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Update: Microsoft wird Activision Blizzard übernehmen

Activision Blizzard wird von Microsoft übernommen - für fast 70 Milliarden Dollar. Damit gehen Marken wie "Call of Duty", "Warcraft", "Candy Crush", "Diablo", "Overwatch", "Crash Bandicoot" und "StarCraft" an das Xbox-Team.

18.01.2022 14:58 • von
Activision Blizzard wird von Microsoft übernommen. (Bild: Microsoft)

Microsoft hat gerade die Bombe platzen lassen: Das Unternehmen möchte Activision Blizzard übernehmen. Xbox-Chef Phil Spencer begrüßte bereits die neuen MitarbeiterInnen und Studios im Xbox Newswire. Damit schließen sich die SchöpferInnen von "Call of Duty", "Warcraft", "Candy Crush", "Tony Hawk", "Diablo", "Overwatch", "Spyro", "Hearthstone", "Guitar Hero", "Crash Bandicoot", "StarCraft" etc. dem Xbox-Team an. Diese Übernahme soll das Wachstum von Microsofts Spielegeschäft in den Bereichen Mobile, PC, Konsole und Cloud beschleunigen und zugleich Bausteine für das Metaverse liefern, wobei Spencer vor allem das Cloud Gaming auf Smartphones, Tablets, Laptops und anderen Geräten, die man schon besitzt, hervorhebt.

Microsoft bietet 95,00 Dollar pro Aktie von Activision Blizzard - das ist Aufschlag von mehr als 40 Prozent im Vergleich zum letzten Schlusskurs. Damit entspricht der Übernahmedeal in etwa 68,7 Milliarden Dollar, einschließlich der Netto-Barmittel von Activision Blizzard. Umgerechnet sind das ungefähr 60,48 Milliarden Euro. Es ist die mit Abstand teuerste Übernahme im Computer- und Videospielebereich, bisher war die kürzlich erfolgte Zynga-Übernahme von Take-Two Interactive für 12,7 Milliarden Dollar die teuerste Akquisition. Es ist ebenfalls die teuerste Übernahme von Microsoft, weit vor LinkedIn (26,2 Milliarden Dollar) und Nuance (19,7 Milliarden Dollar). Wenn die Transaktion abgeschlossen wird und sofern die Regulierungsbehörden keine Einwände haben, wird Microsoft zum drittgrößten Spielehersteller der Welt, gemessen am Umsatz, hinter Tencent und Sony.

Die Transaktion unterliegt den üblichen Abschlussbedingungen und dem Abschluss der behördlichen Prüfung sowie der Zustimmung der Aktionäre von Activision Blizzard. Der Abschluss wird für das Geschäftsjahr 2023 (zwischen Juli 2022 und Juni 2023) erwartet und soll sich positiv auf den Non-GAAP-Gewinn pro Aktie auswirken. Die Aufsichtsräte von Microsoft und Activision Blizzard haben der Transaktion schon zugestimmt.

Bis zum Abschluss der Transaktion werden Activision Blizzard und Microsoft Gaming unabhängig voneinander agieren. Bobby Kotick, der aktuelle CEO von Activision Blizzard, wird das Unternehmen bis auf Weiteres leiten. Er und sein Team werden sich darauf konzentrieren, die Unternehmenskultur zu verbessern und das Geschäftswachstum zu beschleunigen. Nach Abschluss der Transaktion wird der Geschäftsbereich von Activision Blizzard an Phil Spencer, CEO von Microsoft Gaming, berichten. Spencer bekleidet fortan übrigens einen neuen Posten, und zwar als Chef von Microsoft Gaming. Vorher war er Executive Vice President of Gaming bei Microsoft. Ob Bobby Kotick nach vollzogener Übernahme die Geschicke von Activision Blizzard weiter lenken wird, bleibt abzuwarten.

Phil Spencer: "Nach Abschluss der Transaktion werden wir so viele Spiele von Activision Blizzard wie möglich im Xbox Game Pass und im PC Game Pass anbieten, sowohl neue Titel als auch Spiele aus dem unglaublichen Katalog von Activision Blizzard. Wir haben heute außerdem bekannt gegeben, dass der Game Pass nun mehr als 25 Millionen Abonnenten hat. Wie immer freuen wir uns darauf, dem Game Pass noch mehr Wert und noch mehr großartige Spiele hinzuzufügen."

Microsoft übernimmt damit Activision Publishing, Blizzard Entertainment, Beenox, Demonware, Digital Legends, High Moon Studios, Infinity Ward, King, Major League Gaming, Radical Entertainment, Raven Software, Sledgehammer Games, Toys for Bob und Treyarch. Nach Abschluss der Transaktion wird Microsoft über 30 interne Spielentwicklungsstudios sowie über zusätzliche Publishing- und E-Sport-Produktionskapazitäten verfügen.

Activision Blizzard erreicht mit seinen drei Geschäftsbereichen, Activision, Blizzard und King (ABK), fast 400 Millionen Menschen pro Monat in 190 Ländern. Das Unternehmen hat drei milliardenschweren Franchises, nämlich "Call of Duty", "World of WarCraft" und "Candy Crush". Fast 10.000 MitarbeiterInnen sind bei ABK angestellt.

Phil Spencer griff in einem Statement auch die problematischen und toxischen Arbeitsbedingungen auf, die in den letzten Monaten die Schlagzeilen über Activision Blizzard beherrschten. Der Xbox-Chef möchte demnach die inklusive Studiokultur von Microsoft auf Activision Blizzard ausweiten: "Als Unternehmen hat sich Microsoft dem Ziel verschrieben, die Inklusion in allen Aspekten des Gamings zu fördern, sowohl bei MitarbeiterInnen als auch bei SpielerInnen. Wir legen großen Wert auf individuelle Studiokulturen. Wir glauben auch, dass kreativer Erfolg und Autonomie Hand in Hand gehen, zusammen mit der Behandlung jeder Person mit Würde und Respekt. Wir erwarten von allen Teams und allen Führungskräften, dass sie sich dieser Verpflichtung bewusst sind. Wir freuen uns darauf, unsere Kultur der proaktiven Inklusion auf die großartigen Teams von Activision Blizzard auszuweiten."

Bobby Kotick, CEO von Activision Blizzard: "Seit mehr als 30 Jahren haben unsere unglaublich talentierten Teams einige der erfolgreichsten Spiele entwickelt. Die Kombination von Activision Blizzards Weltklasse-Talenten und außergewöhnlichen Franchises mit Microsofts Technologie, Vertrieb, Zugang zu Talenten, ehrgeizigen Visionen und dem gemeinsamen Engagement für Gaming und Inklusion wird uns helfen, unseren anhaltenden Erfolg in einer zunehmend wettbewerbsorientierten Branche zu sichern."

Satya Nadella, Chairman und CEO von Microsoft: "Gaming ist die dynamischste und aufregendste Unterhaltungskategorie auf allen Plattformen und wird eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung von Metaverse-Plattformen spielen. Wir investieren intensiv in erstklassige Inhalte, die Community und die Cloud, um eine neue Ära des Gaming einzuläuten, die Spieler*innen und Entwickler*innen in den Mittelpunkt stellt und Gaming sicher, inklusiv und für alle zugänglich macht."

Phil Spencer, CEO von Microsoft Gaming: "SpielerInnen auf der ganzen Welt lieben die Spiele von Activision Blizzard und wir glauben, dass die kreativen Teams ihre beste Arbeit noch vor sich haben. Gemeinsam bauen wir eine Zukunft auf, in der Menschen die Spiele spielen können, die sie wollen, praktisch überall, wo sie wollen."

Ein Medienbericht bei Bloomberg zitiert außerdem eine Person aus dem vermeintlichen Unternehmenskreis. Demnach soll Microsoft planen, "einige Spiele von Activision weiterhin für PlayStation-Konsolen zu produzieren, aber auch einige Inhalte exklusiv für die Xbox zu behalten". Offiziell bestätigt wurde diese Aussage bisher nicht.