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Locarno beleuchtet Werk von Douglas Sirk

Das Locarno Film Festival feiert dieses Jahr bereits seine 75. Ausgabe. Heute hat Festivalleiter Giona A. Nazzaro bekannt gegeben, wem die Retrospektive diese Jubiläumsedition gewidmet wird. Ausgewählt wurde das Werk von Douglas Sirk.

20.01.2022 14:51 • von Barbara Schuster
Douglas Sirk verbrachte seine letzten Lebensjahre in der Schweiz (Bild: IMAGO / Allstar)

Das Locarno Film Festival feiert dieses Jahr bereits seine 75. Ausgabe. Heute hat Festivalleiter Giona A Nazzaro bekannt gegeben, wem die Retrospektive diese Jubiläumsedition gewidmet wird. Ausgewählt wurde das Werk von Douglas Sirk.

Der deutsche Filmemacher, geboren als Hans Detlef Sierck, Jahrgang 1897, arbeitete zunächst in seiner Heimatstadt Hamburg am Theater, später in Leipzig und realisierte dann sieben Filme für die UFA. 1937 emigrierte er mit seiner jüdischen Ehefrau in die USA, wo er weiter als Regisseur arbeitete und seinen Namen in Douglas Sirk umwandelte. In den 1950er Jahren drehte er Melodramen, die zu den kommerziell erfolgreichsten von Universal-International gehörten und vor allem durch ihre Farb- und Lichtdramaturgie beeindruckten. 1959 verließ er Hollywood, um in Frankreich eine Malerbiographie zu drehen. Während der Vorbereitung erlitt er einen Kreislaufkollaps, und das Projekt wurde aufgegeben. Sirk kaufte ein Haus in Lugano und zog sich langsam vom Film zurück. Von 1963-1967 inszenierte er jedes Jahr ein Stück auf der Bühne des Münchener Residenztheaters. Rainer Werner Fassbinder, einer seiner größten Bewunderer, empfahl ihn für das Wintersemester 1974/75 als Lehrer für die Hochschule für Fernsehen und Film in München, wo er (immerhin fast 80-jährig) mehrere Jahre lehrte und mit seinen Studenten (u.a. Doris Dörrie) einige Kurzfilme drehte. Douglas Sirk starb am 14. Januar 1987 in Lugano.

"Die Zeit ist reif, um das historische und kritische Bild eines sehr bemerkenswerten Regisseurs, Douglas Sirk, in allen Facetten seines Oeuvres zu vervollständigen. Dass dies in Locarno stattfinden soll, der Region, in der der Filmmeister seine letzten Lebensjahre verbracht hat, unterstreicht die enge Verbundenheit Sirks mit dem Tessin. Sirk entlarvte auf brillante Weise die gesellschaftliche Heuchelei und schuf einige der leuchtendsten, politisch bewusste Melodramen aller Zeiten", so Nazarro im Rahmen der Ankündigung. Die Retrospektive wurde von Roberto Turigliatto und Bernhard Eisenschitz kuratiert.

Das 75. Locarno Film Festival findet vom 3. bis 13. August statt.