Festival

Programm der Berlinale-Sektion Generation bekannt gegeben

"Kalle Kosmonaut", "Louis der I., König der Schafe" und "Die allerlangweiligste Oma auf der ganzen Welt" heißen die deutschen Beiträge in der Generation-Sektion der Berlinale.

14.01.2022 16:15 • von Michael Müller
Der deutsche Animationsfilm "Die allerlangweiligste Oma auf der ganzen Welt" (Bild: Filmakademie Baden-Württemberg)

Die langjährige Leiterin der Generation, Maryanne Redpath, die sich mit diesem Programm verabschiedet, kommentiert ihre letzte Auswahl: "Die wichtigsten Lektionen aus Berlinale Generation: Unterschätze niemals das junge Publikum! Heranwachsen kann ebenso schön, wie gefährlich sein. Und: Es ist keine Zeit für gewöhnliches Kino! Seit beinahe 30 Jahren spielt Festivalarbeit eine maßgebliche Rolle in meinem Leben und über diese Zeit hinweg wurde ich - unter anderem - als "Gamechangerin" oder Patin für unkonventionelles Kino für junges Publikum bezeichnet. Mir gefällt der Gedanke, dass da etwas Wahres dran ist. Während ich meinen Abschied vorbereite, kommt mir der Titel eines subtil subversiven, australischen Kurzfilms in den Sinn: We don't say goodbye, we say see you soon."

Carlo Chatrian, Künstlerischer Leiter und Mariette Rissenbeek, Geschäftsführerin der Internationalen Filmfestspiele Berlin sagen: "Wir danken Maryanne Redpath, die fast drei Jahrzehnte das Programm für Kinder und Jugendliche des Festivals mit geprägt und weiterentwickelt hat: vom ehemaligen "Kinderfilmfest" zu Generation Kplus und Generation 14plus. Wir wünschen Maryanne für die Zukunft, dass sie ihr Engagement und ihren großen, weltumspannenden Enthusiasmus für Filme und junge Menschen weiter einbringen wird"

Die Übersicht der Lang- und Kurzfilme des Generation-Programms:

Langfilme

Generation Kplus

- "Bimileui eondeok" (The Hill of Secrets)

Südkorea, von Lee Ji-eun, mit Moon Seung-a, Jang Sun, Lim Sun-woo, Weltpremiere / Debütfilm

Die 12-jährige Myung-eun kann mit dem Wort "Familie" nicht viel anfragen: Sie würde sie am liebsten verheimlichen, weil sie so anders ist, als sie es sich wünscht. Beim Schreiben dagegen lässt sie sich nicht von der Realität einschränken. Eine in der Komplexität menschlicher Gefühlslagen fast dostojewskihafte Geschichte darüber, wie man einen Platz in der Welt findet.

- "Juunt Pastaza entsari" (Waters of Pastaza)

Portugal, von Inês T. Alves, Weltpremiere / dokumentarische Form / Debütfilm

Selbstbestimmt bewegt sich eine Gruppe Kinder der indigenen Achuar durch das endlose Grün. Am Flusslauf des Pastaza, an der Grenze zwischen Ecuador und Peru, fangen sie Fische, jagen und kochen, spielen mit Lianen, schauen Videos auf dem Smartphone. Mit großem Respekt folgt Inês T. Alves dem Alltag einer jungen Gemeinschaft, die in tiefer Verbindung miteinander und mit der Umwelt lebt.

- "Moja Vesna"

Slowenien / Australien, von Sara Kern, mit Loti Kovacic, Mackenzie Mazur, Gregor Bakovic, Claudia Karvan, Weltpremiere / Debütfilm

Während die ältere Schwester ihre Gefühle in Poetry-Slams rausschleudert, versucht die 10-jährige Moja auf ihre Weise das Loch zu kitten, das der Tod der Mutter in ihre Familie gerissen hat. Sara Kern erzählt von einem kindlichen Trauerprozess, der die Augen nicht vor den Rissen in der Welt verschließt, aber auch das Licht bewundern kann, das durch sie schimmert.

- "My Small Land"

Japan, von Emma Kawawada, mit Lina Arashi, Daiken Okudaira, Weltpremiere / Debütfilm

Sarya lebt zwischen drei Welten: Von der Türkei nach Japan geflüchtet, pflegen sie in ihrer kleinen Familie die kurdischen Traditionen. Auf der anderen Seite fühlt sich Sarya, die als kleines Kind hierherkam, in Japan angekommen. Doch dann verliert die Familie ihren Status als Geflüchtete, ihre Tage in Japan scheinen gezählt. Eine eindringliche Geschichte über den Balanceakt, zwischen verschiedenen Welten die eigene zu finden.

- "El reino de dios" (The Realm of God)

Mexiko, von Claudia Sainte-Luce, mit Diego Armando Lara Lagunes, Lizbeth Gabriela Nolasco Hernández, Margarita Guevara González, Weltpremiere

Wie man Gott fühlen kann, fragt Neimar, der sich gerade auf seine Erstkommunion vorbereitet, seine Oma. Claudia Sainte-Luces Film gibt darauf keine einfachen Antworten, sondern folgt stattdessen mit klugem und lichtem Blick der Weltwahrnehmung eines Kindes, in der sich - zwischen dem Pauken der zehn Gebot und Pferderennen - Profanes und Transzendentes neu arrangiert.

- "Rooz-e sib" (The Apple Day)

Iran, von Mahmoud Ghaffari, mit Aria Mohammadzadeh, Arian Rastkar, Zhila Shahi, Khodadad Bakhshizade, Weltpremiere

Als dem Vater der Lastwagen gestohlen wird und mit ihm seine Lebensgrundlage als fahrender Apfelverkäufer, kann sein Sohn nicht den Beitrag in der Schule leisten: einen Korb Äpfel. Mit präzisem Blick auf die alte Diskrepanz zwischen Stadt und Land folgt der Film dem Jungen Saeed durch die Gassen und Straßen einer Vorstadt von Teheran auf der Suche nach einer Lösung.

- "Shabu"

Niederlande, von Shamira Raphaëla, Internationale Premiere / dokumentarische Form / Debütfilm

Shabu hat wieder etwas angestellt: das Auto seiner geliebten Oma hat er, 14-jährig, zu Schrott gefahren. Statt Sommerferienspaß und Straßenmusik heißt es für den charmanten Schlawiner, Geld für die Reparatur zusammenzubringen. Ein lebensfrohes Porträt eines karibisch-holländischen Teenagers in Rotterdam zwischen Verantwortung und Bling-Bling, zwischen Nachbarschaftshilfe und Kulturclash.

- "Terykony" (Boney Piles)

Ukraine, von Taras Tomenko, Weltpremiere / dokumentarische Form

Terykony begleitet Nastia und ihre Freund*innen auf ihren Streifzügen durch ein vom Krieg versehrtes Land. Die Orte, an denen sie spielen, herumhängen oder Musik hören, sind verwundete Landschaften. In dicht gearbeiteten Bildern und Tableaus und mit einem lyrischen Blick für Tristesse und fantasievolle Aneignung erzählt Taras Tomenko (Panoram 2001: Schießstand) von einer Kindheit in der Ostukraine.

Generation 14plus

- "Alis"

Kolumbien / Chile / Rumänien, von Clare Weiskopf, Nicolas van Hemelryck, Weltpremiere / dokumentarische Form

In einem Heim für Mädchen von den Straßen Bogotás leben zehn junge Frauen. Sie erzählen von ihrer Mitbewohnerin Alis. Alis ist die Summe ihrer Erfahrungen, ihrer Sehnsüchte, ihrer Kämpfe. Alis ist eine kollektive Erfindung und zugleich ein geschützter Raum, der es in einem reflektierten dokumentarischen Zugang möglich macht, schmerzhafte Wahrheiten auszusprechen.

- "Bubble"

Japan, von Tetsuro Araki, mit Jun Shison, Mamoru Miyano, Yuki Kaji, Tasuku Hatanaka, Weltpremiere / Animation

Die Welt ist für Hibiki aus den Fugen geraten: Blasen, die die Schwerkraft außer Kraft setzen, Wettkämpfe um knappe Ressourcen, eine folgenreiche Begegnung mit einem mysteriösen Mädchen. Regisseur Tetsuro Araki erschafft in seinem modernen Anime-Märchen mit großem Einfallsreichtum ein schillerndes Universum, das zur Spielwiese grundlegender Fragen zu Werden und Vergehen wird.

- "Kalle Kosmonaut"

Deutschland, von Günther Kurth, Tine Kugler, Weltpremiere / dokumentarische Form

Die Langzeitdokumentation über Kalle, einem Jungen aus der Plattenbausiedlung um die Allee der Kosmonauten, zeichnet ein anderes Bild von Berlin: "Arm" ist hier nicht "sexy", sondern es bedeutet: schlechte Chancen. Das Regie-Duo begleitet Kalle respektvoll und überlässt dem charismatischen Jungen das Wort, ergänzt sensibel mit Animationssequenzen, wo Hintergrundwissen bedeutsam wird.

- "Skhema" (Scheme)

Kasachstan, von Farkhat Sharipov, mit Victoriya Romanova, Tair Svintsov

Weltpremiere

Im Zentrum steht Masha, die durch einen gleichaltrigen Freund in ein undurchsichtiges Netz von Abhängigkeit und Ausbeutung gerät. In komplexen Bildern, die Mashas Anker- und Verbindungslosigkeit, wie auch ihre Suche nach Halt einfangen, erschafft der Film das vielschichtige Porträt einer Jugend in Almaty, präzise und zugleich von universeller Relevanz.

- "Stay Awake"

USA, von Jamie Sisley, mit Wyatt Oleff, Fin Argus, Chrissy Metz, Weltpremiere / Debütfilm

Nacht um Nacht bringen die Brüder Ethan und Derek ihre opiumabhängige Mutter in die Notaufnahme. Als Ethan eine Zusage von der Uni erhält, ergibt sich die Chance, aus dem komplizierten Abhängigkeitsverhältnis auszubrechen. Jamie Sisley erzählt eindringlich in seinem Langfilmdebüt, einer Weiterentwicklung seines gleichnamigen Kurzfilms (Generation 2015), von den individuellen Auswirkungen der Opioidkrise in den USA.

- "Strana Sascha" (The Land of Sasha)

Russische Förderation, von Julia Trofimova, mit Mark Eidelstein, Maria Matsel, Evgenia Gromova, Dmitry Endaltsev, Weltpremiere

Sasha hat keinen Vater, dafür einen Ohrring - Grund genug für seine jugendliche Mutter, sich Sorgen zu machen. Als er den Warteraum einer Psychiatrie bemalen soll, trifft er dort seine zukünftige Liebe: Zhenya. Tiefe Stimme, kreativ wie er, viele Probleme. Getragen vom Licht des Sommers in Kaliningrad, ergründen zwei eigenwillige Charaktere zusammen ihre Gefühle, Talente und Ängste.

Kurzfilme

Generation Kplus

- "Die allerlangweiligste Oma auf der ganzen Welt"

Deutschland, von Damaris Zielke, mit Charlotte Boon, Luise Lunow, Weltpremiere / Animation

Greta langweilt sich bei der Oma, weil dort alles, was Spaß macht, nicht erlaubt ist - und weil alles, was langweilig ist, Omas Hobbys sind: Souvenirs horten und Fotos von Verstorbenen anschauen. Als die Oma schläft, spielt Greta ihre Beerdigung. Liebevoll als Computeranimation in Szene gesetzt stößt der Film um die hitzköpfige Greta ein feinsinniges Gespräch über Tod und Erinnerung an.

- "Alma y Paz" (Alma and Paz)

Mexiko / USA, von Cris Gris, mit Elisa Garza T. Gonzales, Cris Gris, Maria Isabel Garcia Mora , Internationale Premiere

Die Halbschwestern Alma und Paz müssen sich nach dem Tod ihrer Mutter von dem Haus ihrer Kindheit trennen. Für Paz, die für den Verkauf aus der Stadt zurück aufs Land kommt, scheint es einfacher. Für die jüngere Alma steckt die Plantage auf dem mexikanischen Land voller Erinnerungen. Eine in warmen Bildern erzählte Geschichte über Abschied, Verwurzelung und Erwachsenwerden.

- "Cuci cuci" (Hush Hush Little Bear)

Lettland, von Mara Linina, mit Kristine Zadovska, Andris Keiss, Weltpremiere / Animation

Schäfchenzählen einmal anders: Eine kleine Gute-Nacht-Geschichte, in der eine Bärenfamilie die Hauptrolle spielt - und die Schafe, die hier Wolken stricken, die Nebenrolle. Zwei Bärenjunge zwischen naseweißem Aufbegehren, wohliger Müdigkeit und elterlicher Fürsorge, in einer Welt ganz aus Wolle - mit einnehmender Fantasie und Liebe kunstvoll in Szene gesetzt.

- "Datsun"

Neuseeland

von Mark Albiston, mit Mickey Reddish, Billy R. McCarthy, Tate Harrow, Ashley Harnett, Internationale Premiere

Eine letzte Tour mit dem Datsun seines verstorbenen Vaters - morgen soll das Auto verkauft werden. Mit einem Freund und dem kleinen Bruder auf der Rückbank macht sich der 14-jährige Matt auf zu einer Party. Das plötzliche Erscheinen der Polizei wirkt wie ein Brandsatz auf seine geladene Stimmung. Mark Albiston, mehrfach zu Gast bei Generation, zeigt sich erneut als Meister jugendlicher Eskalation.

- "Gong ji" (Rooster)

Myanmar / Taiwan, von Myo Aung, mit Hung Hsia Hsu, Lin-Chi Lee, Europäische Premiere

Ein blutjunges Mädchen aus Myanmar soll einen Mann aus China heiraten, den es noch nie zuvor gesehen hat, und ihm in ein Land folgen, das es noch nie betreten hat. Doch der Mann, der ihr und ihrer Familie ein besseres Leben bringen soll, ist verhindert, ein Hahn soll ihn bei der Zeremonie ersetzen. Sanft und geheimnisvoll erzählt Gong ji in verdächtig schönen Bildern von einem ernsten Thema.

- "Louis I., König der Schafe" (Louis I., King of the Sheep)

Deutschland / USA, von Markus Wulf, mit Mark Waschke, Weltpremiere / Animation

Als ihm eine Krone vor die Hufe rollte, greift Louis, ein Schaf unter anderen Schafen, zu: Er setzt sie auf und wird König. Fortan spielt er alles durch, was Könige tun, um sich die Langeweile zu vertreiben und Macht zu demonstrieren. Mit viel Humor, historischen Anleihen und hintergründigem Sinn treibt die detailreiche Stopp-Motion-Animation Machtmissbrauch auf die Spitze, um ihn zu entblößen.

- "Luce and the Rock"

Belgien / Frankreich / Niederlande, von Britt Raes, mit Fien Raes, Karolien Raes, Caspar Raes , Weltpremiere / Animation

In klar komponierten, geometrischen Bildern wird die magische Geschichte von Luce, dem einzigen Kind eines kleinen Dorfes, und der Freundschaft zu einem Felsbrocken erzählt. Eines Tages rollt er vom Berg mitten auf den Gemeinschaftsplatz des Dorfes. Während die Erwachsenen ratlos sind, entdeckt Luce das Kind im Fels. Filmkunst jenseits ausgetretener Pfade, herausfordernd und klug.

- "La reine des renards" (The Queen of the Foxes)

Schweiz, von Marina Rosset, mit Marina Rosset, Mélia Roger, Weltpremiere / Animation

Die Königin der Füchse ist die Traurigste von allen. Um sie glücklich zu machen, schwärmt ihre besorgte Rotte in der Nacht aus, ihr die heimlich geschriebenen und am Ende nicht abgeschickten Liebesbriefe aus dem Müll der Stadt zu Füßen zu legen. Mit seinen wunderschön gemalten und animierten Bildern ist La Reine des Renards eine Ode an die Liebe.

- "To Vancouver"

Griechenland, von Artemis Anastasiadou, mit Margianna Karvouniari, Vassilis Koutsogiannis, Internationale Premiere

Morgen wird er fortgehen, der große Bruder, und das griechische Dorf verlassen. Hier Zuhause, im verlassenen Industriestandort am Meer, gibt es keine Arbeit. Aber Vicky will Yorgos auf keinen Fall gehen lassen. Um das Unaufhaltsame aufzuhalten, versucht sie es mit einem alten Zauber, den die Leute über den Wald in einem verlassenen Abbaugebiet erzählen.

- "Le variabili dipendenti" (The Dependent Variables)

Italien, von Lorenzo Tardella, mit Simone Evangelista, Mattia Rega, Weltpremiere

In einem dunkel-samtigen Theater kommt es zu einem ersten Kuss zwischen Pietro und Tommaso. Als das Licht wieder angeht, haben die beiden Schüler unterschiedliche Erwartungen an das, was folgen könnte. Über Blicke und Gesten, Annäherung und Rückzug, Hoffen und Bangen wird das Chaos des erwachenden Begehrens in seiner Komplexität und Sinnlichkeit erzählt und fast physisch erfahrbar gemacht.

- "Wheels on the Bus"

Nepal, von Surya Shahi, mit Man Bahadur Tamata, Hari Budha, Chandra Rawal, Weltpremiere

In der Schule predigen sie, dass alles Böse zurückkommt. Aber niemand schaut hin, wenn die anderen Mitschüler von dem Außenseiter Bhyal Räder für ihren Spielzeugbus erpressen. Bhyal, der mit seiner Mutter am Rande des Dorfes wohnt und nachts als Eisenschmied arbeitet, ist ein "Unberührbarer". Eine filmische Auseinandersetzung mit dem Kastensystem in einem kleinen Bergdorf Nepals.

- "Zuza v zahradách" (Suzie in the Garden)

Tschechien / Slowakei, von Lucie Sunková, mit Hannah McDonnell, Zuzana Kronerová, Michal Domonkos, Sona Spisiaková, Weltpremiere / Animation

Zuza hat mit der Kleingartensiedlung, in der ihre Eltern ein Häuschen haben, eine Wunderwelt für sich. Die Geheimnisse der anderen Gärten interessieren sie brennend. Ein schwarzer Hund und ein blauer Schlüssel führen sie schließlich zu einem versteckten, überwucherten Garten. Durch kräftige Ölfarben, auf Glas gemalt, entfaltet sich eine magische Welt, die nur Kinderaugen sehen.

Generation 14plus

- "Aos dezasseis" (At Sixteen)

Portugal, von Carlos Lobo, mit Ana Ribeiro, Weltpremiere

Wohin mit dem Begehren, das gerade erwacht? Die Blicke sind suchend, die Körper exponiert: bei Tanzaufführungen, im Konzert, beim Sport, beim Skaten. Jeder Ort hat seine eigene Choreographie, seine eigene Musik. Fast ohne Worte kommt der Film aus, um Begehren und Ablehnung, Hoffnung und Enttäuschung spürbar zu machen.

- "Born in Damascus"

England, von Laura Wadha, Internationale Premiere / dokumentarische Form

Die schottisch-syrische Regisseurin versucht in ihrer Dokumentation die zwei Welten in ihrem Kopf zusammen zu bekommen: Ihre schönen Erinnerungen an Verwandtschaftsbesuche in Damaskus und das, was in Syrien seither geschehen ist. Sie konfrontiert ihre Cousine, die von dort geflohen ist, mit ihren Aufnahmen von damals - und ruft damit Erinnerungen zurück, die unter einem Trauma verschüttet wurden.

- "La fièvre" (Fever)

Schweiz, von Matias Carlier, mit David Evora, Marie Pons, Vincent Aubert, Internationale Premiere

Aleister und die coole Joana verbringen ihre Tage zusammen im Skatepark. Morgen wird Joana fortgehen, heute Abend wollen sie noch einmal zusammen Spaß haben. Aber Aleister hat schon den ganzen Tag Visionen von einem alten Mann, der mit Pfeil und Bogen durch die Straßen zieht. Ein wunderbarer Film, erzählt in großen Bildern, über den schmalen Grat von Freundschaft zu Liebe.

- "Funkele"

Niederlande, von Nicole Jachmann, mit Claire Porro, Julia Olsthoorn, Jesse Meisters, Jonas Coppus, Internationale Premiere

Merel und Robin sind beste Freundinnen. Sie streifen herum, haben Spaß, reden über alles, auch über Sex. Wenn Jungen dazukommen, verschiebt sich das Gleichgewicht ihrer Freundschaft. Merel zieht die Jungen an und Robin erlebt sie als Konkurrenz. Über heimliche Blicke, tastende Gesten und fein beobachtete Momente erzählt Funkele vom Erwachen des Begehrens und von weiblicher Solidarität.

- "Lay Me by the Shore"

Kanada, von David Findlay, mit Isla Pouliot, Kai Smith, Weltpremiere

Die letzten Prüfungen in der Schule, alle sind in Feierlaune. Der Transgender-Teenager Noah ist einer von ihnen - aber immer wieder fällt er aus diesem fröhlichen Trouble plötzlich heraus und quälende Erinnerungen steigen in ihm hoch. In schillernden, gegeneinander geschnittenen Momentaufnahmen wird das Trauma um den Tod eines Freundes plastisch erfahrbar.

- "Memoir of a Veering Storm"

Griechenland, von Sofia Georgovassili, mit Daphne Peel, Konstantinos Sideris, Stefania Sotiropoulou, Maria Kallimani, Weltpremiere

Zusammen mit ihrem Freund schleicht sich Anna heimlich aus der Schule, um ihren Entschluss abzutreiben in die Tat umzusetzen. Unverblümt sachlich und doch mit zärtlicher Anteilnahme begleitet die Kamera Annas Weg, geht nah ran und kontrastiert mit Bildern einer Natur, in der manches einfacher erscheint und manches unergründlich.

- "Meneath: The Hidden Island of Ethics"

Kanada, von Terril Calder, mit Lake Delisle, Gail Maurice, Kent McQuaid, Terril Calder, Internationale Premiere / Animation

Zerrissen zwischen zwei Kulturen: Die eine Stimme im Kopf des Métis-Mädchens ist Jesus, der ihr mit den Sieben Todsünden den Selbstzweifel einpflanzt. Die andere Stimme ist die Sagenfigur der Anishinabek, Nokomis. Sie lehrt das Mädchen, sich selber, so wie es ist, zu akzeptieren. In einer dunkel-schönen Stopp-Motion-Animation legt der Film das Trauma der Indigenen Kanadas frei.

- "Tinashé"

Australien, von Tig Terera, mit Negassa Sarka, Raji Olana, Trinna Talasaia, Internationale Premiere

Von der Mutter vor die Tür gesetzt, zieht der smarte Titelheld bei seinem besten Freund ein. Mit berückendem Soundtrack und stilisierten Bildern erzählt Tinashé die universelle Geschichte vom Übergang ins Erwachsenenleben, von Identitätssuche und Eskapaden, erster Liebe und echter Freundschaft - und ist darüber hinaus respektvolles Porträt eines jungen Australiers aus einer uralten Kultur.

- "West by God"

USA

von Scott Lazer, mit Aphrodite Armstrong, Kyle Riggs, Michael Washington, WeltpremiereUS-Amerika, ein Vorstadt-Dealer, ein blondes Teenager-Girl. Nachdem sie einander am Swimmingpool abgecheckt haben, holt er sie in seinem schwarzen Wagen zu einer Spritztour ab. Bis hierhin eine altbekannte Geschichte. Und dann wird Schicht um Schicht alles ganz anders. Mit ihr kann er reden - darüber, dass es vielleicht doch nicht so cool ist, wenn das eigene Leben ein Rap-Song geworden ist.