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises

Kameramann Jürgen Jürges wird bei der diesjährigen Verleihung des Deutschen Filmpreises am 24. Juni mit dem Ehrenpreis für herausragende Verdienste um den Deutschen Film ausgezeichnet.

05.05.2022 11:16 • von Barbara Schuster
Jürgen Jürges (Bild: Jörg Gruber)

Kameramann Jürgen Jürges wird bei der diesjährigen Verleihung des Deutschen Filmpreises am 24. Juni mit dem Ehrenpreis für herausragende Verdienste um den Deutschen Film ausgezeichnet.

Das neu gewählte Präsidentenduo der Deutschen Filmakademie, Alexandra Maria Lara und Florian Gallenberger, sagt zur Wahl: "Jürgen Jürges ist ein Meister des Lichts. Durch seine unübertroffene Einfühlsamkeit für Figuren und Geschichten und sein einzigartiges Gespür für Stimmungen und Bilder hat er in über fünf Jahrzehnten den deutschen Film entscheidend geprägt. Wer das Glück hat, mit ihm arbeiten zu dürfen, erlebt nicht nur seine einzigartige künstlerische Qualität, sondern auch einen Menschen von absoluter Integrität und großem Feingefühl, der tief in die menschliche Seele blickt und genau das in seinen Bildern spürbar macht." Und Alexandra Maria Lara ergänzt: "Ich habe mich vor Jürgen Jürges' Kamera und in seinem Licht unglaublich sicher und aufgehoben gefühlt. Für mich war er in der gemeinsamen Arbeit an Helmut Dietls 'Vom Suchen und Finden der Liebe' viel mehr als 'nur' der Kameramann. Er war ein wunderbarer Begleiter." Und auch Florian Gallenberger, der als Regisseur mehrfach mit Jürges zusammenarbeitete, freut sich über die Wahl: "Eigentlich verdanke ich Jürgen Jürges alles. Ich habe meine ersten drei Filme mit Jürgen gemacht und für mich wird er immer der wichtigste Gefährte auf meinem filmischen Weg sein. Von niemandem habe ich mehr gelernt. Seine Hingabe an den Film, sein Respekt vor allen Beteiligten und sein tiefes Verständnis vom Geschichten-erzählen, sind unübertroffen. Danke Jürgen!"

Für seine Kameraführung wurde Jürgen Jürges mit zahlreichen Preisen gewürdigt, darunter dreimal mit dem Deutschen Filmpreis, dreimal mit dem Deutschen Kamerapreis und einmal mit dem Ehrenpreis. Er erhielt den Adolf-Grimme-Preis, wurde zweimal mit dem Bayerischen Filmpreis bedacht und für seine Kameraführung in Khrzhanovskys DAU NATASHA" erhielt er den Silbernen Bären der 70. Berlinale in der Kategorie "Herausragende künstlerische Leistung".

Seine Karriere begann Jürges Mitte der 1960er Jahre als Kameraassistent, ab 1970 prägte er als Chefkameramann das Erscheinungsbild des Neuen Deutschen Films entscheidend mit. Er arbeitete bei Angst essen Seele auf", "Effi Briest" und Satansbraten" mit Rainer Werner Fassbinder zusammen, führte die Kamera bei Robert van Ackerens Die flambierte Frau" und Die Venusfalle" (1987), feierte mit Uli Edels Christiane F (1981) Erfolge und gestalte das Bild bei Eisenhans" (1982) von Tankred Dorst. Mit Michael Haneke arbeitete er an Funny Games", Code Inconnu" und "Wolfzeit". Für Florian Gallenberger gestaltete er Schatten der Zeit" und John Rabe". 2013 stand er für Wolfgang Beckers Ich und Kaminski" hinter der Kamera. Seine aktuellste Arbeit ist der Kurzfilm "DVA Slova" (2022) von Michael Siebert, der spontan nach dem russischen Angriff auf die Ukraine an einem Wochenende entstanden ist und vom Zusammentreffen einer ukrainischen Soldatin und einem russischen Soldaten erzählt.

Die Wahl des Ehrenpreises erfolgt durch eine Auswahlkommission, die der Vorstand aus den Mitgliedern, den Fördermitgliedern und dem Freundeskreis der Deutschen Filmakademie bestimmt. Der diesjährigen Kommission, unter dem Vorsitz des ehemaligen Akademie-Präsidenten Ulrich Matthes, gehörten Kalle Friz (Fördermitglied/Produzent & Filmverleiher), Dennenesch Zoudé (Vorstandsmitglied/Schauspielerin), Sherry Hormann (Mitglied/Regisseurin), Ali Samadi Ahadi (Mitglied/Regisseur), Ewa Karlström (Mitglied/Produzentin), Thomas Kufus (Mitglied/Produzent), Matthias Müsse (Mitglied/Szenenbildner), Katja Eichinger (Freundin/Autorin & Journalistin) und An Dorthe Braker (Mitglied/Casting) an.

Die Nominierungen zum Deutschen Filmpreis werden am 12. Mai bekanntgegeben.