Produktion

Alexander van Dülmen produziert solo

Lizenzhändler und Produzent Alexander van Dülmen und Filmemacher Stephan Wagner, die mit ihrem Joint Venture Carte Blanche International gemeinsam "Die Getriebenen" und "Ein nasser Hund" realisierten, gehen seit vergangenem Jahr getrennte Wege. Van Dülmen, der die Anteile von Wagner übernommen hat, berichtet, wie es für ihn weitergeht.

18.01.2022 11:34 • von Heike Angermaier
Alexander van Dülmen (Bild: A Company)

Lizenzhändler und Produzent Alexander van Dülmen und Filmemacher Stephan Wagner, die mit ihrem Joint Venture Carte Blanche International gemeinsam Die Getriebenen" und Ein nasser Hund" realisierten, gehen seit vergangenem Jahr getrennte Wege. van Dülmen, der die Anteile von Wagner übernommen hat, berichtet, wie es für ihn weitergeht.

Wie kam es zur Auflösung des Joint Venture mit Stephan Wagner?

ALEXANDER VAN DÜLMEN: Ich schätze Stephan Wagner als sehr guten Regisseur und Autor. Als solcher hat er sich verständlicherweise vor allem um seine eigenen Projekte gekümmert. Mir war bei Carte Blanche International aber besonders wichtig, ein möglichst breit gefächertes Portfolio zu haben, mit vielen verschiedenen Filmemachern zusammenzuarbeiten und insbesondere internationale Projekte voranzutreiben. Außerdem möchte ich weiter Filme fürs Kino entwickeln, während Stephan Wagner sich auf Serien konzentriert.

Wie haben Sie die Projekte aufgeteilt? An welchen arbeiten Sie mit Hochdruck?

ALEXANDER VAN DÜLMEN: Stephan Wagner behält die Serienprojekte Schneekönig", "Mädchen in der Kiste", Weihnachten sind wir tot" und "This is Radio Hamburg", an denen ich wirtschaftlich beteiligt bleibe, und ich konzentriere mich aktuell auf vier Filmprojekte und eine Serie. Es handelt sich um die in Thailand spielende deutsch-russische Komödie "Phuketgrad", für die Til Schweiger und Fedor Bondarchuck vorgesehen sind und bei der Jan Josef Liefers, der mehrere Jahre in Russland lebte, Regie führen soll. Im vergangenen Jahr ist Paramount als Verleih und Koproduzent eingestiegen nachdem mit dem Weggang von Willi Geike sich auch Warner als Partner verabschiedet hat. Wir wollen den Film in diesem Jahr finanzieren und möglichst auch umsetzen. Die letzte Fassung des Drehbuches schrieb Andrej Sorin. Außerdem arbeiten wir am Selbstfindungsdrama einer Frau zwischen Deutschland, Israel und Thailand Winternähe" nach Mirna Funks Roman mit Elisabeth Burghardt als Drehbuchautorin und Mirjam Unger als Regisseurin. Wir suchen einen neuen Verleih- bzw. Senderpartner nachdem auch hier Warner ausgestiegen ist und wir dadurch eine Förderung verloren haben. Außerdem entwickeln wir das Remake des thailändischen, psychologischen Horrordramas um siamesische Zwillingsschwestern "Alone", bei dem weiterhin Stefan Ruzowitzky als Regisseur dabei ist und wir Tobis als neuen Partner gewinnen konnten. Das vierte Spielfilmprojekt, "Balaton", ist eine Komödie, die 1986 am Plattensee spielt, und in der sich ein ost- und ein westdeutscher Junge in die Tochter des Campingplatzbesitzers verlieben. Auch hier ist Paramount an Bord.

Zum Serienprojekt "Nhiem" über einen jungen Kameramann des Vietcong, das Roger Donaldson als Showrunner übernehmen soll, hat Regisseurin Pia Strietmann einen Writer's Room initiiert, der den Stoff ein gutes Stück weitergebracht hat. Sebastian Koch und Laëtitia Eïdo wollen Rollen übernehmen, Ngo The Chau soll die Kamera führen. 20 Prozent der Serie sind von vietnamesischer Seite bereits finanziert. In diesem Jahr will ich mit einem der Filmprojekte und "Nhiem" in Produktion gehen.

Wie kam der Kontakt mit Paramount zustande?

ALEXANDER VAN DÜLMEN: Ich habe beim Vertrieb in Russland fast 20 Jahre mit Fox zusammengearbeitet und Vincent de la Tour und Germar Terzlaff kennengelernt, die jetzt bei Paramount sind. Die Zusammenarbeit mit ihnen ist eine Freude. Das Projekt "Weihnachten sind wir tot", das Stephan Wagner als Serie entwickelt, war ursprünglich als gemeinsames Filmprojekt mit Fox geplant gewesen.

Wie stark wurden Sie von der Pandemie betroffen?

ALEXANDER VAN DÜLMEN: Corona hat uns ganz schön durchgeschüttelt. Mit "Die Getriebenen" hatten wir ein tolles, hochwertiges und öffentlich wirksames Projekt, für das ich meinen ersten Produzentenpreis gewonnen habe. Aber der geplante Alternative-Content-Kinorelease über Paramount konnte wegen des ersten Lockdowns nicht stattfinden. Wir hatten die Herausbringungskosten von unserer Seite vorfinanziert. Und unser Kinofilm "Ein nasser Hund" wurde zwölf Monate lang aufgehoben und ist im September nur halbherzig und mit wenigen Kopien gestartet worden, was man dem Verleih bei dem Filmestau nicht vorwerfen kann. Tragisch war, dass der Film auch auf keinen einzigen Festival und nicht international laufen konnte. Das hat uns massiv Geld gekostet. An den Dreh unserer internationalen Projekte in Thailand oder Israel war natürlich auch nicht zu denken. Auch die Finanzierung hat sich verändert in der Pandemie.

Unter welchem Label werden Sie künftig produzieren?

ALEXANDER VAN DÜLMEN: Ich werde spätestens im März alle meine Produktionstätigkeiten unter dem Namen A Company Neue Filmproduktion bündeln, analog zu meinen bestehenden A Company Vertriebsstrukturen.

Wie teilen Sie die Arbeit als Produzent und Lizenzhändler auf?

ALEXANDER VAN DÜLMEN: 75 Prozent meiner Zeit investiere ich in die Produktion, 15 Prozent in den Lizenzhandel. Hier planen wir zum 25 jährigen Jubiläum der Herausbringung von Knockin' On Heaven's Door", der Til Schweiger in Russland populär machte, ein Event in Moskau. Die restliche Zeit kümmere ich mich um meinen Weinshop, den ich letztes Jahr im März aufgebaut habe.

Das Interview führte Heike Angermaier