Produktion

Karoline Herfurth zu "Wunderschön": "Ein langer Weg"

Karoline Herfurths dritte Regiearbeit "Wunderschön" startet nach Pandemie-bedingten Verschiebungen am 3. Februar in den Kinos, während der vierte Film, den sie inszenierte und schrieb, "Mal was Neues" (AT), bereits in der Postproduktion ist.

02.02.2022 07:20 • von Heike Angermaier
Karoline Herfurth (Bild: Anne Wilk)

Karoline Herfurths dritte Regiearbeit Wunderschön" startet nach Pandemie-bedingten Verschiebungen am 3. Februar endlich in den Kinos. Ihr vierter Film, den sie inszenierte, Mal was Neues" (AT), ist bereits in der Postproduktion.

Wie ist es für Sie, mit "Wunderschön" erst jetzt im Kino starten zu können?

KAROLINE HERFURTH: Es war ein langer Weg, mit Auf und Abs, bei der meine Aufmerksamkeit mehr auf diese unglaubliche Erfahrung, in einer Pandemie zu leben, gerichtet war. Es hat sich selbstverständlich angefühlt, dass ob der Bedrohung die Dinge nicht mehr so laufen wie geplant, dass man flexibel sein muss. Ich finde es richtig, auf die pandemische Lage zu reagieren und bin Warner dankbar, dass der Film verschoben wurde, auch wenn ein ganzes Jahr eine lange Zeit ist. Die Entscheidung zur jüngsten Verschiebung vom vergangenen Dezember in den Februar fiel besonders schwer. Wir diskutierten zwei Wochen lang täglich.

Ich bin vor allem dankbar, dass Willi Geike und Sylvia Rothblum am Kinostart festgehalten haben. Denn "Wunderschön" ist fürs Kino gemacht! Der Film mag unter den aktuellen Bedingungen nicht die Chancen haben, die er unter normalen hätte, aber ich freue mich dennoch. Es geht schließlich darum, Kultur gemeinsam zu erleben und für einen Moment den Alltag vergessen zu können. Ich hoffe natürlich, dass möglichst viele geimpft und geboostert sind.

"Wunderschön" hat auch eine lange Vorgeschichte.

KAROLINE HERFURTH: Ja, eine sehr lange. Die Idee entstand bereits vor dem Dreh von Sweethearts", als Nora Tschirner, die ich bei meinem Regiedebüt SMS für dich" kennenlernte, mir den Dokumentarfilm Embrace - Du bist schön" von Taryn Brumfitt zeigte, den sie mitproduziert hatte. Der Film über Körperwahrnehmung von Frauen hat mich sehr berührt und meine Sicht auf Schönheit, auf meinen eigenen Körper verändert und mir deutlich gemacht, wie viel Zeit man damit verschwendet, ihn nach einem Bild anderer optimieren zu wollen, statt sich auf Wesentliches zu konzentrieren und das Eigene zu entdecken. Als ich mit Willi Geike über das Thema sprach, fragte er, ob ich nicht einen Film darüber machen wolle. Ein wahnsinnig schöner Arbeitsauftrag! Bei dem Thema hat es sich angeboten, ja es war mir ein Bedürfnis, es mit vielen Figuren und auch Figuren in verschiedenen Lebensphasen zu erzählen. Jeder geht damit ja ganz individuell um. Ich entwickelte den Film erst mit Lena Stahl, die dann mit Mein Sohn" ihr Regiedebüt realisierte, und dann mit Monika Fäßler weiter, mit der ich bereits bei "Sweethearts" zusammenarbeitete.

Es ist Ihr erster Ensemble- bzw. Episodenfilm. Wie war es, die vielen Figuren und Handlungsstränge miteinander zu verknüpfen?

KAROLINE HERFURTH: Es war eine spannende Herausforderung, weil man gleich fünf verschiedene Welten für die verschiedenen Figuren kreiert, für die junge Leyla, die Kunstlehrerin Vicky, die zweifache Mutter Sonja, die Jahrzehnte verheiratete Frauke und das Model Julie. Und diese Welten überschneiden sich natürlich auch. Mit einem so großen Ensemble zu planen, ist gar nicht so leicht. Es war auch eine schöne Aufgabe beim Drehbuch und später beim Schnitt zu überlegen, wie lange die Exposition für die jeweilige Figur sein muss, wann man von der einen Figur und ihrer Welt zur nächsten wechselt oder auch wie die Tonalität der Szenen aufeinander abzustimmen sind.

Sie haben mit u.a. Nora Tschirner, Martina Gedeck, Emilia Schüle, Joachim Krol und Friedrich Mücke eine tolle Besetzung gewonnen. Wurden manche Rollen schon mit Blick auf einen bestimmten Schauspieler geschrieben?

KAROLINE HERFURTH: Wir haben ein Jahr vorher mit dem Casting begonnen und sind am Ende eben zu diesem bombastischen Ensemble gekommen. Ich bin sehr glücklich, dass ich wieder mit Nora Tschirner und Friedrich Mücke zusammenarbeiten durfte und auf einer schon vorhandenen Vertrauensbasis aufbauen konnte. Schön war aber auch, ganz neue Gesichter kennenzulernen wie Dilara Aylin Ziem, die noch nie vor der Kamera stand und großen Mut bewiesen hat. Mein Herzstück ist die kleine Luna Arwen Krüger, die schon in "Sweethearts" eine tolle Performance hinlegte.

Sie sind als Regisseurin und Hauptdarstellerin doppelt beansprucht. Da ist es sicher angenehm von vertrauten Mitwirkenden wie Nora Tschirner umgeben zu sein. Gibt sie auch Input, Hilfestellung?

KAROLINE HERFURTH: Wir tauschen uns vor allem inhaltlich viel aus. Nora kann wahnsinnig gut mit Worten umgehen und es ist ein Fest, sich mit ihr die Bälle zu zu werfen. Da geht es um alles, sei es das Timing, die Pointen oder der ausschlaggebende Gedanke. Es ist ein inspirierender Austausch und einfach eine Bank, von Leuten wie ihr oder Friedrich umgeben zu sein, die bereits in einem Film mit mir gearbeitet haben, in dem ich auch Regie führe. Meine Doppelfunktion als Regisseurin und Schauspielerin ist ja nicht nur eine Herausforderung für mich sondern auch für meine Umgebung. Bei "Wunderschön" war es entspannter, da ich nur in einer Episode spielte und oft nur die Regiefunktion innehatte und mich dann ganz auf das Schauspiel der anderen konzentrieren konnte.

Sie begleiten nicht nur den Kinostart von "Wunderschön" nach dem Personalwechsel in der Führungsspitze bei Warner, sondern haben bereits Ihre neue Regiearbeit "Mal was Neues" (AT) inszeniert. Wie lief der Übergang?

KAROLINE HERFURTH: Ich fühle mich nach wie vor sehr wohl dort. Die Entwicklung zu "Mal was Neues" begann noch mit Willi Geike während der Arbeit an "Wunderschön". Monika Fäßler schrieb wieder das Drehbuch und ich war tatsächlich zuerst nur als Schauspielerin an Bord. Während der Drehbuchentwicklung habe ich mich aber so in den Stoff verliebt, dass ich auch die Regie übernehmen wollte. Parallel fand der Wechsel statt, der das Projekt aber nicht beeinflusst hat.

Werden Sie auch beim nächsten Projekt wieder mit Warner zusammenarbeiten?

KAROLINE HERFURTH: "Mal was Neues" ist der letzte Film im Rahmen meines Vertrages mit Warner. Wie es weiter geht ist noch nicht ganz klar. Ich führe gerade sehr viele Gespräche.

Ich will aber auf jeden Fall weitere Filme als Regisseurin angehen. Ideen gibt es auch schon, aber ich muss mir dafür die Zeit freischaufeln. Schließlich will ich ja weiterhin auch als Schauspielerin mit anderen Regisseuren und Regisseurinnen zusammenarbeiten. Ich finde es reizvoll, an anderen Visionen teilzuhaben und dadurch viel mehr ausprobieren zu können. Wie zuletzt zum Beispiel bei Bora Dagtekin oder "Die kleine Hexe". Dass die Regiearbeiten so schnell hintereinander kommen, war gar nicht so geplant.

Das Interview führte Heike Angermaier