Kino

Licht und Schatten im ersten Kinoquartal

Mit einer Rückkehr zu siebenstelligen Besucherzahlen ist der deutsche Kinomarkt mit ermutigender Entwicklung auf die Ziellinie für das erste Quartal gegangen. Der pandemiebedingte Druck, der schon das vierte Quartal 2021 verhagelte, wird an der Gesamtbilanz aber noch einmal sehr deutlich abzulesen sein.

04.04.2022 14:19 • von Marc Mensch
"The Batman" ist der erfolgreichste Neustart im ersten Kinoquartal in Deutschland (Bild: Warner)

"Offiziell" endet das erste deutsche Kinoquartal für Comscore erst mit Abschluss der Spielwoche am 6. April, dementsprechend wird der Zahlenspezialist erst Ende der Woche eine vorläufige Bilanz für die Monate Januar bis März ziehen. Dennoch lässt sich an den bereits vorliegenden Zahlen bereits ein klarer Trend ablesen: Die pandemiebedingten Einschränkungen (und daraus resultierenden Startverschiebungen), die die Gesamtbilanz für November und Dezember 2021 und damit das vierte Quartal des vorangegangenen Kinojahres verhagelten, ließen in den ersten Monaten des laufenden Jahres nur eine langsame Erholung des Gesamtmarktes zu.

Laut der Filmsource-Auswertung von Comscore wurden bis zum Ende des letzten März-Wochenendes knapp 14,5 Mio. Besucher in den deutschen Kinos gezählt. Nun muss man dabei natürlich berücksichtigen, dass die Zählung erst am 6. Januar begann und zudem Previews nicht Teil dieser Bilanz sind. Allerdings lässt diese Zahl schon jetzt ahnen, dass sich der prozentuale Rückstand zu den Vergleichswerten aus dem letzten Jahr vor der Pandemie grob im Bereich der Mitte zwischen zwei wesentlichen Vergleichswerten einpendeln wird: Dem Minus von 59 Prozent, das die FFA im Verhältnis der Dezemberzahlen von 2019 und 2021 ermittelte - und dem zwar immer noch gehörigen, aber unter den gegebenen Umständen doch ermutigenden Abstand von gut 36 Prozent, der insgesamt zwischen den Besucherzahlen für die zweiten Halbjahre 2019 und 2021 klaffte. Denn für das erste Quartal 2019 hatte die FFA einst 30,1 Mio. Besucher gezählt - also rund das Doppelte dessen, was in der Filmsource-Auswertung bis einschließlich 3. April 2022 erfasst wurde.

Besonders spannend wird natürlich der Blick auf die Geschäftsentwicklung in den kommenden Wochen sein - denn bekanntermaßen sind in den allermeisten Bundesländern zum 3. April die meisten Corona-Restriktionen gefallen. Zwar konnten sich diese Lockerungen am vergangenen Wochenende nur an einem einzigen Tag auswirken, immerhin aber gelang den Kinos pünktlich zum Abschluss des Quartals die Rückkehr zu siebenstelligen Gesamtbesucherzahlen (rund 1,14 Mio.). Gestützt wurde diese Entwicklung natürlich vom vorübergehenden Wintereinbruch, der auf ein Wochenende mit teils geradezu frühsommerlichen Temperaturen und entsprechend schlechten Zahlen gefolgt war - gelitten hatten nicht zuletzt die Neustarts der entsprechenden Woche. Nun aber glänzten die Bestandstitel durch die Bank mit extrem guten Holds, bei den Familienfilmen gab es sogar teils sensationelle Zuwächse zu vermelden: "Die Häschenschule - Der große Eierklau" legte um über 170 Prozent zu, bei "Die Gangster Gang" waren es fast 50 Prozent.

Damit aber schon einmal vorab kurz zu Highlights des ersten Quartals: Immerhin vier Besuchermillionäre brachten die Neustarts unter weiterhin erschwerten Bedingungen hervor, darunter einen deutschen. Aktuell meistgesehener Neustart 2021 ist The Batman" mit über 1,4 Mio. Besuchern, auch Wunderschön", Uncharted" und Sing - Die Show Deines Lebens" bewegen sich allesamt um die Marke von 1,4 Mio. Besuchern - alle diese Filme fanden sich zudem zuletzt noch in den Top 20, die drei erstgenannten sogar unter den Top 10. Mit Abstand erfolgreichster Titel 2022 war unterdessen Spider-Man: No Way Home", der alleine in diesem Jahr fast zwei Mio. Besucher zu seinem beeindrucken Gesamtergebnis von über 4,5 Mio. verkauften Tickets beisteuerte.

Beim Umsatz sieht der Vergleich zwischen den ersten Quartalen 2019 und 2022 übrigens ein klein wenig freundlicher aus als bei den Besuchern. So steht die Filmsource-Zählung von Comscore mit Abschluss des vergangenen Wochenendes bei gut 132 Mio. Euro, 2019 hatte die FFA gut 252,7 Mio. Euro gezählt.

Etwas getrübt wird die Gesamtbilanz nach wie vor dadurch, dass die Filmsource-Erfassung geöffneter regulärer Kinos beharrlich bei unter 90 Prozent liegt. Auch unter Berücksichtigung von Nachmeldungen zeigt die Statistik, dass längst nicht wieder alle Kinos am Start sind, prozentual betrachtet gilt dies natürlich vor allem für Mecklenburg-Vorpommern, wo die Corona-Maßnahmen unter Ausnutzung der Hotspot-Regel flächendeckend verlängert wurden. Und auch wenn der Kinobestand laut FFA-Statistik bis zum Ende des vergangenen Jahres weitgehend stabil blieb, kam es in den vergangenen Monaten doch wiederholt zu dauerhaften Betriebsaufgaben, erst heute wurde bekannt, dass der Donauwörther Cinedrom zum Ende des Monats den Betrieb einstellt. Nicht umsonst herrscht in Kinokreisen Enttäuschung darüber, dass Forderungen nach Verstetigung und Ausbau des "Zukunftsprogramms Kino" keine Berücksichtigung im aktuellen Entwurf für den Bundeshaushalt fanden.

Wie sehr die erst am Sonntag beendeten Maßnahmen übrigens selbst noch am vergangenen Wochenende auf die Gesamtbilanz drückten, lässt der Vergleich mit Österreich zumindest grob erahnen: Dort gelang den Kinos ein Ergebnis, das über einem mittleren Vergleichswochenende der Jahre vor Corona lag - hierzulande fehlten noch rund 27 Prozent...