Kino

Deutscher Kinomarkt erreicht wichtige Benchmark

Obwohl am vergangenen Wochenende nur ein einziger Neustart zündete, reichte es am Ende aus, um die deutschen Kinozahlen erstmals in diesem Jahr wieder über eine wichtige Hürde zu hieven. Noch besser erging es Österreich.

11.04.2022 14:03 • von Marc Mensch
Auf das "Harry Potter"-Universum bleibt weiter Verlass (Bild: Warner)

Neustarts gab es am vergangenen Wochenende einige - so richtig zünden wollte aber nur einer. Der dafür aber richtig. Schon in den nächsten Tagen wird Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse" der fünfte Besuchermillionär des Jahres sein, zum Start wurden (inklusive der Mittwochspreviews) schon rund 810.000 Tickets verkauft. Demgegenüber schaffte nur noch Wo in Paris die Sonne aufgeht" gerade noch fünfstellige Zahlen, ganze vier der zehn "erfolgreichsten" Debütanten mussten sich mit (teils deutlich) weniger als 250 Besuchern bescheiden.

Gegenüber einem Wochenende mit idealem Kinowetter fielen die Rückgänge erwartungsgemäß mitunter ein klein wenig höher als zuletzt beobachtet aus, wobei der Drop von fast 60 Prozent für Morbius" zeigt, dass dieser kleineren Produktion aus dem Marvel-Universum auch hierzulande die Luft vergleichsweise schnell auszugehen scheint; in den USA war der Film mit einem Drop von über 70 Prozent regelrecht abgestürzt. Ein Phänomen bleibt indes Die Häschenschule - Der große Eierklau", der nach seinem massiven Zuwachs am vergangenen Wochenende noch einmal um zehn Prozent zulegen konnte und der in der Osterzeit allerbeste Chancen auf weiterhin gute Zahlen hat. Solide jedenfalls war innerhalb der Top 5 die Entwicklung von Sonic the Hedgehog 2" (minus 29 Prozent), The Batman" (minus 34 Prozent) und vor allem von Die Gangster Gang" (minus 19 Pozent).

Insgesamt jedenfalls zählte Comscore in der Filmsource-Auswertung (die sich wie üblich ohne Previews versteht) für das vergangene Wochenende knapp 1,53 Mio. Besucher und 14,2 Mio. Euro Boxoffice. Damit lag der deutsche Gesamtmarkt - obwohl Comscore nur 87 Prozent der regulären Kinos für diese Auswertung als geöffnet erfasst - erstmals in diesem Jahr nach Umsatz um zwei Prozent über einer wichtigen Benchmark: jener eines mittleren Durchschnittswochenendes der fünf Jahre vor Corona. Noch besser erging es sogar Österreich, wo die Ticketumsätze sogar um 17 Prozent über der Benchmark lagen. In den Niederlanden waren es zehn Prozent, wobei dort die Schere zwischen Umsätzen und Besucherzahlen (letztere lagen um 14 Prozent zurück) sehr weit auseinander klafft.

Überraschen könnte übrigens die Performance der beiden Bundesländer, in denen die Corona-Maßnahmen verlängert wurden. Denn Hamburg liegt mit einem Wert von 242 Prozent, den die dort geöffneten Kinos an Mehrbesuchern gegenüber ihrem schlechtesten Wochenende vor Corona einfahren konnten, zwar mit am Ende der Skala - aber alles andere als abgeschlagen. Berlin war mit plus 194 Prozent absolutes Schlusslicht, Hessen brachte es nur auf 228 Prozent, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz rangierten bei 243 bzw. 245 Prozent. Und in Mecklenburg-Vorpommern lag der Wert für die geöffneten Kinos (299 Prozent) tatsächlich deutlich über dem bundesweiten Schnitt, allerdings dürften die tatsächlich bespielten Leinwände dort von mehreren Schließungen profitiert haben.

Trotzdem sind die Werte ein Indikator dafür, dass der Wegfall von Beschränkungen absolut nicht gleichbedeutend mit der Wiederherstellung von Normalität ist - dies zeigt sich dem Vernehmen nach insbesondere bei älteren Zielgruppen und damit massiv bei Arthouse-lastigen Themen.