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REVIEW STREAMING: "Rot" von Pixar

Zum dritten Mal in Folge startet mit "Rot" ein neuer Film von Pixar nicht im Kino, sondern direkt auf der Streamingplattform Disney+. Wir haben uns den 25. Langfilm des Animations-Hauses, mit dem Domee Shi ihr Regiedebüt gibt, vorab angesehen. Lesen Sie hier unsere Besprechung.

07.03.2022 15:04 • von Thomas Schultze
Rot sehen: Ein Mädchen wird mit einem Familienfluch konfrontiert (Bild: Disney+)

Zum dritten Mal in Folge startet mit Rot" ein neuer Film von Pixar nicht im Kino, sondern direkt auf der Streamingplattform Disney+. Wir haben uns den 25. Langfilm des Animations-Hauses, mit dem Domee Shi ihr Regiedebüt gibt, vorab angesehen. Lesen Sie hier unsere Besprechung.

Pixar lässt den Nachwuchs ran. Nachdem im vergangenen Jahr Enrico Casarosa mit seinem bezaubernden Luca" debütieren durfte, erhält nun Domee Shi die Gelegenheit, als Regisseurin eines Langfilms zu reüssieren. Wie Casarosa hatte die 1989 geborene, chinesisch-kanadische Storyboardzeichnerin sich zunächst mit einem Kurzfilm die nötigen Meriten verdient: "Bao" war 2018 vor Die Unglaublichen 2" zu sehen, die anrührende Geschichte einer Chinesin in Kanada, deren unerfülltes Leben einen Sinn erhält, als einer ihrer Baozi zu Leben erwacht und zu einem jungen Mann heranwächst. Jene gedämpften Hefeklöße spielen auch in "Rot" wieder eine Rolle, der auf seine Weise versucht, chinesische Tradition und das moderne Leben in einem Land fern der Heimat unter einen Hut zu bringen, zunächst als Zusammenprall unvereinbar scheinender Weltanschauungen, dann als Geschichte der Zusammenführung: Man muss seine Wurzeln nicht abtrennen, um vorwärtsgewandt im Hier und Jetzt einer westlichen Metropole zu leben.

Anders als "Luca" im vergangenen Jahr, den Enrico Casarosa auf seinen Kurzfilm "La Luna" hatte folgen lassen, ist "Rot" trotz vieler amüsanter und anrührender Momente indes nicht so recht gelungen. Viel zu viel lädt sich der Film auf die Schultern, zu bemüht in der Erzählung und oftmals zu schrill in der Umsetzung entfaltet sich die Geschichte des ungelenken 13-jährigen Mädchens Mei Lee in Toronto, das es seiner um korrekte Einhaltung der Traditionen bemühten Mutter Recht machen will, aber insgeheim mit ihrer Außenseiterbande von vier Freundinnen anfängt, vom anderen (oder gleichen) Geschlecht zu träumen, und sich auf ein Konzert der angehimmelten K-Pop-Band 4*Town freut - was man als Teenager im Westen und vermutlich auch dem Rest der Welt so macht. Es ist kein leichtes Alter. Besonders schwer ist es, wenn man eines Tages aufwacht und feststellt, sich in einen riesigen roten Panda verwandelt zu haben. Das kann man lesen als Wirren der Pubertät, Gefühl der Entfremdung, eine Fremde im eigenen Körper zu sein, aber eben auch als Ruf und Zwang der Tradition - ein Familienfluch, der bekämpft oder eben umarmt sein will.

Die Prämisse der legendären Serie "Freaks and Geeks" trifft auf die Sagenwelt des alten China, gefälliger Anhimmelpop auf asiatische Monstermovies, alles etwas angestrengt und/oder hektisch zurechtgebürstet für die Generation TikTok. Dem Film geht es wie seiner Heldin: Er sucht nach seinem Zentrum, was nicht ganz einfach ist, wenn der Plot gefühlt in jeder zweiten Szene einen neuen Haken schlägt und sich mehr aufbürdet, als er tragen kann. Encanto" von den Kollegen von Disney-Animation, noch so ein Film mit bebrillter Heldin mit Familiengeheimnis, hat eine ganz ähnliche Geschichte letzthin besser und souveräner erzählt. Einen schlechten Pixar-Film gibt es nicht, wie wir wissen. Einen weniger gelungenen Pixar-Film allerdings schon. In diese kleine Gruppe reiht "Rot" sich ein, neben Die Monster Uni", "Cars 2 & 3" und Onward", wenn er ab 11. März bei Disney+ Premiere feiern wird, als dritter Pixar-Film in Folge. Freuen wir uns auf Pixar-Film Nummer 26, Lightyear", der seine volle Pracht im Sommer auf der großen Leinwand entfalten wird. Wo er hingehört.

Thomas Schultze