Kino

Kino-Neustart: Warten auf Lockerungen

Auch am vergangenen Wochenende blieben dem deutschen Kinomarkt siebenstellige Gesamtbesucherzahlen verwehrt, die positivsten Akzente konnte "Sing - Die Show Deines Lebens" mit einem starken Debüt setzen.

24.01.2022 15:40 • von Marc Mensch
"Sing - Die Show Deines Lebens" blieb nur nach Umsatz und nur ohne Previews hinter "Spider-Man: No Way Home" (Bild: Universal)

Obwohl Corona natürlich weiterhin der absolut bestimmende Faktor hinter schwachen Gesamtmarktzahlen bleibt: So ganz darf man das Wetter womöglich nicht außer Acht lassen. Wenigstens dort nicht, wo sich der Winter in den vergangenen Tagen mit (allzu kurzlebiger) Einladung zur sportlichen Betätigung an der frischen Luft meldete. Zumindest wäre dies eine mögliche Erklärung dafür, warum Sing - Die Show Deines Lebens" kein noch stärkeres Debüt gelang, als die knapp 227.000 Besucher, die Comscore in seiner Filmsource-Auswertung zählt. Ebenfalls nicht gerade förderlich war natürlich das absolute Chaos rund um den abrupt verkürzten "Genesenen"-Status - wofür sich Gesundheitsminister Karl Lauterbach unter anderem bei der heutigen MPK heftige Kritik gefallen lassen muss.

Das Resultat, welches das Sequel zum Animations-Highlight Sing" nur nach Umsatz hauchdünn hinter Dauerbrenner Spider-Man: No Way Home" platzierte, ist alles andere als schlecht. Aber nach den enorm erfolgreichen Previews, mit denen der Film schon am vorletzten Wochenende fast 100.000 Besucher in die Kinos gezogen hatte (die in der Filmsource-Zahl wie üblich nicht enthalten sind), hätte man für das eigentliche Startwochenende sogar noch auf höhere Zahlen hoffen mögen. Nun, der Film ist bestens für ein langes Leben während der Winterferien positioniert - und als kleiner Trost stehen nach derzeitigem Stand trotz weiter steigender Inzidenzen keine weiteren Restriktionen zu befürchten.

Nicht, dass die bestehenden Regeln nicht hart - und oftmals ungerecht - genug wären. Und wie jede Woche zeigt der Blick auf die Zahlen der Länder, was eine Testpflicht für Geimpfte anrichtet: In Berlin fuhren die geöffneten Kinos Besucherzahlen ein, die gerade einmal um 57 Prozent über dem schlechtesten Wochenend-Wert der fünf Jahre vor Corona lagen, in Hamburg waren es 69 Prozent, in Bayern und Hessen 82 Prozent.

Völlig aus dem Rahmen fällt Sachsen, wo das prozentuale Plus gegenüber der unteren Benchmark trotz strenger Zugangsregeln bei 166 Prozent und damit sogar noch um zehn Prozentpunkte höher als in der Vorwoche lag, in der Kinos in diesem Bundesland erstmals seit November 2021 wieder Besucher empfangen durften. Nun, der enorme Nachholbedarf beflügelt das Ergebnis offenbar weiterhin - was auch zu einer ganzen Reihe weiterer Wiedereröffnungen führte. Hatten zunächst nur 34 Filmtheater den Spielbetrieb wieder aufgenommen, lag die Zahl zuletzt bei 46 (oder 73 Prozent des dortigen Kinobestandes).

Ein statistischer Ausreißer ist auch Mecklenburg-Vorpommern, wo das Plus gegenüber dem schlechtesten Vergleichswert bei nahezu genauso hohen 164 Prozent lag. Hier ist der Grund dafür aber tatsächlich darin zu suchen, dass gerade einmal sechs der Kinos im Land (19 Prozent des Bestandes) um die geboosterten oder testwilligen Besucher buhlen konnten... Bundesweit lag der prozentuale Richtwert für alle geöffneten regulären Kinos im Schnitt bei 99 Prozent nach Besuchern, und 111 Prozent nach Umsatz, zu einem "mittleren Wochenende" fehlten jeweils knapp 50 Prozent.

Die Rückgänge gegenüber der Vorwoche hielten sich bei den Bestandstiteln meist in Grenzen: "Spider-Man: No Way Home" gab in der sechsten Woche nur gut ein Viertel seiner Besucher ab und hält nun klar auf die vierte Besuchermillion zu; The King's Man - The Beginning" zeigte sich auf Platz drei mit einem Minus von 18,1 Prozent äußerst stabil und fast so standhaft wie Spencer" auf Rang neun mit 14 und Dauerbrenner Die Schule der magischen Tiere" (Platz elf, 15. Auswertungswoche) mit 15 Prozent weniger Besuchern.

Apropos Dauerbrenner: Contra" steht in Woche 13 noch auf Rang 14, Keine Zeit zu sterben" in Woche 17 auf ebendiesem Platz. Dafür mögen knapp 4300 weitere Besucher gereicht haben, aber beachtlich ist das unter den gegebenen Umständen, gut einen Monat nach Erscheinen der Blu-ray, durchaus. Unterdessen sollte sich House of Gucci", der sich mit einem Minus von nur 15 Prozent auch am achten Wochenende als enorm stabil erwies, spätestens in der kommenden Woche die Besuchermillion erkämpft haben, zuletzt kamen fast 47.000 Besucher hinzu, ohne Previews steht der Film bei knapp 944.000

Scream" scheinen die (insbesondere für einen Horrorfilm) überdurchschnittlich positiven Kritiken nicht allzu sehr zu helfen. Zwar stürzte der Film hierzulande nicht so ab wie in den USA (wo er dafür ein hervorragendes Debüt gefeiert hatte), der Besucherrückgang um rund 30 Prozent zählt aber zu den höchsten innerhalb der Top Ten, nur Encanto" und "Matrix Resurrections" gaben unter den umsatzstärksten Filmen prozentual noch etwas mehr Besucher ab.

Die (erneut nur einstellig angetretenen) Neustarts konnten abseits des Toptitels "Sing - Die Show Deines Lebens" erwartungsgemäß keine allzu großen Ausrufezeichen setzen - und daran wird sich kommende Woche vermutlich wenig ändern. Immerhin kann Nightmare Alley" mit knapp 20.000 Besuchern und einem Platz-Neun-Debüt einen der besseren Kopienschnitte der Top 10 aufweisen. Die Bolshoi-Inszenierung von "Jewels" (gut 3600 Besucher, dank höherer Ticketpreise Platz 13) und "Drei Helden und ein Pferd auf dem Thron" (rund 5600 Besucher, Platz 16) schafften es noch unter die Top 20, knapp verpasst hat diese Ränge Niemand ist bei den Kälbern" mit rund 2800 Besuchern und Platz 22.

Unter dem Strich steigerten sich die Besucherzahlen am vergangenen Wochenende um 10,4 Prozent, die Umsätze aufgrund der Stärke von Familientitel "Sing - Die Show Deines Lebens" nur um 6,1 Prozent gegenüber der Vorwoche. Mit knapp 815.000 Besuchern blieb man erneut recht deutlich von einem siebenstelligen Resultat entfernt, das Boxoffice belief sich auf rund 7,4 Mio. Euro. Der Vergleich mit dem Stand zum Vorjahr wird unterdessen noch die nächsten fünf Monate für enorme Prozentzahlen sorgen (der Vorsprung beträgt nach Umsatz aktuell über 11.000 Prozent...), schließlich waren die Kinos vor einem Jahr (und dann noch für geraume Zeit) nahezu komplett geschlossen...

Keinen Spielbetrieb gibt es einstweilen weiterhin in den Niederlanden, den Kinos in Österreich macht wiederum unter anderem die Sperrstunde um 22 Uhr zu schaffen. Mit gut 95.000 Besuchern und rund einer Mio. Euro Boxoffice wurde ein Ergebnis erzielt, das sich zumindest nach Umsatz "nur" um 39 Prozent unterhalb eines mittleren Wochenendes bewegte, nach Besuchern fiel der Abstand prozentual exakt so groß aus wie in Deutschland.