Kino

Große Kinopläne in Crailsheim

Nicht nur die bereits vor gut zwei Jahren begonnene Modernisierung des Cinecity Crailsheim wird bis ins kommende Jahr hinein konsequent fortgesetzt: Parallel dazu wird das Haus um ganze sechs Säle erweitert werden. Das Ziel ist nicht zuletzt eine Diversifikation des Angebots.

27.01.2022 14:37 • von Marc Mensch
Alleine 400.000 Euro flossen in die bereits abgeschlossene Modernisierung von Saal 1 (Bild: Wagner Entertainment GmbH)

Die Pandemielage ist auch zu Beginn des Jahres 2022 weiter angespannt, die Auflagen bleiben hoch, die Kinozahlen entsprechend niedrig. Vor diesem Hintergrund ist die Entscheidung von Kinobetreiber Tilman Wagner, sein Crailsheimer Haupthaus zu erweitern, alles andere als selbstverständlich - zumal es nicht etwa nur um ein oder zwei neue Säle geht, die das anno 2000 eröffnete Cinecity Crailsheim mit seinen aktuell fünf Auditorien in die Zukunft führen sollen. Sondern um ganze sechs.

Wagner selbst sieht in seinen Plänen die konsequente Fortsetzung eines Kurses, der auf seiner Überzeugung fußt, dass man der Konkurrenz durch Streamingangebote nur mit einem attraktiven Angebot begegnen kann. Dieses umfasse indes nicht nur technische Innovationen wie Dolby Atmos oder D-Box-Sitze, sondern auch ein breites Programm mit attraktiven Spielzeiten. Sich "starren Kinozeiten" unterzuordnen, sei dem Streaming-verwöhnten Publikum kaum noch zuzumuten, wenigstens bei den großen Blockbustern dürften die Gäste Startzeiten im Stunden- oder am besten Halbstundenraster erwarten.

Vor allem aber setzt Wagner bei der Erweiterung auf Abwechslung. "Erlebnissäle" sollen es seinen Angaben nach werden, die in ihrer Größe vom 130 Besucher fassenden Auditorium bis zum Micro-VIP-Cinema für 32 Gäste reichen sollen. Angeschlossen wird daran eine Club-Lounge mit eigener Theke sowie Terrasse "zum Abfeiern". Und auch ein nicht zuletzt für alternativen Content gedachter "Opernsaal" mit vorgelagerter Lounge zählt zur Erweiterung. Vorgesehen sind nach Angaben des Betreibers "in sich stimmig gestaltete" Säle mit jeweils ganz eigenem Charakter, bei deren Ausstattung man auf das "gesamte Portfolio an Bestuhlungsarten" zurückgreifen werde. Angepeilt sei demnach eine "Erlebniswelt mit Event-Charakter", die auch mit großer Abwechslung für die Besucher einhergehen soll. Bei all dem hat Wagner aber auch das Thema Nachhaltigkeit im Blick - Heizung und Kühlung über Geothermie sei nur eine der energetischen Besonderheiten, auch mit weiteren Maßnahmen will man sich im Sinne ökologischer Verantwortung zukunftsweisend aufstellen.

Hinsichtlich der Erwartungen an die Geschäftsentwicklung nach der Erweiterung will sich Wagner aktuell keinen allzu großen Hoffnungen hingeben. Eine nennenswerte Steigerung über das Niveau vor der Pandemie hinaus sieht er derzeit nicht - was natürlich auch damit zusammenhängt, dass die Zahl der Sitzplätze in den modernisierten Bestandssälen deutlich reduziert wurde bzw. wird. Allerdings gehe der Plan schon auf, wenn man an die alten Zahlen wieder anknüpfen könne. Dennoch gibt Wagner offen zu, dass das Projekt aus seiner Sicht nicht umsetzbar gewesen wäre, wenn man von einem Neubau gesprochen hätte, bei dem auch die gesamte Infrastruktur jenseits der Säle hätte geschaffen werden müssen. So aber kam dem Projekt zugute, dass man die Erweiterung bereits bei der vor rund zweieinhalb Jahren in Angriff genommenen Modernisierung mitgedacht habe - vor allem im Zuge der Neugestaltung der Foyerebenen sei das "Andocken" des neuen Komplexes bereits vorbereitet worden.

Apropos Modernisierung: Über zwei Mio. Euro hat der Kinomacher, der das Familienunternehmen nun in dritter Generation führt, bereits in Maßnahmen gesteckt, in deren Zuge nicht nur Foyerebenen, Toilettenanlagen und Verkaufstheken komplett neu gestaltet wurden - sondern vor allem die Säle 1 und 2, die unter anderem deutlich großzügigere Reihenabstände zwischen 1,50 und 2,10 Metern und Annehmlichkeiten wie Recliner-Sessel, D-Box-Stühle und Dolby Atmos verpasst bekamen. Die Platzkapazitäten wurden im Sinne deutlich gesteigerten Komforts von 286 auf 200 bzw. von 228 auf nur noch 136 reduziert; ähnlich wird dies in den Bestandssälen 3 bis 5 erfolgen, deren Modernisierung im zweiten Quartal dieses Jahres (Saal 3) bzw. 2023 (Saal 4 und 5) erfolgen wird, parallel zur Errichtung der Erweiterung. Übrigens zählt neben dem ebenfalls in Crailsheim gelegenen Kammertheater (ein Saal) seit der ersten Modernisierungsphase auch ein stationäres Open-Air-Kino, das "Jagstflimmern" (das auf Tonübertragung per Kopfhörer setzt), zum Cinecity-Angebot.

Wagners Credo bei der Gestaltung sämtlicher Säle: "Große Filme brauchen großes Bild" - mit entsprechend dimensionierten Leinwänden. Nur so lasse sich der Unterschied zwischen "Home-Cinema" und echtem Kino aufzeigen.