Kino

HDF und VdF "vorsichtig optimistisch" für 2022

Trotz einer noch erheblichen Lücke zum Niveau vor der Pandemie sehen HDF und VdF im Kinoergebnis 2021 einen hoffnungsvollen Neustart - unter Berücksichtigung eines schwierigen Marktumfeldes, strikter Restriktionen und der Tatsache, dass die Umsätze im Prinzip nur in einem halben Jahr erzielt wurden. Auf das neue Jahr blickt man vorsichtig optimistisch, fordert dabei aber dringend "nachvollziehbare Regelungen" ein.

14.01.2022 10:17 • von Marc Mensch
"Keine Zeit zu sterben" erkämpfte sich mit über sechs Mio. Besuchern den Stern zur Goldenen Leinwand (Bild: 2021 DANJAQ, LLC AND MGM. ALL RIGHTS RESERVED)

HDF Kino und VdF haben eine gemeinsame Bilanz des abgelaufenen Kinojahres gezogen - und dabei trotz unverkennbarer Herausforderungen nicht zuletzt auch positive Aspekte hervorheben können. Freude und Sorge hätten in der Kinowirtschaft eng beisammen gelegen. So hätten die deutschen Filmtheater nach sechs Monaten nahezu vollständiger Schließung im zweiten Halbjahr trotz regional unterschiedlicher und erneut verschärfter Pandemieauflagen einen hoffnungsvollen und erfreulichen Neustart hingelegt, der mit Paw Patrol: Der Kinofilm", Fast & Furious 9", Dune", Die Schule der magischen Tiere", Kaiserschmarrndrama", "Venom: Let There Be Caranage", Keine Zeit zu sterben" und Spider-Man: No Way Home" immerhin acht Besuchermillionäre hervorbrachte.

Neben den beiden deutschen Hits "Kaiserschmarrndrama" und "Die Schule der magischen Tiere" heben HDF und VdF natürlich jene beiden Titel hervor, denen ganz besondere Meilensteine gelangen: "Spider-Man: No Way Home" konnte sich zum Jahreswechsel mit über drei Mio. Zuschauern den Bogey in Gold sowie die Goldene Leinwand sichern, "Keine Zeit zu sterben" erreichte mit seinem Sensationsergebnis von über sechs Mio. Besuchern sogar den Bogey in Platin und die Goldene Leinwand mit Stern. Erfolge wie diese machten deutlich, "wie groß das Bedürfnis der Zuschauer war, Filme endlich wieder auf der großen Leinwand zu erleben", so die beiden Verbände.

Am Ende reichte es für ein Besucherplus von gut 18 Prozent und einen Umsatzanstieg von knapp 26 Prozent gegenüber 2020, zu den Ergebnissen des letzten Jahres vor der Pandemie klaffte allerdings noch eine erhebliche Lücke von jeweils gut 62 Prozent. "Neben der nahezu vollständigen Schließung in der ersten Jahreshälfte machten sich nach den erfreulichen Wiedereröffnungszahlen im Sommer dann ab Herbst die erneuten Verschärfungen der Pandemieregelungen (2G, 2G+, Kapazitätsbeschränkungen sowie regionale Schließungen) negativ bemerkbar", analysieren HDF und VdF.

Leider wurden die Kinos nach der guten Wiedereröffnung am 1. Juli in der zweiten Jahreshälfte vielerorts wieder erneut ausgebremst", so Christine Berg. "Viele Neustarts konnten daher nur äußerst unzureichend ausgewertet werden, was sich allein daran zeigt, dass die acht Besuchermillionäre 44 % des Jahresgesamtticketverkaufs ausmachten. Hier hoffen wir für 2022 darauf, dass sich das Publikum wieder auf ein breiteres Spektrum neuer Filme einlassen wird."

Insgesamt geben sich HDF und VdF angesichts einer vielversprechenden Filmpipeline vorsichtig optimistisch: "Wir freuen uns auf sehr viele interessante Filme in den kommenden Monaten", so der neue VdF/BVV-Geschäftsführer Peter Schauerte. "Wir benötigen vor dem Hintergrund der weiterhin anhaltenden Pandemie maßvolle und nachvollziehbare Regelungen für den Kinobetrieb. Als Verleiher benötigen wir auch eine entsprechende und notwendige Unterstützung bei der Vermarktung, um die Kinos in diesem schwierigen Umfeld mit den notwendigen Filmen versorgen zu können."

Generell fordern die Verbände von der Politik einen "Richtungswechsel in der Anwendung der Pandemiebeschränkungen". Es müsse nunmehr "endlich der Tatsache Rechnung getragen werden, dass Kulturorte wie Kinos nachweislich keine Verbreitungsorte der Pandemie" seien. In diesem Zusammenhang verweisen HDF und VdF einmal mehr auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Seit Juni 2020, als eine Atemluftstudie des Herrmann-Rietschel-Instituts die geringe Aerosolbelastung im Kinosaal nachwies, haben weitere Studien das geringe Infektionsrisiko bestätigt. Die Kinoverbände bemühten sich demnach weiter darum, in Gesprächen mit zahlreichen Spitzenpolitiker:innen entsprechendes Bewusstsein zu schaffen, zuletzt stand das Thema ganz mit oben bei einem Austausch der HDF-Mitglieder mit Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda am 12. Januar. Auch Hamburg hat Kinos mittlerweile der 2G-Plus-Regel unterworfen.

Des Weiteren bleibe die Forderung nach einer Fortsetzung der Kinoförderung bestehen:"Wir sehen uns den Herausforderungen der Pandemie weiterhin ungebremst gegenüber, doch spätestens jetzt sind die Rücklagen der Kinos endgültig aufgebraucht", sagt Christine Berg. "Angesichts sämtlicher weiterer Beschränkungen werden die Kinos es in 2022 nicht ohne zusätzliche Förderungen schaffen, wenn man eine mögliche Insolvenzwelle und den Verlust an Kino- und Kulturvielfalt in Deutschland verhindern will."