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Sender mit neuem Leitbild: "MDR für alle"

Gleichzeitig Sender "für alle" und die "Stimme des Ostens" zu sein - mit diesem Anspruch begibt sich der MDR ins vierte Jahrzehnt seines Bestehens. Das laufende Programmjahr bietet besondere dokumentarische und fiktionale Höhepunkte.

28.01.2022 15:23 • von Frank Heine
Serien-Highlight: "Lauchhammer" mit Odine Johne und Misel Maticevic (Bild: ARD/Steffen Junghans/Montage)

Auf der Jahrespressekonferenz des Mitteldeutschen Rundfunks präsentierte Intendantin Karola Wille zum 30-jährigen Jubiläum, zusammengefasst unter dem Slogan "MDR für alle", ein neues Leitbild. "Wir wollen Vertrautes stärken, Neues wagen und Reformen konsequent vorantreiben und das noch näher dran an den Menschen, mit regionaler Authentizität und tief verwurzelt in Mitteldeutschland", beschreibt Wille das Ergebnis intensiver Auseinadersetzungen zur Senderstrategie, die auch in einem über 40 Seiten umfassenden Entwicklungsplan für die Jahre 2022 bis 2025 festgehalten wurde.

Auch wenn der Sender 2021 mit einem Rekordmarktanteil von 10,3 Prozent im eigenen Sendegebiet abschloss, bedeutet "MDR für alle" auch, Bevölkerungsgruppen zu erreichen, die MDR-Angebote bislang wenig nutzen. Gelingen soll dies durch innovative, digitale Angebote, die auf drei inhaltlichen Offensiven fußen. Sowohl fiktionales und dokumentarisches Erzählen, Angebote zu junger, innovativer Kultur als auch Angebote, die Information und Regionalität verbinden, werden forciert.

Trotz Verjüngung will der MDR in der Mitte der Gesellschaft verankert bleiben und erhebt an sich den Anspruch, "alle Teile der Gesellschaft in ihrer Vielfalt miteinander zu verbinden". Wie schon in der Vergangenheit proklamiert, sieht sich der Sender als "Stimme des Ostens", mit dem Ziel, die Regionen Mitteldeutschlands in ihrem Facettenreichtum mit den Erfahrungen und Lebenswirklichkeiten der Menschen bundesweit noch differenzierter abzubilden und sichtbar zu machen. Ebenso zählt der Sender den Blick nach Osteuropa zu seinen Aufgaben, unter der Maßgabe, "aus der eigenen Transformationserfahrung heraus, vielfältige Sichtweisen herauszuarbeiten". Klimawandel und Zukunftstechnologien sind neue Themenfelder, auf die der Fokus bereits gerichtet wird.

Als bisher größte Herausforderung für Journalismus sieht Wille die Pandemie. Auch unter dem Eindruck von Angriffen auf Journalist:innen des MDR, sagte Wille. "Wir lassen nicht zu, dass Angriffe auf Medienfreiheitsrechte zu Einschränkungen unserer freien und unabhängigen Medienberichterstattung führen. Unsere Antwort auf diese Angriffe bleibt Qualitätsjournalismus." Mehr denn je müssten öffentlich-rechtliche Medien ihrem journalistischen Anspruch bestmöglich nachkommen, einzuordnen und den Menschen Orientierungshilfe zu geben, so die MDR-Intendantin: "Jede und Jeder hat in einer pluralistischen Demokratie das Recht auf eine eigene Meinung, nicht aber auf eigene Fakten"

Die Programmhighlights im laufenden Jahr werden von der Miniserie "ZERV - Zeit der Abrechnung" angeführt, die ab 15. Februar in der ARD-Mediathek zur Verfügung steht und am 22. Februar im Ersten startet. Darin geht es um die 1991 gegründete Zentrale Ermittlungsstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität, die Verbrechen aus DDR-Zeiten und der Wendezeit aufklären sollte. Die Hauptrollen spielen Nadja Uhl und Fabian Hinrichs. Für die zweite Jahreshälfte ist die Crime-Serie "Lauchhammer" vorgesehen, in der Odine Johne und Misel Maticevic im Fall eines an einem Tagebausee in der Lausitz gefundenen toten Mädchens ermitteln. Darüber hinaus starten die im Rahme der Streaming-Offensive "Mein Schwein pfeift" entstandenen Serien "Straight Outta Crostwitz", "Ollewitz" und "Die Pflegionärin", die ab 23. März in der Mediathek zu sehen sind. Mindestens genau so viel versprechend klingt das dokumentarische Angebot. Die fünfteilige Doku-Serie "Amok" (ab 21. April Mediathek, am 24. April im MDR Fernsehen) setzt sich mit dem Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium vor 20 Jahren auseinander. Die Web-Doku "so close: They call us Ausländerteam" (ab 22. Februar) portraitiert die Kreisligamannschaft des SV Blau-Weiß Grana, die sich aus Spielern 13 verschiedener Nationen zusammensetzt. Als Doku-Königin könnte man "Angela Merkel - Im Lauf der Zeit", bezeichnen, ein in Zusammenarbeit mit ARTE entstandenes Portrait von Torsten Körner, der zuletzt mit Schwarze Adler" für viel Aufsehen sorgte. Der Film steht ab 20.2 in der ARTE-, ab 25.2. in der ARD-Mediathek und wird am 22. Februar (ARTE) bzw. 27. Februar (im Ersten) linear ausgestrahlt.