Kino

Trauer um französischen Kultregisseur

Der französische Filmemacher Jean-Jacques Beineix, der sich mit nur wenigen Filmen, insbesondere "Diva" und "Betty Blue", ins Gedächtnis prägte, ist Ende vergangener Woche mit 75 Jahren gestorben.

17.01.2022 10:38 • von Heike Angermaier
Jean-Jacques Beineix (Bild: Imago/Brigani Art)

Der französische Filmemacher Jean-Jacques Beineix, der sich mit nur wenigen Filmen einprägte, ist Ende vergangener Woche gestorben.

Mit seinem spektakulären visuellen Stil wurde der 1946 in Paris geborene Beineix wie Luc Besson und Jean-Jacques Annaud Wegbereiter des neuen französischen Kinos der 1980er und 1990er Jahre. Im Gegensatz zu den Kollegen blieb sein Werk schmal, nur zwei Filme gingen in die Filmgeschichte ein, sein Regiedebüt Diva" (1980) und das nach dem Roman von Philippe Djian entstandene Drama "Betty Blue - 37,2 Grad am Morgen" (1986), das Béatrice Dalle und Jean-Hugues Anglade bekannt machte.

"Diva" erzählt in einer mit zahlreichen Zitaten aus der Filmgeschichte gespickten Kriminalhandlung vom jungen Postboten, der heimlich die Arie einer berühmten Opernsängerin auf Tonband mitschneidet und von Gangstern verfolgt wird. Die Collage aus Kunstfiguren und Zeitgeist erlebte einen katastrophalen Fehlstart, wurde auf dem Umweg über New York wieder eingesetzt, entwickelte sich zum Kultfilm und erhielt vier französische Filmpreise für Film, Kamera, Musik und Ton.

"Betty Blue" erzählt eine Amour Fou zwischen einem verkannten Schriftsteller und seiner Geliebten, die in der Psychiatrie endet. Die Eingangssequenz des sich minutenlang bis zum Orgasmus liebenden Paares erregte Aufsehen, der Film wurde zum Kassenschlager. Außerdem realisierte Beineix den Film noir Der Mond in der Gosse" mit Gérard Depardieu. Der teuerste Film des Jahres 1983 wurde ein finanzielles Debakel. "Roselyne und die Löwen" (1987), eine Liebesgeschichte im Zirkusmilieu, wurde weitgehend ignoriert. Beineix' "IP 5 - Insel der Dickhäuter" (1992), um zwei Pariser Jugendliche und einen alten Mann wurde bekannt, weil Hauptdarsteller Yves Montand am vorletzten Tag des Drehs starb. Otaku" (1994) ist eine Reportage über die japanische Jugendkultur zwischen Videospielen, Comics und Computern. Mortal Transfer" stellte er 2001 bei der Berlinale vor. Beineix begann seine Karriere als Regieassistent von u.a. Claude Berri, Rene Clement und Jerry Lewis und schrieb später Bücher.

Am vergangenen Freitag starb er nach langer Krankheit im Alter von 75 Jahren in Paris.