Produktion

Mehr Engagement und Förderung für Animationsfilm für Erwachsene gefordert

Einen Tag vor Beginn des Internationalen Trickfilm-Festival Stuttgart haben die Festivalverantwortlichen zusammen mit der AG Animationsfilm von Fernsehsendern und Förderern eine höhere Bereitschaft zur Unterstützung von Animationsfilmen für Erwachsene eingefordert.

02.05.2022 11:51 • von Jochen Müller
Animationsfilm für ein erwachsenes Publikum: der dreifach Oscar-nominierte "Flee" (Bild: Final Cut for Real/Sun Creature/Vivement Lundi! 2020)

Während Animationsfilme für Erwachsene wie Waltz with Bashir", "Persepolis", "Isle of Dogs", The Breadwinner" sowie der in diesem Jahr dreifach Oscar-nominierte Flee" im Ausland große Erfolge bei Publikum und Kritik feiern, spielen deutsche Produktionen bei derartigen Produktionen "leider nur eine Nebenrolle". Das stellen die Verantwortlichen von Internationalem Trickfilm-Festival Stuttgart (ITFS) und AG Animationsfilm in einer heute, einen Tag vor Beginn des Internationalen Trick-Festival Stuttgart, veröffentlichten Erklärung fest.

Die jährlichen Einreichungen beim deutschen Animationsdrehbuchpreis des ITFS und den Animation Production Days zeigten demnach jedoch, dass dies nicht am Desinteresse oder an fehlenden Stoffen deutscher Produktionsfirmen liege. Und so wird in der von den beiden Festivalgeschäftsführern Ulrich Wegenast und Dieter Krauß sowie dem Vorstandsvorsitzenden der AG Animationsfilm, Fabian Driehorst, und deren Geschäftsführerin Annegret Richter unterzeichneten Erklärung die Forderung erhoben: "Notwendig wäre eine wesentlich höhere Bereitschaft bei Fernsehsendern und Filmförderungen, Animationsstoffe für ein erwachsenes Publikum zu unterstützen."

Weiter zeigen sich die Unterzeichner der Erklärung davon überzeugt, dass es dem Animationsfilm andere Budgets, Themen und Möglichkeiten eröffnen würde, wenn Animation nicht ausschließlich im Kinderbereich angesiedelt, sondern im Unterhaltungsbereich der öffentlich-rechtlichen Sender zu sehen sein würde. Und auch die deutschen Verleiher müssten "mehr Mut für anspruchsvolle animierte animierte Filme zeigen". Gefordert wird aber auch die Schaffung neuer Fördertools und Initiativen - und das fange bei der Nachwuchsförderung an, wie sie die AG Animationsfilme schon seit Jahren mit der Schaffung von Nachwuchsformaten im deutschen Fernsehen fordere.

Auch bei der Förderung von animierten Kurzfilmen müsse etwas getan werden. Schließlich seien 90 Prozent der an deutschen Filmhochschulen entstehenden animierten Kurzfilmen an ein erwachsenes Publikum gerichtet. Dieses Verhältnis kehre sich aber nach dem Studium um, da es "schlichtweg keine umfassenden Förderangebote" gebe.

"Wenn jede deutsche regionale Filmförderung einen Betrag von einer Million Euro pro Jahr für ca. zehn Kurzfilme bereitstellen würde, könnte die Animationslandschaft in Deutschland, was den Trickfilm für Erwachsene anbelangt, in kurzer Zeit aufblühen und dauerhaft wachsen. Auch eine erhebliche Erhöhung der Kurzfilmförderung des Bundes, die derzeit mit maximal 30.000 Euro pro Film fördert, hätte einen Effekt für die deutsche Animationslandschaft", heißt es dazu in der Erklärung.