Kino

US-Kinoquartal: Mangelverwaltung

Im US-Markt sind die Zahlen des ersten Kinoquartals noch kein Anlass, durchzuatmen. Denn einzelnen Spitzenergebnissen steht ein schwaches Gesamtresultat gegenüber.

07.04.2022 10:32 • von Marc Mensch
Das US-Publikum stand Kopf für den großartigen "The Batman" (Bild: Warner Bros.)

Keine Frage - die Omikron-Welle hat auch den Kinos in den USA und Kanada übel mitgespielt, vor allem im nördlichsten Nordamerika endete 2021 mit neuen, harten Restriktionen bzw. Kinoschließungen. Dennoch war der dortige Markt im ersten Quartal nicht in ähnlicher Weise durch staatliche Auflagen beeinträchtigt wie der hiesige - und wo die Zahlen für einen Spider-Man: No Way Home" schon in Deutschland grandios sind, fielen sie im Heimatmarkt sensationell aus: Über 800 Mio. Dollar US-Einspiel hatten zuvor nur Star Wars: Das Erwachen der Macht" und Avengers: Endgame" von Walt Disney (die an "Spider-Man" ordentlich mitverdienen) geschafft. Womit auch schon ein wichtiger Name gefallen ist, wenn es darum geht, nach Gründen dafür zu suchen, dass der Jahresauftakt schwach ausfiel, obwohl Spitzenergebnisse erwiesenermaßen absolut wieder möglich sind.

Denn das Studio, das im Gesamtjahr 2019 für rund ein Drittel des gesamten US-Boxoffice stand, spielte im ersten Quartal 2022 kaum eine Rolle. In der Marktanteilsliste von Comscore für den Zeitraum 7. Januar bis 3. April (das "offizielle" Comscore-Quartal endete am 6. April) taucht der Name "Disney" nicht einmal auf. Die 5,2 Prozent Umsatzanteil, die das Maus-Haus auf Rang 6 der Verleiher positionierten, kamen über gerade einmal drei Filme zustande - alle von 20th Century Studios.

Schon diese Tatsache deutet auf ein Kernproblem der ersten drei Monate hin. Noch klarer wird das Bild, wenn man sich vor Augen hält, dass Warner und Sony zusammen für rund 54 Prozent des Gesamtumsatzes standen - obwohl Comscore für den hauchdünnen Marktführer Warner gerade einmal vier Neustarts erfasste, darunter den absoluten Klassenprimus des ersten Quartals: The Batman" mit aktuell rund 350 Mio. US-Boxoffice. Weitere Indikatoren? Paramount ging mit fünf Filmen ins Rennen, Universal nur mit vier, insgesamt wurden fast 94 Prozent der Ergebnisse laut Comscore mit gerade einmal 36 Filmen der neun "Top"-Studios erzielt - von denen auch noch etliche enttäuschten, genannt sei nur Moonfall", der für fast zwei Drittel der Ergebnisse von Lionsgate stand. 6,5 Prozent des Gesamtumsatzes entfielen auf 123 Filme von Verleihern jenseits der stärksten Neun, insgesamt weist Comscore im Berichtszeitraum 159 Filme aus. Zum Vergleich: 2019 hatten zwischen Januar und März 64 Filme für rund 63 Prozent des US-Umsatzes gesorgt, der Rest entfiel auf weitere 168 Titel.

Unter dem Strich sind die gut 1,32 Mrd. Dollar Quartalsumsatz (ohne Previews) also vor allem eines: Ausdruck eines eklatanten Mangels an Filmen - insbesondere natürlich an zugkräftigen. Gegenüber dem Vergleichsquartal 2019 "fehlt" rund eine Milliarde - obwohl das damalige Gesamtergebnis von rund 2,4 Mrd. Dollar um über 16 Prozent unter dem (allerdings absolut herausragenden) Rekordergebnis aus dem ersten Quartal 2018 gelegen hatte.

Zufrieden kann man mit dem ersten US-Quartal trotz einzelner Spitzenergebnisse also keineswegs sein. Allerdings besteht die Hoffnung, dass sich das Bild schon in den kommenden Wochen, in denen dann auch Disney wieder richtig ins Geschehen eingreift, aufhellen wird. Tentpoles wie Phantastische Tierwesen: Dumbledores Geheimnisse", Doctor Strange in the Multiverse of Madness" (mit dem nicht ganz unerheblichen Bonus des ersten 3D-Trailers zu Avatar 2") und Top Gun: Maverick" sollten punkten.