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Arte-Filmchefin Claudia Tronnier: "Stärkere Vernetzung von TV und Web"

Gut ein Jahr ist Claudia Tronnier jetzt Arte-Filmchefin. Sie spricht im exklusiven Blickpunkt:Film-Interview über das schnelle Wachstum von Web-Only-Formaten, ihr neue Arbeitsfeld Lizenzeinkauf, Kino, Förderung von Regisseurinnen und das baldige 30-jährige Arte-Jubiläum.

04.02.2022 10:32 • von Michael Müller
Seit dem 1. Januar 2021 ist Claudia Tronnier neue Leiterin der Hauptabteilung Spielfilm Fernsehfilm bei Arte (Bild: ZDF/Ulrike Lenz)

Ein bisschen mehr als ein Jahr ist Claudia Tronnier jetzt Arte-Filmchefin. Sie spricht im exklusiven Blickpunkt:Film-Interview über das schnelle Wachstum von Web-Only-Formaten, das neue Arbeitsfeld Lizenzeinkauf, Kino, Förderung von Regisseurinnen und das baldige 30-jährige Arte-Jubiläum.

Seit rund einem Jahr sind Sie jetzt Leiterin der Hauptabteilung Spielfilm/Fernsehfilm bei Arte. Worin liegt der Hauptunterschied zur vorherigen Tätigkeit als Leiterin des Kleinen Fernsehspiels beim ZDF?

CLAUDIA TRONNIER: Zum einen ist die Bandbreite enorm viel größer, weil das jetzt eine Verantwortung für eine große Anzahl von Sendeplätzen und Programmstunden ist. Da sind viele Filmankäufe vom klassischen Kino dabei, gerade für Sonntag und Montag, aber auch für das aktuelle Kino am Mittwoch. Es geht nicht nur um den Filmnachwuchs, den wir beim Kleinen Fernsehspiel fast ausschließlich fördern. Bei Arte ist das zwar jetzt immer noch ein Bereich, aber ein im Vergleich mit allen anderen Bereichen relativ kleiner. Deutsche Nachwuchsfilme laufen hier häufig am Freitag in der Primetime auf dem eigentlichen TV-Film-Sendeplatz oder am Mittwoch bei Cinéma Découverte, wenn sie etwas experimenteller sind. Das freut mich auch sehr, dass Arte diese Nachwuchsfilme kräftig unterstützt und ich meine Kontakte zu den Redakteur*innen der Landesrundfunkanstalten der ARD noch ausweiten konnte, die den Filmnachwuchs fördern. Das ist eine schöne Erweiterung der Möglichkeiten.

Welche Ziele und Pläne haben Sie sich als Arte-Filmchefin gesetzt?

CLAUDIA TRONNIER: Ich habe mir unterschiedliche Ziele gesetzt. Wenn man bei Arte anfängt, dauert es eine Weile, bis man das System verinnerlicht und begriffen hat, weil es komplex ist und man mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammenarbeitet. Das gilt auch für Menschen wie mich, die bereits einige dieser Kontakte bei ARD und ZDF kannte. Ich habe das erste halbe Jahr gebraucht, um mich in dem System auszukennen und die ganzen wichtigen Akteure und Akteurinnen kennenzulernen. Dann galt es auf der Basis dessen zu erkennen, was machbar ist und mit wem man Allianzen schmieden kann. Arte hat im vergangenen Jahr mit dem neuen Direktor Bruno Patino und Peter Weber als seinen Stellvertreter einen Prozess durchlaufen, in den auch alle Hauptredaktionen einbezogen waren, um die neuen großen Linien für die nächsten Jahre zu erarbeiten. Dazu gehört eine stärkere Europäisierung von Arte, eine stärkere Vernetzung vom TV-Programm mit arte.tv und den Drittplattformen. Ein Ziel von mir ist ohnehin auch eine stärkere Vernetzung von TV und Web.

Konnten Sie schon Projekte anstoßen, die Ihnen besonders wichtig sind?

CLAUDIA TRONNIER: Was ich in enger Zusammenarbeit mit dem ZDF und einer dortigen Expertin für das europäische und klassische Kino, Nina Goslar, angestoßen habe, sind ab März die ArteKinoClassics. Da wollen wir das europäische Filmerbe nochmal ganz besonders herausstellen, etwa auch von Regisseurinnen, die in Vergessenheit geraten sind. Diese Filme zu finden, die in sechs europäischen Sprachen untertitelt werden, war ein Projekt, an dem wir stark gearbeitet haben. Wir starten am 21. März im TV mit "La Strada", haben aber auch einen deutschen Film wie "Solo Sunny" von Konrad Wolf dabei. Gleichzeitig haben wir Filme aus den unterschiedlichen Ländern als Web-Only, die teilweise sehr überraschend sind wie der britische Frauengefängnisfilm "Scrubbers" von Mai Zetterling, der frisch und wie ein Vorläufer der Serie "Orange Is the New Black" daherkommt. Einen neuen Blick auf das europäische Filmerbe zu werfen, passt sehr gut zu Arte. Insgesamt sind es rund 20 Filme.

Was liegt Ihnen noch am Herzen?

CLAUDIA TRONNIER: Ich habe mir auf die Fahnen geschrieben, den Nachwuchs bei Arte weiter zu fördern. Schon beim Kleinen Fernsehspiel habe ich forciert, darauf zu achten, dass auch viele Regisseurinnen Aufträge bekommen - und nicht nur bei Debütfilmen, wo sich die Lage schon verbessert hat. Aber gerade wenn man sich die Serien anschaut, werden die doch ganz überwiegend von Regisseuren realisiert. Daran muss sich aus meiner Sicht dringend etwas ändern. Wir haben da jetzt nur einen mittelbaren Einfluss bei Arte in Straßburg, weil wir Serien oft vorgeschlagen bekommen, wenn die Regie bereits ausgewählt wurde. Aber wir können uns natürlich was wünschen und in der Auswahl etwas steuern, indem wir Serienprojekte ablehnen, die nur mit einer männlichen Regie besetzt sind und eine weibliche Regie vorschlagen.

Es ist sowieso eine ganz spannende Frage, in welcher Phase der unterschiedlichen Projekte Arte dazu stößt, um dann auch Einfluss zu haben.

CLAUDIA TRONNIER: Bei den Nachwuchsfilmen aus Deutschland ist es in der Regel so, dass die noch nicht gedreht worden sind und wir uns im Drehbuchstadium daran beteiligen. Es ist oft auch so, dass wir schon erste Fassungen von Drehbüchern bekommen, uns darüber mit den Kolleginnen und Kollegen von ARD und ZDF sowie dem Autor oder der Autorin austauschen, bevor sie in der Programmkonferenz angemeldet und entschieden werden. Bei den Nachwuchsfilm-Einzelstücken ist es oft eine intensive Zusammenarbeit und Begleitung des gesamten Herstellungsprozesses. Bei den Serien hat sich im vergangenen Jahr ein bisschen das Blatt hin zu Serien-Koproduktionen vor allem mit der ARD gewendet. In der Vergangenheit waren das mehr Kaufserien. Jetzt werden uns schon einige Serien zur Koproduktion angeboten - entweder direkt vom Sender oder auch bei Arte GEIE in der Hoffnung, dass wir den Kontakt zum Sender herstellen.

Haben Sie aktuell Serien in der Produktion, auf deren Fertigstellung Sie sich besonders freuen?

CLAUDIA TRONNIER: Wir haben zum Beispiel im vergangenen Jahr die finnische Serie "Helsinki Syndrome" angenommen, die in Koproduktion mit dem NDR entsteht und sich bereits im Schnitt befindet. Die Bücher haben mich sofort überzeugt, die einerseits viel über die Gesellschaftspolitik in Finnland erzählen, andererseits im Krimi-Thriller-Genre verortet sind, ohne dass das Genre im Vordergrund steht. Regisseur ist Juuso Syrjä. Es geht um einen Mann mit einem kleinen Unternehmen, der sich vom Staat doppelt betrogen fühlt: Einmal in der Bankenkrise, wo sein Vater, der das Unternehmen führte, alles verlor, und zum zweiten Mal während Corona, wo er das Geschäft schließen muss. Er nimmt dann die Journalisten der wichtigsten finnischen Tageszeitung in den Redaktionsräumen als Geiseln, um sie zu zwingen, so zu berichten, wie er sich das vorstellt. Das finde ich bei Arte sowieso interessant: Partnerschaften mit europäischen Sendern wie zum Beispiel dem finnischen, dem österreichischen oder dem tschechischen Fernsehen.

Arte ist als Koproduzent jetzt auch bei der Berlinale Series dabei, wo die ersten beiden Episoden der tschechischen Serie "Podezrení" gezeigt werden.

CLAUDIA TRONNIER: Der internationale Titel ist "Suspicion". Diese Koproduktion geht auf ein Partnerabkommen mit dem tschechischen Fernsehen und Arte GEIE zurück. Es ist sehr erfreulich, dass die Serie auf der Berlinale zu sehen sein wird. Wie "Helsinki Syndrome" wird das Format ebenfalls 2022 auf Arte ausgestrahlt. Es geht um eine Frau in ihren mittleren Jahren, die allein eine Teenager-Tochter großzieht. Sie arbeitet in einer Palliativstation und gerät in Verdacht, dass sie eine Patientin absichtlich falsch gespritzt hat, so dass die Patientin starb. Showrunner ist Stepán Hulík.

Die vergangenen zwei Jahre waren wegen Corona auch eine Dauer-Ausnahmesituation für Kinoproduktionen. Wie haben Sie diesen Bereich bei Arte wahrgenommen?

CLAUDIA TRONNIER: Bei Arte habe ich leider erst einmal wahrgenommen, dass viele Kino-Koproduktionen, die eigentlich schon sendbar gewesen wären, wenn sie offiziell zum geplanten Kinostart herausgekommen wären, eben noch gar nicht im Kino gestartet sind. Oder sie kamen so verspätet ins Kino, dass sie häufiger erst bis zu zwei Jahre später bei Arte einplanbar sind. Das ist sehr bedauerlich, wobei wir uns natürlich dennoch über jeden Film freuen, der es ins Kino schafft - oft leider mit nicht so guten Zahlen, weil nicht so viele Kinoplätze zur Verfügung stehen oder Menschen doch Angst haben, ins Kino zu gehen. Bei "Fabian oder Der Gang vor die Hunde" von Dominik Graf hätte es wirklich noch besser sein können. Bei dem sehr interessanten Film "Lieber Thomas" muss man jetzt noch sehen. Den hätten wir ansonsten auch früher senden können. Ein Highlight wird auf jeden Fall in diesem Jahr die vierteilige Version von "Fabian" auf Arte, die zwar dem Langfilm entspricht, aber bei uns als Miniserie gezeigt wird. Das wird back-to-back mit dem ZDF ausgestrahlt.

Können Sie nach einem Jahr schon eine erste Zwischenbilanz beim neuen Sender ziehen?

CLAUDIA TRONNIER: Die Anfänge waren nicht leicht, weil sie auch im Lockdown stattfanden und ich viele Kolleginnen und Kollegen vorerst nicht in Präsenz treffen konnte. Ich hatte mich sehr auf den interkulturellen Dialog mit den Kolleginnen und Kollegen von Arte France gefreut. Das konnte nur digital stattfinden. Das erste Treffen in Präsenz war dann auf dem Filmfestival von Cannes. Das war ein großes Fest für mich, zumal dort auch 33 Arte-Koproduktionen liefen. So gab es auch viele Filmteams, die ich kennenlernen konnte. Davor habe ich ein Stückweit in einem Tunnel gearbeitet. Die Hauptredaktion, die ich jetzt leite, ist deutsch-französisch besetzt. Die Kolleg*innen habe ich in Präsenz dann nach und nach kennengelernt. Sie waren mir eine große Hilfe und haben mich mit offenen Armen empfangen. Das hat mir den Einstieg erleichtert, weil die fiktionale Bandbreite von Arte nicht nur groß, sondern auch ein wichtiges Rückgrat ist. Ich war zunächst erstaunt über die Vielzahl von Sitzungen für Kino, TV, Serien, Digitales und das Programm. Die Anzahl der Web-Only-Programme ist auch stetig gewachsen. Im Jahr 2019 waren es bei den Web-Only-Serien erst drei Formate, 2020 waren es schon 15 Serien und 2021 hatten wir 25 Web-Only-Serien. In Programmstunden ging das von zehn Stunden hoch auf 231 Stunden. Diese Formate werden nicht einfach nur online gestellt, sondern es finden viele Spracharbeiten statt. In der Regel muss jeweils erst die französische oder die deutsche Fassung erstellt werden.

Dieses Wachstum unterstreicht auch, wie wichtig mittlerweile Arte die Mediathek als eigenständige Plattform ist.

CLAUDIA TRONNIER: Absolut. Die digitalen Programme spielen für Arte eine immer größere Rolle - aber auch die Vernetzung von TV-Programmen mit digitalen Programmen. Die Programmplanung wird immer stärker zusammen gedacht. Bei Schwerpunkten ist das schon länger so, aber das passiert beim übrigen Programm noch verstärkter.

Was halten Sie von der Vernetzung mit der ARD- und ZDF-Mediathek, wo inzwischen auch Arte-Inhalte gefunden werden können? Ist das mehr ein symbolischer Akt oder merken Sie darüber auch schon vermehrt Zugriffe?

CLAUDIA TRONNIER: Der Prozess hat gerade erst im vergangenen Jahr in der zweiten Jahreshälfte Stück für Stück begonnen. Dazu haben wir also noch keine wirkliche Auswertung gemacht, weil das mindestens erst einmal ein halbes Jahr laufen muss. Aber grundsätzlich begrüßen wir das Ganze, weil so noch viel mehr Menschen sich unsere Programme anschauen können, egal in welcher der drei Mediatheken sie es finden. Oder sie werden von der ARD- oder ZDF-Mediathek in die Arte-Mediathek gelockt und können dort das Arte-Programm schauen. Denn es ist viel zu wenig bekannt, wie viele Serien es inzwischen auf arte.tv zum Anschauen gibt.

Die Arte-Serie "In Therapie" gehört laut AGF zu den erfolgreichsten öffentlich-rechtlichen Formaten 2021 im Bereich Streaming. Wie ist da inzwischen das Verhältnis von Abrufzahlen und der linearen Einschaltquote?

CLAUDIA TRONNIER: Die Abrufzahlen haben sich in den vergangenen Jahren enorm verbessert. 2021 hatten wir ein Wachstum gegenüber dem Vorjahr von 16 Prozent für arte.tv., 2020 war um 33 Prozent stärker als 2019. "In Therapie" war gerade in Frankreich eine Ausnahmeserie, weil sie auch mit dem Hintergrund des Bataclan-Anschlags ein nationales Trauma angesprochen hat. Da waren sowohl die Abrufzahlen als auch die TV-Quote in Frankreich noch deutlich höher als in Deutschland. Wobei die Serie auch hier insgesamt knapp acht Millionen Videoabrufe erreichte. Insgesamt können wir von der bislang höchsten gemessenen Reichweite im Online-Angebot von Arte sprechen. "In Therapie" wurde auch mit 35 neuen Folgen fortgesetzt, die wir ab dem 1. April wieder im Arte-Programm zeigen werden.

Als Arte-Filmchefin haben Sie jetzt auch mit dem Lizenzhandel zu tun. Wie liegt Ihnen das?

CLAUDIA TRONNIER: Mit Kauffilmen hatte ich vorher gar nichts zu tun, weil Das kleine Fernsehspiel keine Filme kauft, sondern nur koproduziert und da in der Regel von Anfang an mit dabei ist. Ich hatte auch vorher mit Serien wenig zu tun. In unserem Labor Quantum beim Kleinen Fernsehspiel hatten wir zwar die ersten Webserien für das ZDF entwickelt und vor zwei Jahren eine vierteilige Miniserie gemacht, was aber eher die Ausnahme war. Der Seriensendeplatz bei Arte am Donnerstag wird mit vielen europäischen und internationalen Serienankäufen und Koproduktionen bestückt. Das ist ein neues Feld für mich, das ich sehr spannend finde.

Wie sind Ihre ersten Erfahrungen?

CLAUDIA TRONNIER: Der Filmeinkauf und die Auswahl sind anspruchsvoll, beispielsweise für den Sonntag und den Montag, wo klassisches Kino läuft und es um Werke geht, die in ihrer Zeit jeweils Filmgeschichte schrieben und neue Filmsprachen ausprobierten. Am Sonntag laufen die großen, häufig amerikanischen Filmklassiker wie zum Beispiel vor Weihnachten 2021 "Doktor Schiwago". Das gestaltet sich durchaus schwierig, dort die Rechte und vor allem auch die Online-Rechte zu erwerben, was immer wichtiger wird. Aber ich habe zum Glück in meinem Bereich meine Stellvertreterin Barbara Häbe, die schon lange bei Arte ist und auch die Vertreterin meines Vorgänger Andreas Schreitmüller war. Sie kennt sich da sehr gut aus und besitzt ein breites Filmwissen. Ich habe in den Jahren beim Kleinen Fernsehspiel ganz viele Kurzfilme und Arbeitsproben von Regisseurinnen und Regisseuren geschaut, die sich mit ihrem ersten Langfilm bewarben. Das sind viele Filme, die eigentlich nur ein sehr kleiner Kreis kennt. Bei den klassischen Filmen verlasse ich mich jetzt noch sehr auf Barbara Häbe, die das einfach auch sehr gut kann.

Wie funktioniert das Auswahlverfahren?

CLAUDIA TRONNIER: Die Filme werden uns von Arte France, ARD und ZDF vorgeschlagen. Für die ARD verhandelt das die Degeto, beim ZDF gibt es eine Arte-Redaktion, die uns ebenso Vorschläge zuschickt. Sofern wir die älteren Filme noch nicht kennen, sichten wir. Aber wir schauen uns auch bekannte Filme nochmal an und klopfen sie darauf ab, ob man sie heute noch zeigen kann oder die Zeit da drüber gegangen ist - auch im Hinblick auf FSK-Einschätzungen. Wenn die Werke älter als 15 Jahre sind, können neue Einschätzungen getroffen werden. Das sind alles Aspekte, mit denen ich vorher nichts zu tun hatte.

Wie sind dahingehend Ihre Planungen für dieses Jahr schon fortgeschritten?

CLAUDIA TRONNIER: Im Sommer haben wir beispielsweise einen Programmschwerpunkt 75 Jahre indische Unabhängigkeit. Da kam aus Vorschlägen von ARD, ZDF und Arte France ein ziemlich schönes Filmpaket zusammen. Es wird ein neuer indischer Film wie "Parched - Die Zeit der Frauen" laufen, der drei ineinander verflochtene Frauenschicksale im dörflichen Indien und der immer noch zutiefst patriarchalen Gesellschaft erzählt. Wir zeigen aber genauso Filmklassiker wie "Gandhi" oder das neuere Werk "Lion" mit Dev Patel in der Hauptrolle. Als Web-Only wird es drei, für ihre Zeit der 1960er-Jahre sehr moderne Filme des großen bengalischen Meisters Satyajit Ray geben, der sozusagen der Akira Kurosawa Indiens ist: "Charulata", "Die große Stadt" und "Der Feigling". Im TV läuft dann auch einer seiner bekanntesten Filme, nämlich "Das Musikzimmer". Die sind vereinzelt schon im deutschen Fernsehen gezeigt worden, aber noch nicht so wie hier als Reihe.

Was können wir vom 30-jährigen Jubiläum erwarten, das Arte im Mai feiert?

CLAUDIA TRONNIER: Am 30. Mai wird etwas Besonderes stattfinden, worüber ich jetzt noch nicht sprechen kann. Wir haben aber auf jeden Fall im Oktober ein Kinofestival mit starken Filmen von zum Beispiel Christian Petzold und Marco Bellocchio, was wir diesen 30 Jahren widmen werden. Ab Juni werden weiterhin Filme ins Programm kommen, die diesem Jubiläum gewidmet sind. Dabei geht der Blick zurück und nach vorn.

Das Interview führte Michael Müller