Produktion

"Ein ganzes Leben": Ein Kinoprojekt wie kein anderes

"Ein ganzes Leben" von Robert Seethaler war ein weltweiter Bestseller. Nun hat Hans Steinbichler die Verfilmung begonnen, nach einem Drehbuch von Ulrich Limmer; Produktionspartner sind epo-film und die neu gegründete Münchner Dependance der Tobis.

25.02.2022 08:40 • von Thomas Schultze
Stefan Gorski spielt die Hauptrolle in der Seethaler-Verfilmung "Ein ganzes Leben" (Bild: Nicole Giesa / Tobis Film)

"Ein ganzes Leben" von Robert Seethaler war ein weltweiter Bestseller. Nun hat Hans Steinbichler die Verfilmung begonnen, nach einem Drehbuch von Ulrich Limmer; Produktionspartner sind epo-film und die neu gegründete Münchner Dependance der Tobis.

Man hält den Roman von Robert Seethaler in Händen, der ja tatsächlich nicht mehr als ein Büchlein ist mit seinen 185 Seiten und sich trotzdem traut, sich "Ein ganzes Leben" zu nennen, und fragt sich, wie das denn funktionieren soll. Dann fängt man an zu lesen. Und hört nicht mehr auf, bis man durch ist. Eine Reaktion, die weltweit viele Menschen gehabt haben müssen. Allein im deutschsprachigen Raum wurde der fünfte Roman des Österreichers seit seinem Erscheinen im Jahr 2014 mehr als 1,1 Millionen Mal verkauft. Er wurde in 40 Sprachen übersetzt, erhielt zahlreiche deutsche, österreichische und internationale Auszeichnungen und wird in Besprechungen als "Jahrhundertroman" und "kleines literarisches Wunder" beschrieben. In einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung sagte Seethaler seinerzeit: "Jedes Leben reduziert sich auf das pure Dasein, das ist es, was mich interessiert, der Kern des Daseins, wenn es den gäbe. Fast alle Menschen werden einmal mit Krankheit und Tod konfrontiert, haben schreckliche Verluste zu beklagen. Ich wollte immer wissen, wie ein Individuum mit solch einer Herausforderung umgeht. Ich glaube daran, dass man durchgehen kann und muss - und unter Umständen sogar gestärkt aus solchen Ereignissen hervorgeht. Das ist nicht romantisierend, das ist die Vorstellung, die ich habe. Letztlich geht es immer nur um dasselbe - um Überleben, um Liebe und Tod."

Früh waren auch Dieter Pochlatko und Jakob Pochlatko von der Grazer epo-film auf "Ein ganzes Leben" aufmerksam geworden, nachdem sie sich zuvor bereits die Rechte an Seethalers vorangegangenen Bestseller Der Trafikant" gesichert hatten, der 2018 von Nikolaus Leytner mit Simon Morzé und Bruno Ganz in seiner letzten Filmrolle adaptiert wurde. ",Ein ganzes Leben' hat uns in seiner Demut, Größe und Kraft direkt aus der Seele gesprochen", lassen die Pochlatkos wissen. "Umso stolzer sind wir, dass wir nach dieser langen und intensiven Entwicklungszeit ein großartiges Team an kreativen Partnern vor und hinter der Kamera vereinen konnten, um jetzt die filmische Umsetzung dieses Stücks Weltliteratur zu beginnen. Und wir erwarten uns großes Kino, das imstande ist beim Publikum ähnliche Resonanz zu erreichen wie die Vorlage." Die Österreicher waren es, die ein Drehbuch bei Ulrich Limmer in Auftrag gaben, sie holten im Anschluss auch Hans Steinbichler als Regisseur an Bord. Weil es sich um ein massives Filmunterfangen handelt, das ja eben tatsächlich ein ganzes Leben, sieben Jahrzehnte erzählen soll, stand auch von Anfang an fest, dass das Projekt nur mit einem deutschen Produktionspartner möglich sein würde.

Nachdem die zunächst vorgesehene Bavaria Fiction wieder von Bord gehen musste, war mit der Tobis Filmproduktion umgehend ein neuer, engagierter Produktionspartner zur Stelle. Die Tobis hatte als Koproduzent und Verleih bereits "Der Trafikant" mit gutem Erfolg in die Kinos gebracht und stand auch schon als Verleih für "Ein ganzes Leben" fest. Dieser Schritt war entscheidend, damit das Projekt richtig Fahrt aufnehmen konnte. Sich nun auch aktiv an der Herstellung zu beteiligen, war zwingend, findet Timm Oberwelland, der zusammen mit Theo Gringel, Tobias Seiffert und Skady Lis als deutscher Produzent verantwortlich zeichnet: ",Ein ganzes Leben' ist ein Projekt, das wir sehr schätzen. Natürlich kannten wir den Roman von Robert Seethaler, wir sind große Fans. Wir haben unseren Freunden von der epo früh schon signalisiert, dass sie auf uns zukommen sollen, wenn sie bereit sind, nach Partnern für den Verleih und die Produktion zu suchen. Wir freuen uns sehr darauf." Der Stoff erwies sich zudem als ideales Projekt, um die Münchner Dependance von Tobis aus der Taufe zu heben. "Wir sind überzeugt, dass ,Ein ganzes Leben' wie geschaffen ist für die große Leinwand", merkt Oberwelland an, "ein toller, satter Kinostoff mit imposanten Bildern und einer zeitlich relevanten und sehr emotionalen Geschichte - großes Kino eben, gerade weil es ein sehr spezielles und unverkennbares Projekt ist, das sich mit nichts anderem vergleichen lässt. Wir glauben ans Kino! Aber dann muss man auch Filme machen, mit denen das Kino seine ganze Kraft, seine ganze Magie entfalten kann."

Erzählt wird die Lebensgeschichte von Andreas Egger, von seinem vierten Lebensjahr bis zu seinem Tod acht Jahrzehnte später. Ein Leben voller Härten und Entbehrungen ist es, es gibt Gewalt, Krieg, Armut. Aber es gibt eben auch kurze Momente des Glücks und einmal sogar eine große Liebe, die ausreichen, um aus Egger einen Menschen zu machen, der sein Leben liebt. ",Ein ganzes Leben' ist eine universalistische Parabel über das Wesentliche in unserem Leben und hält mit dieser Prämisse unserer rastlosen Leistungsgesellschaft einen Spiegel vor", beschreibt Regisseur Hans Steinbichler den größeren Rahmen. "In Eggers Leben gibt es zwei grundsätzliche Erfahrungen, die sein Dasein prägen: Liebe und Zufriedenheit. Die kurze Zeit seiner großen Liebe wird Egger dann auch durch sein ganzes Leben tragen. Nach dem Verlust dieser Liebe kommt Eggers andere Fähigkeit zur Geltung. Er verlangt vom Leben von nun an nur das, was für ein einfaches Dasein notwendig ist: Er ist - mit anderen Worten - zufrieden. " Auch Drehbuchautor Ulrich Limmer sieht in der Geschichte einen "Gegenentwurf zur heutigen Zeit, wo wir gedrillt sind auf Leistung, auf Erreichen von Zielen, auf Vorhaben, die wir verwirklichen wollen". Der Egger sei einer, sagt er, der eigentlich ein buddhistisches Leben führt, ohne dass er jemals mit dem Begriff Buddhismus in Berührung gekommen wäre; ein in bäuerlichen Verhältnissen unter härtesten Bedingungen aufgewachsener Findling, der sein ganzes Leben in allerhöchster Einsamkeit fristet. "Das größte Schicksal in seinem Leben ist der Verlust seiner geliebten Frau", sagt der Drehbuchautor. Egger zieht in den Krieg, den er so sinnlos erlebt, wie man ihn nur erleben kann. Nach Jahren in russischer Kriegsgefangenschaft kehrt er zurück in eine veränderte Welt und findet dort auch wieder seinen Platz. Er endet am Schluss in einer höhlenartigen Hütte, ohne irgendein Besitztum, ohne etwas in seinem Leben erreicht zu haben.

"Schließlich sagt er sich vor seinem Tod: Wenn ich zurückschaue, dann war es ein glückliches Leben", erklärt Limmer. "Ich finde das unglaublich. Darin bestehen Reiz und Faszinosum dieses Buches, was es wohl auch zu einem Bestseller gemacht hat, einmal abgesehen davon, dass es großartig geschrieben ist. Robert Seethaler hat unglaublich genau gearbeitet, er ist ein feiner Ziselierer von Worten, Personen und Situationen. ,Ein ganzes Leben' ist ein Buch, das seinem Leser wirklich etwas gibt. Man liest es und denkt nach über den eigenen Lebensentwurf. Und man stellt sich die Frage, ob man, wenn es dereinst einmal so weit ist, ebenfalls zurückblickend sagen kann, dass es ein gutes Leben war." Regisseur Hans Steinbichler ist von dieser finalen Erkenntnis nicht minder beeindruckt. "Diese Filmerzählung passt unglaublich gut in unsere Zeit, wo man sich in den Lockdowns gezwungenermaßen auf das besinnen musste, was man hat und was wesentlich ist: Familie, Kinder, Partner und ein Zuhause. Und in dieser vermeintlichen Beschränkung fand man wieder zum Wesentlichen: zur Liebe und zu einer Zufriedenheit mit dem Leben, das einem geschenkt ist. Diese Lebensaufgabe, sich immer wieder der Liebe und der Zufriedenheit mit dem, wer man ist und was man hat, zu besinnen wird in Seethalers Parabel auf die Spitze getrieben", berichtet Steinbichler. "Ganz am Ende schreibt Andreas Egger daher Folgendes auf: 'Ich habe geliebt, und ich habe eine Ahnung davon bekommen, wohin die Liebe führen kann. Ich bin nie in die Verlegenheit gekommen, an Gott zu glauben und der Tod hat mir auch keine Angst gemacht.'" Diese drei Sätze, so Steinbichler, sagten für ihn alles. In ihnen habe Egger zusammengefasst, wie ein ganzes Leben gelingen kann.

Unumwunden gibt Limmer zu, dass es sich bei der Adaption um eine gewaltige Herausforderung gehandelt habe: "Das Buch sperrt sich allen dramaturgischen Regeln. Und ich bin ein großer Anhänger gewisser dramaturgischer Regeln. Ich musste mit meinen eigenen Gewohnheiten brechen, und es war ein Vergnügen, das zu tun." Ein erstaunliches Erlebnis sei es gewesen, fährt er fort: "Weil ich das Buch so hoch schätze, habe ich mir vorgenommen, so nah wie möglich am Originaltext zu bleiben und nur Dinge dahingehend zu verändern, um einen Erzählfluss zu ermöglichen. Das ist verzwickt, weil das Buch fast komplett aus der Sicht seiner Hauptfigur geschrieben ist und es fast niemanden gibt, mit dem er kommuniziert, dem er sich anvertraut. Ich musste also einen Weg finden, seine Innensicht nach außen zu bringen." Im Roman wird erwähnt, dass Egger seiner verstorbenen Frau einen Brief schreibt, den er in der Erde vergräbt. "Das war für mich die Lösung: ihn Briefe schreiben zu lassen, in denen er seine Situation erklärt. So konnte ich sein Innenleben begreiflich machen, es zum Leben erwecken."

Limmer besuchte Robert Seethaler in Berlin und sprach mit ihm durch, ob er mit seinem Ansatz auf dem richtigen Weg sei, ob er den Roman denn auch richtig verstünde. "Das gab mir den Mut, einen Rahmen für die Handlung im Film zu schaffen, den es im Buch nicht gibt: Die Sehnsucht nach der verlorenen Liebe hält den Film wie eine Klammer zusammen. Ein weiteres Treffen mit Robert Seethaler fand statt, nachdem er das fertige Drehbuch gelesen hatte. Limmer wollte explizit von ihm wissen, ob es Stellen gäbe, die so auf keinen Fall so akzeptieren wolle: "Eine Anmerkung hatte er, einen Satz aus dem Munde Eggers, der so zwar auch im Buch steht, der ihm aber in einem Film als zu ausgesprochen wirkte. Also habe ich ihn gestrichen. Seethaler ist ein sehr radikaler Autor, am liebsten wäre es ihm, sagt er, wenn Egger überhaupt nicht sprechen würde. Obwohl er genau das im Buch macht, innerlich wie äußerlich." Für Limmer war es ein Treffen, das erfolgreicher nicht hätte verlaufen können: "Ich war glücklich, weil er glücklich war mit dem Drehbuch. Er fand es prima. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Meine größte Angst war es, dass er mir in die Augen blicken und sagen würde: Du hast den Roman nicht begriffen."

Ulrich Limmer, selbst als Produzent erfahren als langjähriger Geschäftsführer der Collina Film, war eindeutig, als er in einem ganz frühen Stadium mit den Produzenten über die Adaption sprach: "Ich nehme keine produzentischen Rücksichten! Würde ich mit einer Schere im Kopf an die Arbeit rangehen, gingen wichtige Dinge verloren. Der Regisseur und ihr müsst dann später sagen, was geht und was nicht. Ich setze mich jetzt einfach hin und versuche, das bestmögliche Drehbuch zu schreiben, auch wenn mir bewusst ist, dass ich schlaflose Nächte hätte, wenn ich es später als Produzent umsetzen müsste." Ein Film, der mehr als 70 Jahre eines Lebens durchmesse, könne gar nicht anders als aufwändig sein, sagt Limmer. Alleine die Lawine, von der Eggers Hütte mitgerissen wird, ist ein logistischer Albtraum: "Zu der Zeit hatte ich meine Nichte besucht, die in Innsbruck am Berg wohnt. Da war gerade eine Lawine abgegangen. Die Schneise, die die Schneemassen gerissen hatten, war unfassbar. Diese schiere Naturgewalt muss man filmisch erst einmal umsetzen." Hans Steinbichler ficht das nicht an. Er geht - gemeinsam mit dem Team - bestens vorbereitet in den Dreh. Zusammen mit seinem DoP Armin Franzen (mit dem Steinbichler 2021 die dritte Staffel von "Das Boot" gemacht hat) hat er 80 Prozent aller Winterbilder mit Storyboards nach exakten Location-Fotografien und mit einer Shootingorder vorbereitet. Anders wäre die hochkomplexe Winterlogistik im Schnee auf über 2000 Meter gar nicht möglich gewesen. Steinbichlers Zielsetzung für den Kinofilm "Ein ganzes Leben" ist klar: "Ich möchte einen Film machen, in dem die Menschen, die den Roman kennen und lieben, das Buch sofort wiedererkennen und wenig vermissen. Gleichzeitig aber sollen die Menschen, die die Vorlage nicht kennen, ein überwältigendes Kinoerlebnis haben, das den Blick auf die Welt und das eigene Leben für einen Moment verändert oder gar ins Wanken bringt."

Steinbichler hat eine enge Verbindung zur Arbeit von Robert Seethaler. 2008 hatte er für das ZDF "Die zweite Frau" mit Monica Bleibtreu und Matthias Brandt nach einem Drehbuch des in Wien und Berlin lebenden Österreichers gedreht, aus dem dieser dann seinen zweiten Roman "Die weiteren Aussichten" entwickelte. Schon bei der Veröffentlichung war Steinbichler natürlich auf "Ein ganzes Leben" aufmerksam geworden. "Ich war hinter diesem Buch her, wie der Teufel hinter dem Weihwasser...", lacht er. Zunächst schien es unmöglich, weil ihm gesagt wurde, das müsse ein Österreicher verfilmen. "Dabei habe ich dieses Buch so lange schon so geliebt und so gewollt, dass Markus Zimmer, der damals noch bei der Bavaria war, mir zusicherte, dass er sich melden würde, wenn sich an der Festlegung auf eine österreichische Regie noch einmal etwas ändern würde. Eines Tages erhielt ich den Anruf: Stell dir vor! Jetzt geht's! Für mich ist es ein unfassbares Geschenk, diese Geschichte erzählen zu können. Es gibt Stoffe, die mit anderen vergleichbar sind. Aber dieser Stoff? Der ähnelt nichts anderem. ,Ein ganzes Leben' ist ein Stand-Alone-Project..." Der Regisseur beschreibt den Roman aufgrund seiner Kürze und Knappheit als "den Smart unter den großen Romanen - ein Buch, maximiert zum Minimum. In dem Roman steckt alles drin, was man sich nur wünschen kann. Interessant für uns wird sein, wie man das alles fassen kann. Es wird darauf ankommen, die Essenz zu erfassen, die richtige Visualität zu finden, weil auch unser Film nicht mehr als 100 Minuten langwerden und doch das Kaleidoskop eines Jahrhunderts sein soll."

Vor allem lobt Steinbichler das Drehbuch von Ulrich Limmer: "Zwei Dinge gibt es für mich, die das Drehbuch auszeichnen. Erstens: Man liest es, und es ist kenntlich der Roman ,Ein ganzes Leben'. Für mich ist das verblüffend. Seethaler durchmisst in zwei Sätzen sechs Jahre. Wie will man das in einen Film übersetzen? Ulrich Limmer ist es gelungen. Alle, die das Drehbuch gelesen haben, stimmen mir zu: Es ist unheimlich schön, unheimlich einfach. Und zweitens: Seethaler lässt die Menschen in einer Sprache sprechen, die nicht bäuerlich oder regional ist, sondern eine essayistische Qualität hat, als hätte Franz Xaver Kroetz die Dialoge geschrieben." Limmer wiederum spart nicht an Lob für den Regisseur. Es war eine sehr erfreuliche Zusammenarbeit, getragen von gegenseitigem hohem Respekt", merkt er an. "Hans Steinbichler sprach mich auf einer Premiere an, da wusste ich noch gar nicht, dass ihm das Drehbuch zugeschickt worden war, und sagte zu mir, wie ausgesprochen gut es ihm gefalle. Alle waren hochzufrieden damit." Auch Timm Oberwelland weiß, dass mit Hans Steinbichler der richtige Mann für die Regie gefunden wurde: "Er war schon bei der Vorbereitung ungemein engagiert und absolut überzeugend, und das hat sich jetzt auch bei den ersten Drehtagen bestätigt."

Gedreht wird "Ein ganzes Leben" in zwei Blöcken. Der Startschuss für den zehn Tage umfassenden Winterdreh fiel am 8. Februar; im Sommer wird ein umfassender zweiter Block folgen, in dem die Szenen umgesetzt werden, die in der Geschichte im Sommer und im Herbst spielen. "Der Film könnte nicht funktionieren, wenn wir ihn nicht in mindestens drei Jahreszeiten spielen lassen", erklärt Hans Steinbichler. "Da wir in Osttirol drehen, finden wir den Winter in ganz verschiedenen Stadien vor. Eggers Hütte liegt auf 2000 Meter, ein anderer Schauplatz liegt auf 1000 Meter. Damit lassen sich gleichzeitig verschiedene Jahreszeiten überzeugend abdecken. Wenn wir dann im Mai zur Fortsetzung des Drehs zurückkehren, herrscht zwar im Grunde noch der Bergwinter, wir können dann aber schon den Frühling und den Sommer über die verschiedenen Höhenlagen abdecken. Nur bei dem einen wichtigen Drehtag, der im Herbst spielen wird, werden wir ein bisschen faken müssen."

Die Hauptrolle des Andreas Egger wird von insgesamt drei Darstellern gespielt. Von 18 bis 47 Jahren, also quasi als beinahe alleiniger Protagonist, wird Egger von dem bislang völlig unbekannten Wiener Schauspieler Stefan Gorski verkörpert, den Steinbichler schon vor eineinhalb Jahren gemeinsam mit der Casterin Nicole Schmied in Wien in einem umfangreichen Casting fand. "Die epo und ich waren uns einig, dass die Jahrhundertfigur Egger von jemanden gespielt werden muss, den man im Prinzip noch nie gesehen hat und der durch seine Physis in der Lage ist, Egger zwischen dem jungen Burschen von 18 Jahren und dem völlig zerstörten Russland-Heimkehrer von 47 Jahren zu spielen." Steinbichler weiter: "In Stefan Gorski, das zeigen die Muster des Winterdrehs, haben wir einen Protagonisten gefunden, der mit seinem Terrence-Malick-Faktor das Gesicht dieses Films sein wird und damit für einen Charakter und die Besonderheit einer filmischen Figur steht, die für mein Gefühl so noch nicht erzählt worden ist." Danach, von ca. 60 bis 80 Jahren, wird Egger von August Zirner gespielt, der im Kino zuletzt in Was uns nicht umbringt" und Wackersdorf" zu sehen war. Dazu kommt der elfjährige Ivan Gustafik, der den Egger als Knaben spielt. Zudem stehen vor der Kamera von Armin Franzen das Who's Who österreichischer Schauspieler wie Andreas Lust (Und morgen die ganze Welt", Die Ibiza Affäre"), Julia Franz Richter ("Undine"), Maria Hofstätter (Paradies: Glaube") sowie Robert Stadlober, der jüngst in "Das Boot" und Leberkäsjunkie" zu sehen war.

Hans Steinbichler und Armin Franzen beschäftigten sich über Monate in vielen Tests mit der Visualität von "Ein ganzes Leben". Die Entscheidung für Full-Format mit den Anamorphoten von Cook war dann die Entscheidung, welchen Weg dieser Film im Ausdruck gehen würde. Dazu Armin Franzen: "Um ein starkes Bildnis unserer Charaktere in der atemberaubenden Naturgewalt der Berge zu kreieren, ist es uns sehr wichtig, mit einem charaktervollen In-Camera-Look zu arbeiten. Ein Look, der nicht in der Postproduktion entsteht und unsere Wahrnehmung unmittelbar im Moment des Machens sensibilisiert und verändert. Eine Symbiose aus Historie und Jetzigkeit, die die Zeitlosigkeit des Romans transportiert." Das Budget liegt bei rund siebeneinhalb Mio. Euro. Von deutscher Seite wurde der Film gefördert von FFF Bayern, dem DFFF und der FFA; von österreichischer Seite sind dabei das ÖFI (Drehbuchentwicklung, Herstellungsförderung), der ORF, FISA und CineTirol, ferner IDM Südtirol. Tobis ist mit einer All-Rights-Garantie dabei. Abschließend sagt Tobis-Produzent Theo Gringel: "Es wird kein besonders dialoglastiger Film werden, er teilt sich durch große Bilder mit und entfacht eine ganz besondere Emotionalität. Wir glauben auch, dass der Film gerade durch die Inszenierung von Hans Steinbichler mit beiden Beinen im Hier und Jetzt stehen wird. Er bildet nicht einfach nur das schwere Leben dieses Egger ab, sondern reflektiert in dieser Lebensgeschichte die Fragen unseres heutigen Lebens." Gerade in der Coronazeit hätten sich die Menschen viele elementare Fragen gestellt, worin der Sinn und die Bedeutung eines Lebens liegen könne, warum wir so unzufrieden sind und nach immer mehr streben. ",Ein ganzes Leben' stellt sich diesen Fragen: Dieser Mann lebt und findet in den wenigen Momenten des Glücks, die ihm widerfahren, eine größere Zufriedenheit und Erfüllung als die meisten Menschen in unserer Gesellschaft in ihrem ganzen Leben. Das ist die Botschaft des Buches. Und ich glaube, das werden wir auch im Film sehr gut umsetzen können."

Thomas Schultze