Kino

KINO-VORSCHAU 2022: Sony ohne Verschnaufpause

Derzeit sorgt "Spider-Man" für Furore in den Kinos - und die nächsten Highlights von Sony sollen schon in Kürze folgen. Das Studio hinter dem größten Blockbuster-Phänomen der Pandemie setzt weiter auf Vielfalt, auf Stars, auf starke Marken, auf Marvel - und auf das Kinofenster.

20.01.2022 18:00 • von Marc Mensch
Tom Holland und Mark Wahlberg in der Games-Adaption "Uncharted", die bereits Anfang Februar auf die Leinwände kommen soll (Bild: Sony Pictures)

Traditionell beginnt das Kinojahr stets mit der Filmwoche München, in deren Rahmen die Verleiher ihre Highlights der kommenden zwölf Monate präsentieren. Weil die Filmwoche 2022 aufgrund der Corona-Situation auf März verschoben werden musste, wollen wir bei Blickpunkt:Film schon jetzt einen umfassenden redaktionellen Blick auf die einzelnen Verleihstaffeln werfen und unseren Lesern die potenziellen Blockbuster und Geheimtipps des Jahres vorstellen. Damit wollen wir Lust machen auf ein Kinojahr, das voller Pretiosen und Entdeckungen steckt - und freuen uns nachdrücklich jetzt schon auf die physische Filmwoche, wenn die Verleiher erstmals neues Bewegtbild der kommenden Filme und bestimmt noch viele weitere, bisher noch nicht gemeldete Titel vorstellen werden, mit denen man 2022 auf der Leinwand rocken wird.

Wer wagt, gewinnt. Das lässt sich derzeit zumindest über Sony Pictures sagen. Dort ließ man Spider-Man: No Way Home" gegen die Omikron-Welle antreten - und sahnte ab. In Deutschland stand der Marvel-Blockbuster im Dezember für etwa die Hälfte aller verkauften Tickets, das weltweite Ergebnis von mittlerweile über 1,6 Milliarden Dollar lädt in Pandemiezeiten zum geradezu ungläubigen Staunen ein. Sony setzt dabei auf ein unverändert solides Kinofenster - und ging bei der Fokussierung auf die große Leinwand sogar so weit, dass man sich weigerte, den Film für eine Berücksichtigung bei den BAFTA Awards auf eine Online-Sichtungsplattform zu stellen...

Man darf hoffen, dass der enorme - hierzulande schon zum Zwischenstand bei Jahresbeginn mit einem Bogey in Gold und einer Goldenen Leinwand gekrönte - Erfolg von "Spider-Man: No Way Home" noch das eine oder andere Highlight in der Sony-Staffel für 2022 beflügelt. Und das schon sehr bald.

Denn wenn die Startliste Bestand hat, darf Hauptdarsteller Tom Holland ab 17. Februar auf der Leinwand in die Rolle eines weiteren ikonischen Charakters schlüpfen: jene von Nathan Drake. Der Name mag Nicht-Gamern wenig sagen, wer aber jemals einen Controller in der Hand hielt, kennt ihn. Uncharted", so auch der Titel des Films, zählt zu den erfolgreichsten Videospiel-Franchises aller Zeiten. Alleine bis Dezember 2017, als das zehnjährige Jubiläum der Reihe gefeiert wurde, waren 41,7 Mio. "Uncharted"-Spiele für diverse PlayStation-Plattformen verkauft, Ende Januar erscheinen aufgewertete Versionen des bislang letzten (und erfolgreichsten) Teils und eines Spin-Offs für die aktuelle PS5-Generation - und damit zeitlich passend zum Start des Kinofilms. Die actionreiche Schatzsuche rund um den Globus wurde zu großen Teilen in Studio Babelsberg realisiert - unter der Regie von Ruben Fleischer, der zuletzt mit Venom" einen Hit für Sony landen konnte.

Klare Parallelen hierzu darf man beim nächsten Sony-Highlight 2022 sehen: Denn mit Morbius" erhält ab 31. März ein weiterer Antiheld aus dem Marvel-Universum seinen Solo-Auftritt. Jared Leto, der schon als DC-Joker in Suicide Squad" die Fans für sich einnahm, spielt einen Wissenschaftler, der mit einem Heilmittel gegen seine seltene Blutkrankheit experimentiert - und dafür einen hohen Preis zahlt.

Bleiben wir bei den Marvel-Titeln, mit denen Sony zuletzt zwei Mal sogar jenen von Disney den Rang ablaufen konnte (Venom: Let there be Carnage" brachte es weltweit auf über 500 Mio. Dollar): Bis zum 13. Oktober fließt zwar noch ein wenig Wasser die Isar hinunter, wie der Münchner sagen würde, aber auf das (noch nicht final betitelte) Sequel zum Oscar-prämierten Animationskracher Spider-Man: Into the Spider-Verse" darf man sich schon jetzt freuen. Auch deshalb, weil der optisch visionäre (hierzulande aber leider noch unterschätzte) Erstling bereits die Tür zu dem öffnete, was "Spider-Man: No Way Home" zum Hit machte und was in Disneys "Doctor Strange in the Multiverse of Madness" (der am Ende des Sony-Films angeteasert wurde) die zentrale Rolle spielt: zum Multiversum von Marvel.

Zurück zum Frühjahr und dem deutschen Kronjuwel in der Sony-Staffel: Eingeschlossene Gesellschaft" sorgte mit seiner gut zehnminütigen Präsentation bei der Filmmesse Köln bereits für absolute Begeisterung - und wird dies, sollten beide Termine Bestand haben, auch auf der Filmwoche München. Denn ebenso wie diese musste die Komödie von Sönke Wortmann, in der ein entnervter Vater ein halbes Kollegium als Geiseln nimmt, um für seinen Sohn den fehlenden Punkt zum Abitur zu erpressen, aufgrund der Pandemiesituation verschoben werden. Der 14. April ist nun das Datum, zu dem man sich auf einen Lachmuskelmarathon mit unter anderem Florian David Fitz, Anke Engelke, Justus von Dohnanyi und Nilam Farooq, die in Wortmanns Contra" weiterhin auf der Leinwand brilliert, freuen darf.

Wenig bekannt ist bislang zum Science-Fiction-Thriller 65" (Online-Leaks von nicht einschätzbarer Glaubwürdigkeit einmal nicht mitgezählt), die Namen Sam Raimi (als einer der Produzenten) und Adam Driver (als Hauptdarsteller) wecken jedenfalls Interesse. Mit einem geplanten Start Ende April wäre eine Januar-Filmwoche sicherlich ein guter Zeitpunkt für eine Trailerpremiere gewesen. Ähnliches gilt für die Komödie Oh Hell No" mit Jack Black, über die hauptsächlich bekannt ist, dass sie zum zweiten Projekt wurde, aus dem Rapper Ice Cube als Darsteller aussteigen musste, weil er Angst vor einer Impfung hat...

Ganz anders liegt der Fall beim Actionthriller Bullet Train". Die Öffentlichkeit muss aktuell zwar noch auf einen Trailer warten, in Köln hatten die Fachbesucher jedoch schon einen mitreißenden Vorgeschmack auf das rasante Agenten-Duell in den beengten Räumlichkeiten eines Hochgeschwindigkeitszuges bekommen, bei dem ein satter Filmwoche-Nachschlag nur allzu willkommen wäre. Überzeugend ist auch der Blick auf die Besetzungsliste um Brad Pitt, Sandra Bullock und Zazie Beetz, Regisseur David Leitch hat sein Händchen für Action bereits mit solchen Krachern wie John Wick", Atomic Blonde" oder Deadpool 2" unter Beweis gestellt.

Nicht zuletzt um die Beziehung zwischen Mensch und Natur dreht sich die Bestseller-Adaption Der Gesang der Flusskrebse"von Newcomerin Olivia Newman, die zuvor mit der Netflix-Produktion First Match" in Erscheinung getreten war. Ein echter Actionkomödien-Veteran ist hingegen Kevin Hart, der in The Man from Toronto" zusammen mit Woody Harrelson und Big Bang Theory"-Star Kaley Cuoco eine Spur der Verwüstung hinter sich herzieht, nachdem ein harmloser Nichtsnutz aufgrund einer Verwechslung zum unfreiwilligen Partner eines Auftragskillers wird - ein Plot, wie maßgeschneidert für Regisseur Patrick Hughes, der unter anderem die beiden Killer's Bodyguard"-Titel verantwortete.

Spärlich wiederum sind derzeit noch die Details zum Horrorfilm The Bride" gesät - fest steht aber, dass "Fast & Furious"-Star Nathalie Emmanuel bei einer vermeintlichen Traumhochzeit in einen blutigen Alptraum gerät. Gespannt sein darf man auch schon auf The Woman King" mit Viola Davis, der sich an historischen Begebenheiten im einstigen afrikanischen Königreich Dahome orientiert, als Frauen zu den Waffen griffen, um ihr Land zu verteidigen. Regisseurin Gina Prince-Bythewood machte zuletzt mit der Netflix-Produktion The Old Guard" von sich reden, in der ebenfalls Frauen den (Action-)Ton angaben.

Das vierte Quartal startet für Sony mit dem bereits erwähnten Sequel zu "Spider-Man: Into the Spider-Verse", darüber hinaus stehen im November und Dezember nach derzeitigem Stand die Kinderbuchverfilmung Lyle, Lyle, Crocodile" mit Javier Bardem und ein ganz besonderes Biopic auf dem Programm: In I Wanna Dance with Somebody" schlüpft Naomi Ackie in die Rolle der auch im Kino dank "Bodyguard" unvergessenen Whitney Houston, die vor nahezu genau zehn Jahren unter tragischen Umständen verstarb. Regisseurin Kasi Lemmons überzeugte zuletzt mit Harriet - Der Weg in die Freiheit". Der Film verspricht auch in einem weihnachtlichen Umfeld perfekt platziert zu sein, in dem es dann hoffentlich noch etwas mehr zu feiern geben wird als im vergangenen Jahr...

MARC MENSCH