Produktion

Sara Fazilat: "Mit Stereotypen brechen"

Die Schauspielerin, Produzentin mit eigener Firma und Drehbuchautorin ist ab 12. Mai mit "Nico", ihrem Abschlussfilm an der dffb, in den Kinos. Seit seiner Premiere beim Max-Ophüls-Preis 2021 sammelte das Drama um eine Deutsch-Perserin einen Preis nach dem anderen.

09.05.2022 07:30 • von Heike Angermaier
Sara Fazilat (Bild: Constantin Campean)

Die Schauspielerin, Produzentin mit eigener Firma und Drehbuchautorin Sara Fazilat ist ab 12. Mai mit Nico", ihrem Abschlussfilm an der dffb, in den Kinos. Seit seiner Premiere beim Max-Ophüls-Preis 2021 sammelte das Drama um eine Deutsch-Perserin einen Preis nach dem anderen.

Herzlichen Glückwunsch! Mit "Nico" haben Sie etliche Preise gewonnen, zuletzt beim Frauenfilmfestival. Welcher Preis ist Ihnen besonders wichtig?

Jeder Preis hat seine eigene Bedeutung für mich: Der Max Ophüls Preis ist der erste Preis, den ich als Schauspielerin bekommen habe. Der No Fear Award bei der First Steps Verleihung zeichnete mich als Produzentin aus. Es war sehr berührend sowohl als Hauptdarstellerin als auch als Produzentin ausgezeichnet zu werden. Das Frauenfilmfestival ist so ein tolles Festival, es war mein Wunsch, dort zu laufen und dann dort prämiert zu werden - unfassbar! Als dann auch Auszeichnungen aus anderen Ländern folgten wie vom Cambridge Film Festival, eines der ältesten Filmfestivals in UK, war es besonders schön zu merken, dass "Nico" Menschen auf der ganzen Welt erreicht. Beim Queerscope Award entscheiden sich 21 Filmfestivals für einen Film pro Jahr und "Nico" war dieser Film 2021. Das Brechen mit Stereotypen war ein erklärtes Ziel des Filmes und die verschiedenen Auszeichnungen sind ein Beweis für mich, dass das gesehen und verstanden wird! Dass der Film auch in der Vorauswahl für den deutschen Filmpreis ist, unterstreicht das.

"Nico" erzählt eine Geschichte von heute, über Rassismus, mit einem diversen Cast, vielen Frauen vor und hinter der Kamera. Ist der Film beispielhaft für die Projekte, die Sie mit ihrer Firma Third Culture Kids auf die Beine stellen wollen?

Ich habe Produktion an der dffb angefangen zu studieren, weil ich die Inhalte von Filmen mitgestalten wollte. Hierbei war ein selbstverständlich diverses erzählen vor und hinter der Kamera für mich immer im Fokus. Meine Produktionsfirma ist nach dem Begriff "Third Culture Kids" benannt. Dieser Begriff steht für Menschen, die zwischen verschiedenen Kulturen leben. Das ist das, was ich bin und viele Menschen auf der ganzen Welt auch.

"Nico" entstand noch im geschützten Rahmen der Filmhochschule. Wie weit sind Sie mit ihren neuen Projekten?

Momentan habe ich als Produzentin zwei Filme in der Postproduktion, "Asche" und "Lost in Helsinki", und zwei Projekte in der Entwicklung, den Spielfilm "Arier", der für die First Steps Masterclass ausgewählt wurde, und natürlich meine Serie "Underdogs". Sie handelt von Menschen, die ihre vermeintlichen Schwächen als Superpower neu definieren.

Auch als Schauspielerin treiben Sie Ihre Karriere voran und sind demnächst auch in Bully Herbigs Tausend Zeilen" und Ali Abassis "Holy Spider" zu sehen. Wie bekommen Sie Schauspiel und Produktion unter einen Hut? Befruchten sie einander?

Definitiv befruchten sich die beiden Berufe. Dadurch, dass ich im Studium in allen möglichen Gewerken unterwegs war, konnte ich ein Bewusstsein für jedes Department mitnehmen. Gleichzeitig habe ich gelernt, wie wichtig es ist, auch mal loszulassen und einfach durch das Bild zu laufen ohne immer die ganze Rollenbiographie im Kopf zu haben. Genauso verstehe ich als Produzentin, wie viel es bedeutet, sich als Schauspielerin auf eine Rolle einzulassen. Als Filmemacherin musste ich lernen, Prioritäten zu setzen. Wofür brenne ich so sehr, dass ich das unbedingt erzählen will? Als Produzentin oder als Schauspielerin, oder auch als beides. Außerdem bin ich ein Workaholic, wenn ich etwas liebe... (lacht)

"Nico" wirkt sehr authentisch. Wie haben Sie gedreht?

Ich liebe die Filme von Andrea Arnold oder Asghar Farhadi. Sie machen es möglich, die Figuren, die sie zeigen, zu verstehen und sich in sie hineinzuversetzen, auch wenn die Zuschauenden einen anderen Hintergrund oder eine andere Sozialisierung haben. So identifiziert man sich mit den Menschen, die scheinbar weit weg von einem selbst sind. Das braucht es, um das Denken der Menschen zu verändern und einen Wandel herbeizuführen. Denn wir fangen an, die Welt zu verändern, indem wir uns selbst verändern. Deshalb bin ich von diesen brillanten Filmemacher:innen inspiriert und wir haben versucht diese Authentizität auch bei "Nico" einfließen zu lassen.

Die Fragen stellte Heike Angermaier 

Zur Person:

Sara Fazilat studierte Schauspiel in London und Produktion in Berlin und New York. Sie war ein Berlinale Talent und mit Kurzfilmen in Cannes eingeladen. Ihre erste lange Produktion "Jiyan" wurde in Saarbrücken ausgezeichnet. Das Multitalent gründete während des Studiums ihre Firma Third Culture KIds. Sie ist im Vorstand von Pro Quote Film.