Produktion

AG Verleih positioniert sich zur Verteilung der Online-Rechte

In einer Stellungnahme zur Novellierung des Medienstaatsvertrages positioniert sich die AG Verleih unter anderem zur Verteilung der Online-Rechte an Kino-Koproduktionen. Aktuelle Bestrebungen der Öffentlich-Rechtlichen seien ein "zerstörerisches Element", dem man mit zwei Kernforderungen entgegentritt.

14.01.2022 13:33 • von Marc Mensch
Noch bis zum 14. Januar können Stellungnahmen zum Diskussionsentwurf abgegeben werden (Bild: IMAGO/Steinach)

Am heutigen 14. Januar läuft die Frist zur Abgabe von Stellungnahmen und Kommentaren zu dem von der Rundfunkkommission der Länder erarbeiteten Diskussionsentwurf für den nächsten Medienstaatsvertrag, oder offiziell "Staatsvertrag zur Modernisierung der Medienordnung in Deutschland" (sie finden den Entwurf an dieser Stelle) aus.

Die AG Verleih hat sich in diesem Zusammenhang mit deutlicher Kritik am Bestreben der öffentlich-rechtlichen Sender, sich umfangreichere Online-Auswertungsrechte zu sichern, zu Wort gemeldet. Wörtlich heißt es in dem Brief:

"Zwei Jahre Pandemie haben die Mobilität, das Freizeitverhalten und auch die Sehgewohnheiten der Menschen verändert und Streamingdienste haben weltweit einen enormen Zuwachs erfahren. Dennoch hat das Kino in den kurzen Phasen der Wiedereröffnung trotz deutlicher Kapazitäts- und Zugangsbeschränkungen immer sein Publikum gefunden. Filminteressierte Menschen konsumieren Filme und Serien zu Hause, unterwegs und weiterhin auch auf der großen Leinwand. Die Herausforderungen, die aus den neuen Playern und veränderten Sehgewohnheiten resultieren, liegen vor allem bei den ÖR-TV-Sendern. Das lineare TV verliert immer mehr an Relevanz und Sender müssen mit hochwertigem Content in den Mediatheken nachziehen.

Die ÖR-TV-Sender reagieren auf diese Herausforderungen nicht nur mit einem erhöhten Produktionsaufwand im Bereich Serien und Non-Fiction, sondern verstärkt mit der Forderung nach deutlich längeren und exklusiven Mediatheken-Rechten für Kinokoproduktionen, konträr zu einer bestehenden Branchenvereinbarung. Demgegenüber steht ein immer geringer werdendes finanzielles Engagement für die Kinoproduktion, verbunden mit einer verschwindend geringen Wahrnehmung der deutschen und europäischen Kinokoproduktionen im aktuellen Programm. Diese Entwicklung hat negative Auswirkungen auf die gesamte Wertschöpfungskette, von der Förderung über die Produktion über den Verleih und das Kino bis hin zum Home-Entertainment und schafft ein Ungleichgewicht zwischen privatwirtschaftlichen Akteuren zugunsten der ÖR-TV-Sender.

Und nicht nur das: Immer längere und exklusive Auswertungsrechte trotz vorhandener Branchenvereinbarungen sind ein Eingriff in die Vertragsfreiheit und die Rechte der Filmverleiher wie auch der Produzenten. Filmverleiher engagieren sich insbesondere für den deutschen Film mit hohen Minimumgarantien und hohen Investments in die Herausbringung, ohne die eine erfolgreiche Kinoauswertung nicht denkbar ist. Von dieser 'Veredelung' im Kino profitieren zuletzt auch die Sender, die damit ihr Portfolio erweitern und ihren kulturellen Auftrag erfüllen.

Wir sehen das Bestreben der ÖR-TV-Sender als zerstörerisches Element einer lebendigen Kinofilmkultur, wie auch als einen Eingriff in die Handlungsspielräume und Verwertungsrechte der Produzenten, Verleiher und Kinos. Weiterhin kritisieren wir eine wachsende Aufweichung des aus dem Medienstaatsvertrag resultierenden Auftrags der ÖR-Sender."

Konkret schlägt der Verband zwei Maßnahmen vor:

1. Bei Kino-Koproduktionen mit einem TV-Finanzierungsanteil von mehr als 50 Prozent der Herstellungskosten soll der finanzierende Sender Anspruch auf noch zu definierende, weitgehende Online-Rechte erhalten. Liegt der Finanzierungsanteil des ÖR-Senders unter 50 Prozent der Herstellkosten, sollen sämtliche Online-Rechte (wie laut AG Verleih in den gängigen Branchenvereinbarungen definiert) beim Produzenten bzw. Verleih verbleiben

2. Zur "Erfüllung des kulturellen Auftrages und zur Kompensation des immer geringeren Investments in Kinokoproduktionen" fordert die AG Verleih einen Einkaufspool der ÖR-Sender, verbunden mit der Schaffung von neuen Sendeplätzen. Ziel soll es demnach sein, zusätzliches jährliches Budget für den Erwerb von deutschen und europäischen Filmen bereit zu stellen, die den Sendern dann für eine lineare Ausstrahlung sowie zur Auswertung in den Mediatheken zur Verfügung Stünden. Damit werde der kulturelle Auftrag erfüllt, die Wahrnehmung von Kinofilmen und das Kino gestärkt und eine Alternative zu internationalen Streamingplattformen geschaffen, so der Verband.