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Black Mary Films: Appetit aufs Produzieren

Maria Kempken und Joachim Weiler von Black Mary Films erinnern an den schon 2017 begonnen habenden Weg der Web-Comedy "einfach Maria", die heute am 21. März im MDR startet und ein Jahr lang in der ARD-Mediathek zu finden ist.

21.03.2022 08:18 • von Michael Müller
V.l.: Wolfgang Zarnack, Maria Kempken und Anastasija Bräuniger in "einfach Maria" (Bild: Leonard Frederic Caspari)

Normalerweise wird nie richtig in Filmen und Serien gegessen. Für gewöhnlich sitzen die Menschen vor der Kamera beisammen, drehen Nudeln mit ihren Gabeln, schaufeln sich die Löffel voll, heben diese an und lassen sie lustvoll kreisen, um dann im entscheidenden Moment doch in der Luft hängen zu bleiben, um noch einen ganz gewichtigen Satz im Dialog beizusteuern. In der Serie "einfach Maria" dagegen, welche die aus Daily Soaps wie "Alles was zählt" und "Unter uns" bekannte Schauspielerin Maria Kempken und der Produzent Joachim Weiler erdachten, wird richtig vor der Kamera geschlemmt. Um den Frust herunterzuspülen, isst da etwa die Titelfigur, die Maria Kempken selbst spielt, mit alten und neuen Freunden leidenschaftlich Donuts in deren Wohnung. Diese werden nicht nur zum Mund geführt, sondern regelrecht verspeist. Mit diesem Appetit haben sich auch die beiden Macher auf das Projekt gestürzt, was nun einen längeren Weg hinter sich hat.

Die erste Idee dazu hatten die beiden bei einem freundschaftlichen Wiedersehen in einem Café schon im Jahr 2017. Es geht in der ursprünglich für das Internet konzipierten Serie, die aus kleinen mehrminütigen Kapiteln besteht, interessanterweise nicht nur um eine Titelfigur, die den selben Vornamen wie Maria Kempken trägt, sondern auch Schauspielerin ist und von Köln nach Leipzig zurückzieht, um einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Am 21. März feiert das Comedy-Format "einfach Maria" über die kleinen und großen Lebenskrisen der Protagonistin und deren Suche nach der großen Liebe die Fernsehpremiere im MDR um 23.10 Uhr, um dann ein ganzes Jahr in die ARD-Mediathek zu kommen. Los ging es aber ursprünglich einmal auf Facebook Watch im Internet. Am 14. Februar 2019 lief die Weltpremiere des Formats auf dem sozialen Netzwerk. "Ursprünglich war ein klassisches YouTube-Format angedacht. Aber das Marketing-Team, das sich viel Zusatz-Content ausdachte, hatte die Kampagne auf Facebook ausgelegt", erinnert sich Maria Kempken im Blickpunkt:Film-Interview. Heute, also drei Jahre später, funktioniere die Internetwelt schon wieder anders. "Damals war aber klar, dass wir, wenn wir im Facebook-Kosmos bleiben, deutlich mehr Menschen erreichen können." Als YouTube-Video und somit externer Link wären die einzelnen Episoden aufgrund des Facebook-Algorithmus im sozialen Netzwerk heruntergestuft worden. "Bei den einzelnen Episoden lagen wir zwischen 20.000 bis 25.000 Klicks, insgesamt stehen die Zahlen bei rund 270.000 Klicks", fasst Kempken den damaligen Erfolg zusammen. "2019 fand im digitalen Raum auch noch nicht so viel Fiction statt. Es gab bei Joyn ein paar wenige Formate und natürlich funk. Aber das war es auch." Produzent Joachim Weiler ergänzt: "Wir waren damals mit den Zahlen überglücklich. Mit einer Webserie so viele Klicks zu erreichen, die mit einer Idee im Café entstand, war toll."

Die beiden kennen sich noch aus der Zeit, als Weiler 2007 für einen Teaser castete. Daraus entstand der Kurzfilm "Atemlos", der beim Filmfestival Max Ophüls Preis Premiere feierte. Das wiederum führte zu einer Freundschaft, die sie am Frühstückstisch für die Serienidee zu "einfach Maria" noch mehr zusammen brachte. Vergangenes Jahr gründeten sie die Produktionsfirma Black Mary Films in Leipzig. "Wir haben herum gesponnen, was man mal wieder zusammen machen könnte. Diese kleine Idee wurde immer größer und größer. Mit Joachim habe ich auch die Hauptfiguren vor der Drehbuchphase ausgearbeitet", erzählt Kempken, die dann die Drehbücher zu "einfach Maria" mit einem Co-Autor verfasste. Als dritten Partner holten sie sich für die Webserie Simon Halbmann mit ins Boot. Joachim Weiler studierte parallel bei der Filmakademie Baden-Württemberg Serien Producing. "Als wir schon den Cast besetzt hatten, konnte wir auch die Filmakademie als Partner gewinnen. Das half uns, noch hochwertiger zu produzieren, weil die Filmakademie eine fantastische Infrastruktur hat und uns die komplette Beistellung gab", sagt Weiler. "Wir hatten Vorbild-Serien wie "New Girl" wegen der superschönen Hauptfigur. Weil wir zuerst mit der Serie als YouTube-Format dachten, gab es die Referenz "Modern Family" durch die Interview-Situation in die Kamera", sagt Kempken über die eigene Serie, in der die Protagonisten immer wieder zwischendrin direkt in die Kamera sprechen und die Situation ironisch kommentieren. Für ein so selbstständig aus dem Boden gestampftes Serienprojekt spielen neben Kempken bekanntere Gesichter wie Lukas Sauer ("Unter uns") oder Marc Schöttner ("Alles was zählt") mit. Eine kleine Entdeckung ist im Cast auf jeden Fall Anastasija Bräuniger, die Marias etwas nerdigere Nachbarin spielt, die den ehemaligen Fernsehstar nur zu gut aus dem Fernsehen kennt. "einfach Maria" reißt als Webserie viele Szenerien nur an und überlässt dem Publikum und der Fantasie die Ausformulierung der Situationen.

Dass die Figuren wiederholt direkt in die Kamera sprechen, gehörte zum Grundkonzept. "Bei der Entwicklung der Bücher habe ich auch ein bisschen an die Umsetzung gedacht und dass wir nur reduzierte Mittel zur Verfügung haben werden. So wenige Settings wie möglich, war ein Hintergedanke. Uns war am Anfang auch überhaupt nicht klar, dass am Ende mehr als 120 Leute an der Produktion mitwirken würden", erzählt Kempken. "Umso mehr Bücher geschrieben waren, umso mehr Menschen fanden sich im Verbund ein", ergänzt Weiler. Der Hauptteil der Finanzierung habe auch deshalb funktioniert, weil viele Menschen unterstützten und an die Serie glaubten. "Hinter dem Serienprojekt stand natürlich schon auch der Gedanke, wie ich mehr Sichtbarkeit bekomme", erklärt Kempken. "Darum sollte es Schauspielern immer auch gehen. Es ging ebenso darum, selbstbestimmt etwas zu machen, worauf man auch viel Lust hat, weil es von einem selber kommt. Nicht immer nur vorgelegt bekommen, sondern selbst etwas schreiben." Über den damals nicht abzuschätzenden Aufwand der Produktion gesteht sie: "Wenn ich am Anfang gewusst hätte, was das am Ende für Arbeit bedeutet, hätte ich mir das vielleicht nochmal überlegt. Wenn man nur Schauspielerin ist, ist es eigentlich am einfachsten. Wenn man aber eine Serie von Anfang bis Ende leitet, ist es ein viel größerer Arbeitsaufwand." Kempken liebte aber bei der Produktion, die Figuren und Geschichten mitentwickeln zu können, die dann bei der ersten Leseprobe von den Schauspielern zum Leben erweckt wurden. "Irgendwann ging es gar nicht mehr um mich als Schauspielerin. Ich hatte auch eine Phase, wo ich sagte, die Maria muss jemand anderes spielen." Mit der gemeinsam gegründeten Produktionsfirma Black Mary Films, deren Name einen weit zurückreichenden filmgeschichtlichen Hintergrund hat, wurden sie 2021 auch Teil der MDM-Gründerinitiative Mediastart.

"In diesem Zusammenhang habe ich die Nähe zum MDR gesucht, weil ich immer produzentischer arbeite und der MDR mein Home-Sender ist", erklärt Kempken die Verbindung, die letztlich jetzt zur MDR-Ausstrahlung der Webserie führte. "Sie haben es sich angeschaut und gesagt, dass sie gerne einen Lizenzeinkauf machen würden. Kempken und Weiler war es dabei wichtig, dass das Format nicht nur im MDR läuft, sondern jetzt auch ein Jahr in der ARD-Mediathek zu finden ist. "Da war der MDR auch sehr entgegenkommend, weil eingekaufte Formate normalerweise deutlich kürzer in der Mediathek stehen. Wir sagten aber von Anfang an, dass wir eine Webserie sind und das ist auch genau das, wo wir hinwollen", führt Weiler aus. Der Lizenzeinkauf sei nicht exklusiv. Das Format könnte also rein theoretisch auch noch woanders ausgestrahlt werden.

"Bei dieser Entscheidung stand das Geld nicht im Vordergrund. Es würde auch nie die Produktionskosten wieder reinholen, was bei einem nicht exklusiven Lizenzeinkauf bezahlt wird. Für uns ist es toll und wichtig, dass die Serie eine Fernsehausstrahlung bekommt, aber auch bei der ARD-Mediathek zu finden ist. Das steht für uns im Vordergrund", sagt Weiler. Black Mary Films arbeitet derweil schon an der Entwicklung der nächsten Projekte. "Der Fokus der Firma liegt aktuell auf Stoffentwicklung und seriellen Formaten", sagt Kempken. "Wir arbeiten gerade an der neuen Serie "Radical Honesty", die noch in der Entwicklungsphase ist. Wir sind auch Koproduzenten eines deutsch-norwegischen Studentenabschlussfilmes. Und wir haben jetzt auch mit der FFP New Media Köln eine Satelliten-Kooperation, über die wir gemeinsam an Stoffen arbeiten", erklärt Weiler. Kempken, deren Gesicht immer noch als Schauspielerin bekannter ist, sagt zu diesen Projekten deutlich: "Ich sehe mich auch ganz klar mehr auf der anderen Seite der Kamera. Ich bin nach wie vor hauptberuflich Schauspielerin für Theater, Film und Fernsehen. Das werde ich mir auch nicht nehmen lassen. Aber bei unseren Serienentwicklung steht mein Schauspiel dabei nicht im Vordergrund, weil ich auch merke, dass ich das ganz klar trennen muss." Jetzt freuen sich Kempken und Weiler auf den Start von "einfach Maria" beim MDR und in der ARD-Mediathek. Wenn die Abrufzahlen gut seien, hätten die beiden auf jeden Fall Lust auf eine zweite Staffel.

Michael Müller