Kino

KOMMENTAR: Blick nach vorn

Während sich die Omikron-Wand auftürmt, und wir uns bald alle angesteckt haben werden, mehren sich die Zeichen, dass dieser Januar der letzte ohne Filmwoche, Deutschen Filmball und Bayerischen Filmpreis gewesen sein dürfte. Der Blick nach vorn ist vielleicht verfrüht, aber voller Zuversicht.

27.01.2022 07:33 • von Jochen Müller
Ulrich Höcherl, Herausgeber und Chefredakteur (Bild: Blickpunkt:Film)

Während sich die Omikron-Wand auftürmt, und wir uns bald alle angesteckt haben werden, mehren sich die Zeichen, dass dieser Januar der letzte ohne Filmwoche, Deutschen Filmball und Bayerischen Filmpreis gewesen sein dürfte. Der Blick nach vorn ist vielleicht verfrüht, aber voller Zuversicht. Wenn im Bundestag immer noch über die Ausgestaltung einer Impfpflicht gestritten werden wird, ist die fünfte Corona-Welle längst durch Deutschland gerauscht und wird einen neuen Status Quo gesetzt haben. Das Team Vorsicht in Bayern, gezwungen durch ein Gerichtsurteil auch in Baden-Württemberg und hoffentlich jetzt auch in Meckpomm schließt sich dem Team Augenmaß an und öffnet oder erweitert den Zugang zu den Kinos.

Die aktuelle Virusvariante sorgt für die von allen herbeigesehnte endemische Lage, in der ein Höchstmaß an neuer Normalität gelebt werden kann - auch vor der großen Leinwand. Und wem zuletzt schwindlig geworden sein sollte, wegen des wachsenden Zuspruchs der Streamer, der darf sich schon jetzt in Ausnahmefällen eines besseren belehren lassen. Es gibt sie immer noch, die Kinofilme, die jeder sehen will, und sie bringen selbst am Höchststand der Pandemie Rekordumsätze in die Kassen der Studios. Dort ist den Verantwortlichen allemal ein Keine Zeit zu sterben" oder ein Spider-Man: No Way Home" lieber als ein Black Widow" oder ein Godzilla Vs Kong", wenn es um das rasche Return on Investment geht.

Wer also Sorge hatte, die Streamer würden den Kinos alle Blockbuster streitig machen, der irrt. Womöglich produzieren sie selber welche, aber die kann, wer will, einfach mitspielen. Sie sind nicht besser als die, die die Studios für die Kinoauswertung produziert haben, und die mit abebbender Omikronwelle auf die Leinwände drängen. Die Münchner Filmwoche, wenn sie denn letzte Woche stattgefunden hätte, hätte bewiesen, dass kein Mangel an Kinoblockbustern herrscht, und weil die Zeit bis Mitte März, wenn sie endlich stattfinden kann, noch lange ist, hat die Redaktion von Blickpunkt: Film sich die Verleihstaffeln vorgenommen und die Highlights online und gesammelt im Heft vorgestellt.

Es bleiben keine Wünsche offen: ein neuer "Batman", zwei neue Filme mal von mal mit Bully Herbig, zwei neue Wortmanns, Neues von Roland Emmerich, Pedro Almodóvar oder Baz Luhrmann, Tom Cruise wieder im Top Gun"-Cockpit, die ganze Welt eine Jurassic World", die Minions" und Franz Eberhofer, ein neuer "Hotzenplotz" und Bibi & Tina" für die Kleinen, selbst Avatar" und Bora Dagtekin kehren zurück, um Besucherrekorde zu sprengen. Was will man eigentlich mehr? Die Fensterfrage scheint glimpflich gelöst und Filme wie Encanto" lassen sich auch parallel zum Streaming erfolgreich spielen. Die Pandemie ist uns lange genug auf den Keks gegangen, wir richten den Blick jetzt nach vorn.

Ulrich Höcherl, Herausgeber und Chefredakteur