Kino

Kino-Neustart: Noch kein Befreiungsschlag

Mit tollen Zahlen hat das Meisterwerk "The Batman" erwartungsgemäß die deutschen Kinocharts erobert. Warum man die Gesamtbilanz des Wochenendes dennoch nicht mit Zufriedenheit betrachten kann, lesen Sie hier.

07.03.2022 13:50 • von Marc Mensch
"The Batman" schlug auch in den deutschen Kinos ein (Bild: Warner)

Selbstverständlich war auch das vergangene Kinowochenende weit von jeglicher Normalität entfernt. Die Pandemie ist beileibe nicht vorbei (tatsächlich stieg die bundesweite Inzidenz zuletzt wieder), Putins Angriff auf die Ukraine dürfte nicht ganz ohne Folgen für das Freizeitverhalten der Deutschen geblieben sein, denen alleine schon die dramatisch steigenden Energiepreise derzeit womöglich ein wenig die Lust am Konsum nehmen. Auf der anderen Seite markierte der 4. März in den meisten Bundesländern durchaus nennenswerte Lockerungen der Corona-Restriktionen, gleichzeitig profitierte das Kinogeschäft von den Faschingsferien in Bayern - was sich übrigens auch unmittelbar im Länderranking ablesen lässt, wo Bayern erstmals seit Langem wieder an der Spitze nach dem prozentualen Abstand zum schwächsten Vergleichswochenende der fünf Jahre vor Corona (171 Prozent, bei einem bundesweiten Schnitt von 151 Prozent für die geöffneten regulären Kinos) liegt. Allerdings waren die Lockerungen zum 4. März durchaus ein zweischneidiges Schwert für das Kino - bedeuteten sie doch in vielen Fällen auch die Wiedereröffnung von Clubs und Diskotheken, was dem Vernehmen nach zumindest in Einzelfällen durchaus zu "Nachholeffekten" führte.

Kurz gesagt: Die Gemengelage an äußerlichen Faktoren, die potenziell Einfluss auf die Kinoergebnisse haben, war am Wochenende wohl noch ein wenig komplexer als sonst. Aber sind wir ehrlich: Besucherzahlen, die am Startwochenende eines Meisterwerks wie The Batman" noch um mehr als ein Drittel (34 Prozent) unter einem mittleren Ergebnis der Vor-Corona-Jahre liegen - damit kann man unter dem Strich wohl kaum zufrieden sein.

Ja, "The Batman" lieferte ab - und das in jeder Hinsicht. Künstlerisch ist der Film ein Triumph - und das Startergebnis von fast 460.000 Besuchern (inklusive Mittwochszahlen) mag zwar ein gutes Stück von den Fabelzahlen eines The Dark Knight" oder The Dark Knight Rises" entfernt sein. Aber erinnern wir uns: Angestoßen wurden diese beiden Blockbuster mit dem Reboot Batman Begins" - und dessen Startzahlen konnte das neuerliche Reboot nun mehr als verdoppeln. Das bislang stärkste Debüt des Jahres ist es ohnehin - und während der Pandemie waren nur drei Filme stärker aus den Startblöcken gekommen.

Wobei die beste Nachricht im Zusammenhang mit dem DC-Meisterwerk womöglich ohnehin aus den USA kommt. Denn dort pulverisierte "The Batman" sämtliche Startzahlen der 2021 von Warner Day&Date in den Stream gebrachten Filme, selbst ein anderes Meisterwerk wie Dune" schaffte mit dieser Release-Strategie über seine komplette Laufzeit hinweg in den USA nicht annähernd das, was der Dunkle Rächer mal eben an einem Wochenende in die Kassen spülte. Die zunächst gemeldeten 128,5 MIo. Dollar waren dabei wohl sogar noch zu niedrig gegriffen, das offizielle Endergebnis liegt vermutlich jenseits der 130 Mio. Dollar. Ein glasklarer Sieg für das Kinofenster. Und am Rande sei bemerkt: AMC hatte Tickets für "The Batman" gezielt verteuert - offenbar ohne negative Konsequenzen.

Ein Problem an einem Wochenende, an dem zumindest wieder siebenstellige Gesamtbesucherzahlen (1,04 Mio. ohne Previews laut Filmsource-Auswertung von Comscore) geschrieben wurden, war natürlich, dass "The Batman" kein weiterer großer Neuling zur Seite stand. Von den letztwöchigen Debütanten hielt sich nur Belfast" (mit einer stark überdurchschnittlich stabilen Entwicklung, der Film gab nur 18 Prozent seiner Besucher ab) in den Top 10, der zweiterfolgreichste "Neustart" in dieser Woche war mit gut 6000 Besuchern die Wiederaufführung des zeitlosen Klassikers Der Pate" auf Rang 15. Cyrano" und The Card Counter" schafften noch fünfstellige Besucherzahlen, ebenso wie die Aufzeichnung von "Schwanensee" aus dem Bolshoi. Etliche Kinos hatten sie aus dem Programm genommen (manche diese Entscheidung aber kurzfristig revidiert), andere spendeten die Einnahmen komplett. Fünf der zehn stärksten Neustarts gingen mit dreistelligen Besucherzahlen unter.

Generell sind die Top 20 ein Spiegel der zuletzt über Wochen nur schwach besetzten Startlisten. Denn sie beinhalten zwar gleich vier ausgesprochene Langläufer (Einsätze zwischen aktuell 12. und 21. Woche), aber nur jeweils zwei Filme, die seit 2, 3 oder vier Wochen im Einsatz sind.

Hinzu kam: Mit Ausnahme der Kinder- und Familienfilme, deren Besuchsentwicklung komplett durch die Bank überzeugen konnte, (Sing - Die Show Deines Lebens" gab nur um rund acht Prozent nach, Clifford" und Encanto" nur um fünf; "In 80 Tagen um die Welt" legte um drei Prozent zu, Die Schule der magischen Tiere" in Woche 21 (!) sogar um fast neun Prozent), fielen die Drops höher aus, als man vielleicht hätte hoffen mögen. Am stärksten baute Moonfall" ab, seine Besucherzahlen rutschen um 57 Prozent nach unten, Marry Me" verlor ebenfalls fast 50 Prozent und auch King Richard" enttäuschte schon in der zweiten Woche nach verhaltenem Start mit einem Minus von 46 Prozent.

Besser erging es den Bestandstiteln in den Top 5 auch jenseits des Sing"-Sequels: Uncharted", Wunderschön" und Spider-Man: No Way Home" hielten ihre Drops (teils knapp) unter 30 Prozent, positive Effekte durch die Lockerungen lassen sich daran aber leider auch nicht ablesen.

Immerhin: Mit dem großartigen "Wunderschön" konnte bereits zu Beginn der Woche der erste deutsche Besuchermillionär 2022 gefeiert werden - und fast 90.000 Besucher am fünften Wochenende zeugen davon, dass das Ende der Fahnenstange mit jetzt gut 1,1 Mio. noch lange nicht erreicht ist. "Uncharted" wiederum wird nach zuletzt knapp 185.000 Besuchern noch im Lauf dieser Woche die Besuchermillion voll machen.

Während der österreichische Markt mit knapp 129.000 Besuchern und Gesamtzahlen, die um 28 Prozent unter der mittleren Benchmark lagen, am vergangenen Wochenende mehr oder minder ein Spiegel Deutschlands war, wiesen die Niederlande einmal mehr überdurchschnittlich erfreuliche Resultate auf. Mit rund 450.000 verkauften Tickets lag man nach Besuchern um zehn Prozent über dem mittleren Vergleichswochenende, nach Umsatz sogar um satte 37 Prozent.