Festival

"Rimini" und "Alice Schwarzer" holen sich Hauptpreise in Graz

"Rimini" von Ulrich Seidl und Sabine Derflingers Dokumentarfilm "Alice Schwarzer" sind die Gewinner der Großen Diagonale-Preise 2022.

11.04.2022 06:43 • von Barbara Schuster
Bravo, Richie: "Rimini" gewann in Graz! (Bild: Ulrich Seidl Filmproduktion)

Bei der gestrigen Preisverleihung der Diagonale wurde Ulrich Seidls wunderbare schwarze Komödie Rimini" als bester österreichischer Spielfilm ausgezeichnet, wobei die Jury um Leena Koppe, Heike Parplies und Barbara Wurm die Auszeichnung ex aequo mit Richie Bravo (der von Michael Thomas mit einer Wucht gespielten Hauptfigur) ausgesprochen hat "für einen Film, der uns nicht vergessen lässt, das großes Kino mit dem Leben zu tun hat (dem eigenen), während es von anderem träumt. Ein Opus magnum, veramente." Weiter heißt es in der Jurybegründung: "Dieser Film ist eine Winterreise. Ein Zyklus von Liedern. Homecoming als Versuch der Generationen. Buongiorno, tristezza auf Österreichisch, nah am Wasser gebaut, hingebungsvoll bis zum Höhepunkt, singend bis ans Ende. Eros und Thanatos aus dem Wurlitzer, Sehnsucht und Empathie. Das Leiden so echt wie falsch. Mamarufe durch Mark und Bein. Geschichtsgetränkt in den Spuren aus dem Reich (auf der Ton- wie der Gefühlsebene), aufgewacht in der irgendwie verbesserungswürdigen Willkommenskultur. Gestrandete allenthalben, ob an der Adria oder im Heim. Schweißgetrieben, am nasskalten Strand."

Den Großen Diagonale-Preis Dokumentarfilm durfte Sabine Derflinger für ihre neue Arbeit Alice Schwarzer" entgegennehmen, nach 2020 bereits die zweite Auszeichnung für die Regisseurin in einer Hauptkategorie des Festivals. "Männer, Frauen und alle anderen bekommen hier im Kino die Chance, die Welle des Zweiten Feminismus einzuordnen und auf ihr aufzubauen, über zwei Stunden lang in einer Vielfalt von Geschichten und Anekdoten einem Lebenslauf zu folgen, der gradlinig komplex durch Gesellschaft und Politik geformt wurde und diese geformt hat. Ein Film - wie seine Protagonistin - voller Humor, Warmherzigkeit und Schlagfertigkeit, der Brücken bauen kann", lobte die Dokumentarfilmjury um Pierre-Emmanuel Finzi, Selina Hangartner und Esther van Messel.

Die Schauspielpreise gingen an Julia Windischbauer für "Para:dies" sowie an Georg Friedrich für Große Freiheit". Der Film von Sebastian Meise räumte zudem ab beim VAM-Preis für außergewöhnliche Produktionsleistungen, sowie beim Schnitt (Joana Scrinzi) und Bildgestaltung (Crystel Fournier).

Den Kurzfilmpreis entschied Valentin Stejskal mit "5pm Seaside" für sich, mit dem Nachwuchsfilmpreis wurde "Alles ist hin" von Jan Prazak honoriert. Insgesamt werden im Rahmen der Diagonale Preise im Wert von rund 185.000 Euro an Filmschaffende vergeben. Das Grazer Festivalpublikum wählte Verschwinden" von Andrina Mracnikar zu seinem Lieblingsfilm.

Alle Preisträger unter www.diagonale.at