Kino

KOMMENTAR: Unser Herz hängt am Kino

Ein Bekenntnis, das man gerade gerne hört - und das tatsächlich immer öfter. Das Kino kämpft sich zurück ins Bewusstsein des Publikums, und Studios, Produzenten und Kreative schwören wieder auf die Magie der Leinwand.

05.05.2022 07:26 • von Jochen Müller
Ulrich Höcherl, Herausgeber und Chefredakteur (Bild: Blickpunkt:Film)

Ein Bekenntnis, das man gerade gerne hört - und das tatsächlich immer öfter. Das Kino kämpft sich zurück ins Bewusstsein des Publikums, und Studios, Produzenten und Kreative schwören wieder auf die Magie der Leinwand. Es ist an dieser Stelle schon berichtet worden, dass so gut wie kein Major in den Tagen der Euphorie auf der CinemaCon das Kino nicht als erste Heimat und Ausgangspunkt für die weltweite Karriere großer Filme bekräftigt hat. Für die zu Tausenden angereisten Kinomacher war es ein willkommenes Gefühlsbad und eine neue Bestätigung, nach Monaten, in denen Anzugskraft und Wirkungsgrad der großen Leinwand durch neue, schnellere und digitale Wege zum Publikum in Frage gestellt worden sind. Und natürlich werden diese Wege weiter bedient und ausgebaut, geht dem Kino der eine oder andere Film, den man lieber im Premiumformat erleben würde, verloren.

Die Namen sind beeindruckend, die ihrer Liebe zum Kino Ausdruck verliehen haben, kulminierend im Auftritt des King of the World James Cameron, der mit der Fortsetzung seiner "Avatar"-Saga neue Standards setzen wird. Nicht einer der angereisten Studiochefs verzichtete darauf, dem Kino seine Reverenz zu erweisen, selbst die, die gerade noch die Zukunft auf immer neuen Streamingplattformen gesehen haben. Mal wurde das Kino als der Fels ausgerufen, auf dem das Filmbusiness gebaut ist, meist wurde ganz klar ein Window zur exklusiven Auswertung im Kino versprochen. Details werden noch verhandelt werden müssen, wie hierzulande auch, wo man in diversen Runden Gespräche dazu führt. Nun muss es gelingen, die Aufbruchstimmung aus dem nach Corona vielleicht wieder größten Kinomarkt auf unsere Breiten zu übertragen.

Den wenigen, die sich von hier nach Kalifornien aufgemacht hatten, wird das nicht allein gelingen. Dafür gibt es in den nächsten Wochen Veranstaltungen genug, um die neu entflammte Begeisterung fürs Kino weiter anzufachen. Da ist natürlich das Festival de Cannes, das nicht nur einen aufregenden Wettbewerb allein fürs Kino gedrehter Filme verspricht, sondern dessen Festivalchef wieder ein wahres Hochamt der siebten Kunst plant. Und da ist nicht zuletzt die Kino 2022, die parallel stattfindet und vielleicht den Spirit der CinemaCon in der Branche verbreiten helfen kann.

Natürlich werden die Zeiten nicht einfacher, nach der Pandemie, inmitten einer Inflation und während eines Krieges mitten in Europa, aber das Publikum sehnt sich nach Unterhaltung, nach Erlebnissen mit Gleichgesinnten auch vor der Leinwand. Die Studios garantieren große Filme auf Jahre hinaus, jetzt gilt es Aufbruchstimmung und Begeisterung weiter zu tragen und dem Publikum, das noch zögerlich zurückkehrt, zu beweisen, wie großartig das Kinoerlebnis ist, mit Major- und Indie-Filmen, die es einfach auf der großen Leinwand sehen muss.

Ulrich Höcherl, Herausgeber und Chefredakteur