Festival

"Boys" und "Beast" räumen in Saarbrücken ab

Bei der 43. Ausgabe des Filmfestival Max-Ophüls-Preis wurden die Dramen "Moneyboys" und "Soul of a Beast" gleich dreifach ausgezeichnet. Das erstgenannte Drama von C. B. Yi wurde u.a. mit dem Hauptpreis ausgezeichnet.

26.01.2022 23:40 • von Heike Angermaier
Mehrfach prämiert: "Moneyboys" (Bild: KGP Filmproduktion)

Bei der 43. Ausgabe des waren "Moneyboys" und "Soul of a Beast" die großen Gewinner mit jeweils drei Auszeichnungen. Das Drama um einen jungen Sexarbeiter in China von C.B. Yi wurde mit dem mit 36.000 Euro dotierten Hauptpreis des renommierten Festivals für den deutschsprachigen Nachwuchs als bester Spielfilm prämiert - außerdem für das beste Drehbuch und mit dem Preis der ökumenischen Jury. Die Spielfilmjury urteilte: "'Moneyboys' ist ein existenzieller, queerer und zugleich universaler Film über Liebe, der politische Bedeutung nicht verfolgt, aber sie erzeugt". C.B. Yi ist mit der österreichisch-französisch-belgisch-taiwanesischen Produktion gerade beim Festival in Angers vor.

Für "Soul of a Beast" erhielt der Zürcher Lorenz Merz den Regiepreis. "Ein wilder, wahnsinniger Ritt, eine Liebeserklärung an das asiatische Kino, eine zutiefst berührende Vater-Sohn-Geschichte! "Soul of a Beast" ist ein Feuerwerk aus Bildern, Musik, Geräuschen, Sinnlichkeit und Magie", so die Jury.

Der Preis für das beste Nachwuchsschauspiel ging an Pablo Cabrez in seiner ersten Hauptrolle. Seine Figur bricht in einer wilden Nacht mit dem besten Freund und dessen Freundin in den Zoo ein. Der Film, der für acht Schweizer Filmpreise nominiert ist, erhielt in Saarbrücken außerdem den Preis der Filmkritik.

Zweifach ausgezeichnet wurde der sehr persönliche Dokumentarfilm von Uli Decker, Anima - Die Kleider meines Vaters" - mit dem Max-Ophüls- und dem Publikums-Preis als bester Dokumentarfilm. Der Film erzählt verspielt mit Zeichentrickszenen vom Vater der Regisseurin, der von Kindheit an gerne Frauenkleider trug und seine Neigung fast sein Leben lang geheimhielt. "In einem filmischen Feuerwerk aus Bild, Ton und Musik verbindet eine virtuose Montage zeitgenössische Archivaufnahmen, Fotos, private Aufzeichnungen, Interviews und eine bemerkenswerte Animation, die mit Phantasie und Humor immer noch eine Ebene hinzufügt" urteilte die Jury. Der erstmals vergebene Preis der Filmkritik für den besten Dokumentarfilm ging an die deutsch-bulgarische Filmemacherin Eliza Petkova für "Mayor, Shepherd, Widow, Dragon" über ein aussterbendes Bergdorf, der Preis für die beste Musik in einem Dokumentarfilm an Komponistin Julia Kent und Regisseurin Jola Wieczorek für "Stories from the Sea".

Mit dem Preis für den gesellschaftlich relevanten Film wurde das mutige Drama "Ladybitch"gewürdigt. Die Regisseurinnen, Produzentinnen und Drehbuchautorinnen Paula Knüpling und Marina Prados erzählen darin von einer "Lulu"-Inszenierung, in der die Hauptdarstellerin vom Regisseur drangsaliert wird und sich zu wehren beginnt. "Dieser Film ist genau das, was man sich als Jurymitglied vom Filmfestival Max Ophüls Preis Festivals: dass junge Filmemacher:innen etwas ausprobieren, experimentieren und etwas riskieren, so dass etwas Neues entstehen kann", heißt es im Urteil der Jury.

Der "Publikumspreis Bester Spielfilm" ging an den Eröffnungsfilm Everything Will Change" von Marten Persiel, der das Artensterben und den Klimawandel in Form einer dystopischen Near-Future-Geschichte retrospektiv betrachtet und anprangert und bereits beim Zurich Film Festival zu sehen war. Die Jugendjury kürte "Risse im Fundament" von Genia Leis und Gerald Sommerauer zum besten Film. Beim besten mittellangen Film waren sich Jury und Publikum einig und wählten "Unter der Welle" von Veronika Hafner. Als bester Kurzfilm wurde Lullaby" von Magdalena Chmielewska gewürdigt. Den Publikumspreis für den besten Kurzfilm bekam Simon Schneiders "Zeitpunkt X".

Das Festival fand seit 16. Januar mit neuem dezentralen, verlängerten und hybriden Konzept mit abgespecktem Programm statt, zu dem 49 Wettbewerbsfilme zählten. Es war die letzte Ausgabe des künstlerischen Leiters Oliver Baumgarten, der sich nach acht Jahren neuen Aufgaben widmet. Er erhielt bei der live gestreamten Preisvergabe aus den Händen der sichtlich gerührten Festivalleiterin Svenja Böttger den Sonderpreis des Festivals.