Kino

CINEMACON Tag 4: Top Paramount

Ein Home-Run für Paramount auf der CinemaCon. Wer einen Film wie "Top Gun: Maverick" im Gepäck hat, der erstmals einem Publikum in voller Länge gezeigt wurde, hat schon gewonnen. Auch wenn Tom Cruise nicht persönlich anwesend sein konnte, sondern sich nur per Einspieler meldet, auf einem Doppeldecker in vollem Flug stehend.

28.04.2022 12:50 • von Thomas Schultze
Las Vegas lag "Top Gun: Maverick" zu Füßen (Bild: Paramount)

Paramount kann CinemaCon. Das war das Mantra unter der Ägide des vor sechs Monaten geschassten Studiochefs Jim Gianopulos, der diese Philosophie zusammen mit seinem Verleihchef Chris Aronson zuerst während ihrer Ägide bei Fox perfektioniert hatte. Insofern fühlte sich der erste Auftritt des Studios auf der CinemaCon unter der neuen Führung von Brian Robbins unbedingt vertraut an. Allein der Auftakt mit einem beschwingten Dance/Hiphop-Auftritt, mit dem der Erfolg von Sonic the Hedgehog 2" gefeiert wurde (der erfolgreichste Start eines Films des Studios seit acht Jahren), war vertraut. Wie auch der souveräne Auftritt von Aronson, der zwar in dasselbe Horn stieß wie die Studio-Executives vor ihm, dass das Kino wieder zurück sei, aber auch als Einziger bislang auch bedächtigere Töne anstimmte: Es bedürfe gemeinsamer Anstrengungen, die Krise wirklich hinter sich zu lassen. Die Kinos dürften nichts unversucht lassen, ihren Kunden das bestmögliche Erlebnis zu bieten; Paramount müsse im Gegenzug alles daransetzen, den Kinos optimales Produkt zur Verfügung zu stellen, um die Kunden zufrieden zu stellen: "Darum geht es, so sehen echte Partnerschaften aus."

Weil es bei der Paramount-Präsentation im Grunde um die erste Publikumsvorführung von Top Gun: Maverick" ging, fasste Aronson sich kurz bei der Vorstellung des kommenden Programms: Wirklich atemberaubend sahen die ersten Bilder von "Babylon" aus, dem neuen Film von Oscargewinner Damien Chazelle mit Brad Pitt und Margot Robbie, ein süffiges Sittengemälde des Hollywoods der Zwanzigerjahre, das im Dezember starten wird und nach dem Material zu urteilen das Zeug dazu hat, der Film des Jahres zu werden. Gut sieht auch der für 2023 terminierte "Dungeons & Dragons" mit Chris Pine, Regé-Jean Page und Michelle Rodriguez aus, den man nach Möglichkeit zum Franchise aufbauen will.

Der neue Studiochef Brian Robbins gab sich bei seinem ersten Auftritt in dieser Funktion souverän und wortgewandt: Er betonte die enormen Erfolge der letzten Monate, vier Nummer-eins-Hits in Folge, das Festhalten an den Startterminen trotz Omikron. Dass es allesamt Titel und Termine aus der Ägide Gianopulos sind - wie auch die großen kommenden Titel der wenigstens nächsten 18 Monate -, ließ er tunlichst unerwähnt. Aber man wird Robbins, der angetreten war, um Paramount stärker als Contentlieferant für das Streamingangebot Paramount+ auszurichten, an seinen Worten messen: "Kino wird weiterhin das Fundament unseres Erfolgs bleiben." Er war aber auch vorsichtig bei seiner Formulierung, betonte wiederholt, dass man vor allem bestehende Franchises bedienen wolle. Er nannte neue Fortsetzungen von Transformers", Teenage Mutant Ninja Turtles", Scream" und Paw Patrol" sowie ein Prequel von A Quiet Place".

Vor allem aber hatte Robbins das sichtliche Vergnügen, zur Einstimmung auf die Hauptattraktion den ersten, absolut atemberaubenden Trailer von "Mission: Impossible - Dead Reckoning Part One" zu zeigen, der 2023 in die Kinos gebracht wird, gefolgt von einem zweiten Teil dieser Saga, die aktuell gedreht und 2024 folgen wird. Dann war es soweit - "fünf Verschiebungen und viel Ungewissheit, wie und wo der Film ausgewertet werde später": Das allererste ´Publikumsscreening von "Top Gun: Maverick" von Joseph Kosinski, die Fortsetzung des vielleicht definitiven Films der Achtzigerjahre von Tony Scott, der Cruise damals endgültig zum Superstar gemacht hatte. Leider konnte Cruise selbst nicht anwesend sein, aber er überbrachte seine Grüße dennoch, per Einspieler, der spektakulärer kaum hätte sein können: Er steht auf einem Doppeldecker in vollem Flug und berichtet, wie sehr er es bedaure, nicht da sein können. Ein zweiter Doppeldecker mit Regisseur Christopher McQuarrie an Bord fliegt heran, McQuarrie sagt Cruise, man müsse zurück an die Arbeit, beide Flieger setzen zu einem Sturzflug aus dem Bild an. Wow.

Und dann "Top Gun: Maverick". Leider gibt es ein Besprechungsembargo bis zum 12. Mai, also kann ich aktuell nichts über den Film schreiben. Ich kann aber schreiben: Es gab Szenenapplaus. Sieben Mal! Mehr muss man aktuell auch noch nicht wissen. Es ist ein Film, der das Publikum glücklich machen wird.

Aus Las Vegas berichtet Thomas Schultze.