Kino

KOMMENTAR: Only in theatres

Bekäme ich zehn Euro für jedes Mal, wenn ich auf der CinemaCon in Las Vegas die Worte "Only in theatres" gehört habe, würde sich meine Reise von selbst bezahlen. Oder anders gesagt: Die meinen das richtig ernst mit der Rückkehr des Kinos - und zwar der klaren Exklusivität der Filme.

28.04.2022 07:00 • von Jochen Müller
Thomas Schultze, Chefredakteur (Bild: Blickpunkt:Film)

Bekäme ich zehn Euro für jedes Mal, wenn ich auf der CinemaCon in Las Vegas die Worte "Only in theatres" gehört habe, würde sich meine Reise von selbst bezahlen. Oder anders gesagt: Die meinen das richtig ernst mit der Rückkehr des Kinos - und zwar der klaren Exklusivität der Filme. Es ist ein bisschen gespenstisch: Zwei Jahre lange musste man sich anhören, warum das Kino jetzt aber endgültig ein Auslaufmodell sei und die Zukunft einzig dem Streaming gehöre.

Jetzt ist, sagen wir mal ganz frech um des Argumentes Willen, weil es sich hier in Las Vegas auch so anfühlt, Corona vorbei. Und es ist, als würde man von einem langen Albtraum erwachen, als würde sich ein Schleier heben, als würde man feststellen: Mann, war doch alles Quatsch, was wir uns da in unserer Panik während der Pandemie zusammengereimt haben.

Kehren wir also wieder in die Realität zurück. Die Realität ist, Momentaufnahme jetzt: Die Kinos sind immer noch da, die Streamer sind auf dem harten Boden der Tatsachen angekommen. Das erwartete Kinosterben ist ausgeblieben. 800 Leinwände mussten in den USA schließen. Von 41.000. Zwei Prozent. Das Publikum kehrt in die Kinos zurück. In einer bei 6000 Konsumenten erhobenen Umfrage des führenden Ticketing-Unternehmens Fandango sagten 93 Prozent, sie würden nicht nur Superhelden-Filme sehen wollen, sondern freuten sich auf ein diverses Programm, wenn sie wieder in die Kinos zurückkehrten.

Und am allerwichtigsten: Hollywood sieht das auch so. Wer befürchtet haben sollte, Warner Bros könnte nach dem Merger mit Discovery womöglich weniger auf das Kino und die klassischen Auswertungsfenster vertrauen, muss sich erst einmal nicht sorgen. In seiner ersten Telefonkonferenz als CEO von Warner Bros. Discovery hat David Zaslav sofort klargemacht, dass sich in Zukunft nicht alles um HBO Max drehen werde. Und auf der CinemaCon ließ er via seines Filmchefs Toby Emmerich ausrichten, wie sehr ihm am Kinogeschäft gelegen sei. Man wolle weitermachen wie bisher. Nun wird man noch sehen müssen, wie sich Brian Robbins bei seinem ersten Auftritt auf der Kinofachmesse als Studiochef von Paramount schlagen wird. Angetreten war er, um die "Kino first"-Strategie seines Vorgängers Jim Gianopulos zu ersetzen, den Fokus weg von der kostspieligen Kinoproduktion hin zu preiswerterem Produkt für Paramount+ zu legen.

Seither macht ein Film nach dem anderen, den er von Gianopulos geerbt hat und genau an den von ihm noch vorgesehenen Terminen starten ließ, richtig viel gutes Geld für Paramount. Und Robbins wird dafür gefeiert. So schnell kann's gehen.

Ansonsten hört man auf der CinemaCon nur Gutes über das Kino. Hinter jeder neuen Filmpräsentation folgt ein laut betontes "Only in theatres" oder die Variation "Coming to a BIG SCREEN near you". Hört sich wunderbar an.

Thomas Schultze, Chefredakteur