Produktion

Kompetenzzentrum mit verhaltener Prognose für die Filmwirtschaft

Das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes hat eine Neuauflage der sogenannten "Betroffenheitsstudie" zu den Auswirkungen der Pandemie veröffentlicht. Eine der Prognosen darin: Selbst im deutlich positiveren von zwei Szenarien werden die Umsätze im Filmmarkt 2022 noch nicht annähernd an das Niveau vor Corona heranreichen. Die SPIO hebt indes auch einen positiven Aspekt hervor.

20.01.2022 13:56 • von Marc Mensch
SPIO-Präsident Christian Sommer (Bild: SPIO)

Wie unsicher die Entwicklung der Pandemie und damit unter anderem jene des Filmmarktes im neuen Jahr ist, macht die Neuauflage der Studie "Betroffenheit der Kultur- und Kreativwirtschaft von der Corona-Pandemie" des Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes mehr als deutlich. Denn die Prognosen schwanken je nach Szenario zwischen einem Wachstum gegenüber 2021 von gerade einmal einem und ganzen 36 Prozent. Wobei anzumerken ist, das die Umsätze selbst im deutlich günstigeren der beiden untersuchten Szenarien (das hohe Infektionszahlen nur bis Ende des ersten Quartals und keinen neuerlichen Rückfall im Herbst/Winter annimmt) mit geschätzten 8,3 Mrd. Euro noch um 17 Prozent unter jenen von 2019 (rund zehn Mrd.) liegen würden. Sollte insbesondere die Omikron-Welle für den Eintritt des zweiten Szenarios sorgen, würden Umsätze in Höhe von 6,2 Mrd. Euro erreicht, 39 Prozent unter jenen des letzten Jahres vor der Pandemie.

Grundsätzlich zeigen sich die Verfasser der Studie nicht übermäßig optimistisch, was die Entwicklung der Rahmenbedingungen anbelangt. So heißt es unter anderem "Nach zwei Pandemiejahren richtet sich der Blick nach vorne auf das Jahr 2022. Es ist mittlerweile zu befürchten, dass es ein ähnlich schwieriges Jahr wie 2021 wird. Sollte wider Erwarten doch ab Frühjahr und Sommer eine Erholung eintreten, könnte möglicherweise eine langsame Annäherung an das Ausgangsjahr 2019 stattfinden. Vor 2023 wird dieses aber von der KKW insgesamt nicht zu erreichen sein. Die Erholungsfahrt der KKW erfolgt in sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Für einige Teilmärkte der Kulturwirtschaft ist eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau noch nicht absehbar."

Generell wurde die gesamte Kultur- und Kreativwirtschaft auch 2021 massiv durch die Corona-Krise getroffen, das Kompetenzzentrum geht über sämtliche Teilbranchen hinweg von einem Umsatzeinbruch um 6,3 Prozent bzw. rund elf Mrd. Euro gegenüber 2019 aus - wobei diese Betrachtung Teilmärkte wie die Software- und Games-Industrie, den Architekturmarkt und den Buchmarkt umfasst, die schon 2021 wieder über das Vor-Pandemie-Niveau hinaus wachsen konnten, teils sogar deutlich.

Zur kompletten Studie

SPIO-Präsident Christian Sommer kommentiert die Studienergebnisse wie folgt: "Das Update der Betroffenheitsstudie zeigt einmal mehr die anhaltend dramatischen Folgen der Pandemie für die Kultur- und Kreativwirtschaft. Wie stark Corona die Filmbranche nachhaltig verändern wird, hängt auch vom Umfang der finanziellen Mittel ab, die der Staat als Überbrückungs- und Anschubfinanzierung zur Verfügung stellen wird. Nur so können die dringend benötigten Fachkräfte für die Branche gewonnen werden. Für die Filmwirtschaft heißt das, wir müssen jetzt unter Pandemiebedingungen die richtigen Weichen für die Zukunft stellen: Die Filmförderung effizienter gestalten und ergänzen. Im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung sind die richtigen Prüfaufträge angelegt. Diese gilt es jetzt zügig umzusetzen. Gerade steuerliche Förderanreize können in der Filmwirtschaft einen echten Investitions- und Jobturbo zünden."

Letzterer Punkt werde von dem auf Zukunftsthemen gerichteten Teil der Studie unterstrichen, der, wie auch andere Studien darauf hinweise, dass sich die Beschäftigung in kulturellen und kreativen Berufen weiterhin überdurchschnittlich stark entwickeln werde. "Als Ursache hierfür ist unter anderem ein steigender gesamtwirtschaftlicher Bedarf nach kreativen Kompetenzen und Fertigkeiten als auch ein geringeres Substituierbarkeitspotenzial zu nennen", so Sommer. Besonderer Fachkräftebedarf entstehe dabei insbesondere in den Bereichen Software/Games und Film/TV, dort vor allem in den Teilbereichen VFX und Animation.