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REVIEW STREAMING: "The Afterparty" von Phil Lord und Chris Miller

Erstmals haben die Oscargewinner Lord & Miller eine Serie gemacht: In dem Achtteiler "The Afterparty", dessen erste drei Folgen ab Morgen bei Apple TV+ zu sehen sein werden, geht es um einen mysteriösen Mord im Zuge eines Klassentreffens. Ob sich das Ansehen lohnt, erfahren Sie in unserer Besprechung.

27.01.2022 16:52 • von Thomas Schultze
Klug wie Hercule Poirot: Tiffany Haddish als unkonventionelle Ermittlerin in "The Afterparty" (Bild: Apple)

Erstmals haben die Oscargewinner Phil Lord und Chris Miller, die Kreativköpfe hinter innovativen Kinohits wie 21 Jump Street" oder The LEGO Movie", eine Serie gemacht: In dem Achtteiler "The Afterparty", dessen erste drei Folgen ab Morgen bei Apple TV+ zu sehen sein werden, geht es um einen mysteriösen Mord im Zuge eines Klassentreffens. Ob sich das Ansehen lohnt, erfahren Sie in unserer Besprechung.

Wenn es jemals einen Adelsschlag gab für Phil Lord und Chris Miller, dann war es weniger ihr Oscar als Produzenten von Spider-Man: A New Universe", sondern das hektische Feuern des Kreativduos durch Disney und Lucasfilm noch während der Dreharbeiten von "Solo", aus panischer Angst, sie könnten womöglich doch nicht respektvoll und markenkonform genug mit dem ewigen "Star Wars"-Heroen Han Solo umspringen. Was einer gewissen Absurdität nicht entbehrt, wo Lord und Miller doch seit ihrem Debüt Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen" ihre Karriere aufgebaut hatten auf bloßer Lust am Frechen und Ausprobieren, ehrfurchtslosem Humor, spielerischem Umgang mit vermeintlichen heiligen Kühen und einem innovativem und stets beweglichem Erzählansatz. Das machte ihren "21 Jump Street" und "The LEGO Movie" zu Erfolgen bei der Kritik und an der Kasse.

Und eben diese Attribute und Qualitäten sind es nun auch, die ihre erste Serie zum singulären Ereignis macht, das aus dem gegenwärtigen Gros herausragt. Ein Whodunit haben sie sich ausgesucht, wie es nach Mord im Orient Express" und Knives Out" gerade wieder schwerer im Kommen zu sein scheint, als man es dem Subgenre aus alten Agatha-Christie-Tagen in unserer schnelllebigen Zeit jemals zugetraut hätte. Natürlich gibt es einen Clou. Es geht nicht einfach um einen Mord an einem arroganten Popstar auf der Afterparty in seiner schicken Villa nach einem Klassentreffen und um die Aufklärung des Verbrechens, das von jedem der Anwesenden hätte begangen werden können. Jede Folge rückt einen anderen Besucher der Party in den Fokus und lässt die Geschehnisse aus dessen Augen immer noch einmal Revue passieren. Als Zuschauer erhält man laufend neue, für das Finden des Mörders relevante Informationen. Und die Figuren, die man zunächst als Stereotype wahrgenommen hatte, erhalten eine Persönlichkeit - man versteht, wer sie sind, was sie antreibt, was ihre Motivationen sind. Jede der Folgen ist entsprechend in einem anderen Stil gehalten. So ist - nur als Beispiel - Folge 3 ein spritziges Musical mit eingängigen Popsongs und schmissig choreographierten Tanzeinlagen oder Folge 5 ein Animationsabenteuer, das visuell in alle Richtungen explodiert. Alles darf man hier, nur nicht langweilig sein.

Wenn es sich nicht um Lord & Miller handeln würde, wäre man verblüfft, wie gut das nicht nur funktioniert und wie viel Spaß das macht, sondern auch wie leicht und mühelos es wirkt, wie sich die einzelnen Folgen zu einem großen Ganzen zusammenfügen. Weil es sich aber um Lod & Miller handelt, setzt man es förmlich voraus. Und die beiden enttäuschen nicht - wobei man festhalten muss, dass dieses Format Chris Millers Baby ist und Phil Lord eher in beratender und überwachender Funktion involviert war. Als Polizeibeamtin mit einer, wie man im Lauf der Serie erfährt, wiederum ganz eigenen Agenda ist Comedystar Tiffany Haddish Dreh- und Angelpunkt der Krimihandlung und hat schließlich mit Folge 7 eine eigene Episode, in der man alles erfährt, was man über diese Figur wissen sollte. Aber alle anderen dürfen auch einmal Star sein. Sam Richardson als heimlich immer noch in dasselbe Mädchen verliebter, gutmütiger Nerd; Ike Barinholtz als nach außen aggressiver Platzhirsch, dessen Mackertum ihm im Leben immer nur Nachteile bereitet hat; oder Ben Schwartz als IT-Crack, der nie die Hoffnung aufgegeben hat, vielleicht doch noch von seiner Musik leben zu können. Und natürlich Dave Franco als Xavier, das Opfer, um das die anderen stets geschwirrt waren wie Motten ums Licht, bis ihm das Licht ausgeknipst wurde. Wer's wirklich war, ist schließlich einerlei. Der Weg ist hier das Ziel. Und viel unterhaltsamer, amüsanter, einfalls- und anspielungsreicher und doch voller (zwischen)menschlicher Wahrheiten könnte er kaum sein.

Thomas Schultze