Kino

Filmfestival in Vilnius endet im Gedenken an Filmemacher Mantas Kvedaravicius

Mantas Kvedaravicius, dessen Dokumentarfilm "Mariupolis" 2016 auf dem Vilnius International Film Festival Premiere gefeiert hatte und in diesem Jahr zu Beginn des Festivals noch einmal gezeigt worden war, war am Samstag auf der Flucht aus der ukrainischen Stadt getötet worden. Die gestrige Preisverleihungsgala des Vilnius International Film Festival stand ganz im Gedenken an den litauischen Filmemacher.

04.04.2022 15:23 • von Jochen Müller
Zum Abschluss des Vilnius International Film Festival wurde des litauischen Filmemachers Mantas Kvedaravicius gedacht (Bild: Vilnius International Film Festival)

Die gestrige Preisverleihungsgala beim Vilnius International Film Festival stand ganz im Zeichen des Gedenkens an den litauischen Filmemacher Mantas Kvedaravicius. Kvedaravicius, dessen Dokumentarfilm "Mariupolis" 2016 auf dem Festival seine Premiere gefeiert hatte und in diesem Jahr zu Beginn des Festivals im Rahmen des "Ukraine-Tages" noch einmal gezeigt wurde, war am Samstag auf der Flucht aus der ukrainischen Hafenstadt, in der er einen Dokumentarfilm über das Kriegsgeschehen drehen wollte, bei einem russischen Raketenangriff getötet worden.

"Wir haben einen Regisseur verloren, der inmitten der Brutalität des Krieges einen heldenhaften Job gemacht hat. Es ist schwer, in solch einem Moment Worte zu finden. Mantas selbst war kein großer Redner. Daher lade ich jeden zu einer Schweigeminute ein zu Ehren der Verstorbenen und der Menschen, die bei ihrem Kampf für die Freiheit der Ukraine ermordet wurden", erklärte Festival-CEO Algirdas Ramaska zu Beginn der Gala, in deren Rahmen "Mariupolis" noch einmal gezeigt wurde.

Als der Film zu Beginn des Festivals, am "Ukraine-Tag", zu sehen war, habe noch niemand daran gedacht, dass er am letzten Tag des Festivals unter so tragischen Umständen noch einmal gezeigt werden würde, so Ramaska, der zum Abschluss seiner Ansprache betonte: "Mantas hat seine Arbeit den Konfliktzonen gewidmet, der Wirklichkeit des Krieges und der Menschlichkeit, die wie ein Licht in der Dunkelheit ist. Seine Filme waren und werden über das Heute hinaus extrem wichtig sein."

Die Preise des Vilnius International Film Festival gingen in diesem Jahr an "Rampart" des serbischen Regisseurs Mark Grba Singh, der als bester Film im zehn Filme umfassenden Wettbewerb für europäische Debütfilme ausgezeichnet wurde. Für die beste Regie in diesem Wettbewerb wurde das Duo Helena Girón und Samuel M. Delgado für "They Carry Death" prämiert, die Preise für die besten Darsteller:innen gingen an Marina Redzepovic für ihre Rolle in Sonja Rarokic' "The Staffroom" und Giedrius Kiela für seine Rolle in Laurynas Berisas "The Pilgrims".

Als bester Kurzfilm wurde Marta Pajeks "Impossible Figures and Other Stories I" ausgezeichnet. Der Publikumspreis ging an Joachim Triers "Der schlimmste Mensch der Welt", mit dem FIPRESCI-Preis wurde Kornél Mundruczós "Evolution" prämiert.